In Zeiten der Corona-Krise ist der heimische Laptop für viele Schüler zu einem unentbehrlichen Arbeitsgerät geworden. FOTO: SCHEPP
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In Zeiten der Corona-Krise ist der heimische Laptop für viele Schüler zu einem unentbehrlichen Arbeitsgerät geworden. FOTO: SCHEPP

Homeschooling

1000 Laptops und iPads

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Der Landkreis Gießen schafft 1000 Laptops und iPads an. Damit werden Schüler ausgestattet, die ansonsten beim Homeschooling Nachteile hätten, weil sie keine passenden Endgeräte haben.

Gießen (so). Die Corona-Krise darf keine Bildungskrise werden", sagt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. Das klar definierte Ziel: Schüler sollen auch in diesen Zeiten so gut wie möglich unterrichtet werden. Da der Unterricht womöglich auf absehbare Zeit weiter ein Mix aus Präsenzunterricht und digitalem Lernen von zu Hause aus sein könnte, sollen möglichst alle Schüler über die nötigen digitalen Endgeräte verfügen.

Weitere 500 Geräte

Dem trägt der Landkreis Gießen Rechnung. Und hat deshalb für rund 460 000 Euro 1000 Laptops respektive iPads gekauft. Der Kauf weiterer 500 iPads ist beschlossen.

Diese Geräte werden Schülern leihweise zur Verfügung gestellt, die von Hause aus nicht über solche Geräte verfügen. Denn sie sollen beim Lernen unter Corona-Bedingungen - insbesondere dem Homeschooling, dem digitalen Heimunterricht - nicht benachteiligt sein.

750 dieser Geräte sind bereits geliefert und werden derzeit mit der nötigen Software versehen. In den kommenden Tagen, definitiv noch vor dem Sommerferien ab 3. Juli, sollen so viele Geräte wie möglich und angefordert ausgegeben werden. Dies auch, um diese Geräte bereits in den teils geplanten Sommercamps nutzen zu können.

Eine der ersten Schulen, die in der kommenden Woche diese Geräte für Schüler mit Bedarf zur Verfügung gestellt bekommt, ist die Anne-Frank-Schule in Linden.

Kritik von CDU und FDP

Doch dies geht nicht allen schnell genug: CDU und FDP übten im Schulausschuss des Kreistags am Dienstag Kritik. Der Liberale Wolfgang Greilich befürchtet Defizite in der Ausstattung für die digitale Unterrichtsgestaltung. Es sei bemerkenswert, was Schulen und Lehrer in den vergangenen Wochen auf die Beine gestellt hätten - aber just dies habe auch Defizite aufgezeigt. "Was ist in den vergangenen vier Wochen passiert? Warum werden die Endgeräte nicht sukzessive ausgeben?, fragte Greilich bei Schuldezernentin Christiane Schmahl (Grüne) nach. Und kritisiert, dass das Konfigurieren der Geräte, das Ausliefern und das Ausgeben der Leihverträge nicht parallel geschehen ist: "Multitasking nennt man das. Diese Fähigkeit scheint in diesem Dezernat nicht gegeben zu sein", ätzte Greilich in Richtung Schmahl. Die CDU-Opposition hatte gar ein Bündel von 19 Fragen zu dem Themenkomplex vorgelegt.

Leihverträge

"Sie unterstellen, dass wir die Schulen schlecht ausstatten. Das stimmt nicht", wehrt sich Schmahl mit aller Deutlichkeit. Und verweist darauf, dass es bei anderen Schulträgern längst noch nicht so gut funktioniert. "Kein anderer Landkreis hat bereits Endgeräte bestellt geschweige denn verteilt. Wir werden einer der ersten Landkreise in Hessen sein, der seine Schulen so ausstattet."

Ende April habe man sich auf den Weg gemacht, die Laptops und iPads zu ordern, erinnert Schmahl. Die ersten 500 wurden am 25. Mai geliefert. Danach haben 14 Tage lang zwei Fachleute daran gearbeitet, diese mit der nötigen Software zu bespielen. In dieser Zeit wurden zudem Leihverträge ausgearbeitet und an die Schulen verschickt. Favorisiert wird ein unbürokratisches Verleihsystem über die Schulen. Es gibt rund 16 500 Schüler im Kreis. Da schätzt die Schuldezernentin die gekauften 1000 Geräte nicht als ausreichend ein.

Schulen melden Bedarf

Wobei es ein paar Tage gedauert hat, bis man von den Schulen deren lokal ermittelten Bedarf gemeldet bekommen hatte. Um etwas zügiger voranzukommen, hatte die Dezernentin mit der CBES Lollar, der Grünberger Theo-Koch-Schule und der Gesamtschule Hungen drei Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe abgefragt, um einen "Überblick über die Dimension des Mangels" zu bekommen.

Florian Vornlocher (CDU) zeigte sich "sehr enttäuscht", dass es einen Monat gedauert habe, die Nachfragen der Union zu diesem Thema zu beantworten. Zumal die CDU dazu ebenfalls eine Initiative eingebracht hatte. "Beim Homeschooling wurde schlichtweg geschlafen. Man wurde erst tätig, als die CDU dies beantragt hatte", reklamiert der junge Christdemokrat die Verdienste für seine Fraktion.

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