Kammerspiel "Idioten der Familie"

Zwischen Egoismus und Nostalgie

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(dpa). Jahrelang hat sich Heli um ihre geistig behinderte Schwester Ginnie gekümmert. Eine anstrengende Aufgabe, die sie gerne übernommen hat, die aber auch an den Kräften gezehrt hat. Mit 40 will die Künstlerin nun ihr Leben neu ordnen. Doch das geht nur, wenn Ginnie in ein Heim kommt. Zum Abschied verbringen die Schwestern mit ihren drei Brüdern ein letztes Wochenende im Haus ihrer verstorbenen Eltern - Tage, die von nostalgischen Gedanken an die gemeinsame Kindheit erfüllt sind, in denen aber auch Spannungen zutage treten. Denn jedes der fünf Geschwister hat seine eigene Vorstellung von einem glücklichen, erfüllten Leben, wie das mit einem tollen Ensemble besetzte Kammerspiel "Idioten der Familie" eindrücklich zeigt.

Regisseur Michael Klier inszeniert mit scharfem Blick für zwischenmenschliche Spannungen. Statt auf große Gesten setzt er auf leise Töne. Verwandtschaftliche Bande bedeuten hier nicht unbedingt, dass man sich gut versteht. Er habe den destruktiven Egoismus und die lähmende Bequemlichkeit moderner westlicher Menschen zeigen wollen, "das "Idiotische" im Normalen und das Normale im "Idiotischen", erklärt Regisseur Klier. "Im Kern geht es bei der Geschichte um die Frage nach Solidarität mit den Schwachen in einer überindividualisierten Gesellschaft."

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