ARD/SWR TATORT: HETZJAGD, Fernsehfilm Deutschland 2021, am Sonntag (14.02.21) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Maria (Anna Herrmann) und Hedwig (Anna-Maria Lux) wissen beide nicht wohin mit sich, das verbindet die beiden Unbekannten.
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Maria (Anna Herrmann) und Hedwig (Anna-Maria Lux) wissen beide nicht wohin mit sich, das verbindet die beiden Unbekannten.

Sonntag im Ersten

Klischee-Fest? „Tatort: Hetzjagd“ bringt ARD gute Quoten und vernichtendes Feedback

Am Sonntag lief im ersten der neue „Tatort“ aus Ludwigshafen namens „Hetzjagd“. Viele Zuschauer schalteten ein – nur um enttäuscht zu werden.

  • Die ARD hat am Sonntag, 14. Februar, eine „Tatort“-Erstausstrahlung ins Quotenrennen geschickt.
  • Der Ludwigshafener Fall „Hetzjagd“ griff ein brisantes Thema auf: Rechtsextreme Gewalt.
  • Der Film holte eine starke Quote, wurde aber inhaltlich von Fans und Zuschauern abgestraft.

Update vom Montag, 15.02.2021, 11.15 Uhr: Gute Quote, aber viel Spott und Hohn – so könnte kurz und knapp das Fazit zur neuen „Tatort“-Folge namens „Hetzjagd“ lauten. Zwar kam der Krimi aus Ludwigshafen nicht ganz an die erstklassigen Zahlen von mehr als zehn Millionen Zuschauern heran, die seine Vorgänger in den vergangenen Wochen erzielten, sicherte sich mit 9,16 Millionen Zuschauern aber locker den Tagessieg, wie aus den Angaben des Medienmagazins „dwdl.de“ hervorgeht. Die Einschaltquote entsprach einem Marktanteil von 25,6 Prozent. Das Thema rechte Gewalt lockte offenbar auch vermehrt Jüngere vor den TV. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen holte „Hetzjagd“ starke 22,2 Prozent Marktanteil, 2,25 Millionen Menschen schalteten ein.

Ob die guten Quoten bei der ARD aber ausschließlich Jubelarien auslösen, darf man zumindest hinterfragen. Schließlich waren große Teile des Publikums unzufrieden mit dem, was ihnen die SWR-Produktion bot. Bereits im Vorfeld hatten Kritiker in verschiedenen Medien den „Tatort“ wegen dessen Logiklücken und seinem plumpen Umgang mit Rechtsextremismus auseinandergenommen (siehe unten). Genau diese Kritikpunkte stießen vielen auch nach der Ausstrahlung des Films sauer auf. So schrieb beispielsweise eine Twitter-Nutzerin, der „Tatort“ sei „das reinste Klischeegewitter“.

„Tatort: Hetzjagd“: ARD-Film bekommt viel Kritik ab

„Unglaubwürdig“, „konstruiert“, „grausames Drehbuch“: In den Kommentarspalten hagelte es so von vielen Usern ungewöhnlich viele schlechte Noten für „Hetzjagd“. Auch Experten wie der Kriminologe Henning Ernst Müller ließen kein gutes Haar an dem Krimi. „Sehr sehr schwach. Ein Klischee jagt das nächste, absolut konstruierte ‚Zufälle‘, sehr unrealistische Polizeiarbeit. Schwache Dialoge“, schrieb er bei Twitter. Autor Alex Urban bemängelte, Nazis und Rechtsextreme würden eben nicht immer aussehen, wie man sich Nazis und Rechtsextreme gemeinhin vorstellt – und wie der Film sie vereinfacht darstellte.

Für großen Unmut sorgte denn auch die Auflösung des Kriminalfalls. Dass der Mord an dem antirassistischen Aktivisten Tillmann Meinecke am Ende doch nicht von einem Rechtsextrem, sondern der „Mutter der Freundin des Toten“ begangen wurde, störte wohl nicht nur Rapperin Wissenschaftlerin und Autorin Reyhan Şahin alias „Lady Bitch Ray“, die ihre Follower rhetorisch fragte: „Finde nur ich dieses Narrativ verharmlosend problematisch?“

„Tatort: Hetzjagd“ (ARD): Handlung, Darsteller, Drehorte und Kritiken des Sonntags-Krimis

Erstmeldung vom Sonntag, 14.02.2021, 14.10 Uhr: Ludwigshafen – Die ARD hat einen Lauf, könnte man wohl sagen, angesichts der Top-Quoten die „Tatort“-Folgen wie „Der Tod der Anderen“ oder „Tödliche Flut“ jüngst erzielten. Nun soll die dienstälteste Kommissarin der Reihe, Lena Odenthal alias Ulrike Folkerts, diese Erfolgsserie fortsetzen. Zumindest der Name des neusten Ablegers des „Tatort“ lässt aufhorchen, weckt „Hetzjagd“ doch begrifflich Erinnerungen an die Ausschreitungen in Chemnitz 2018. Thematisch bleibt der Film zumindest in ähnlichen Gewässern: So müssen die Polizisten aus Ludwigshafen in der gewaltbereiten rechten Szene ermitteln. Ob das die Fans überzeugen kann?

„Tatort: Hetzjagd“ (ARD): Das ist die Handlung des Ludwigshafen-Krimis

War es ein rechtsextremistischer Anschlag? Diese Frage drängt sich in „Hetzjagd“ sofort dem „Tatort“-Team auf, als Konzertveranstalter Tillmann Meinecke beim Joggen erschossen wird. Bekannt war das Mordopfer nämlich vor allem für sein Engagement gegen die rechte Szene, in deren Visier er etwa durch „Rock gegen Rechts“-Konzerte geraten war. Vergeblich hatte Meinecke deshalb Polizeischutz beantragt. Sein Tod löst eine Fahndung aus, bei der Lena Odenthal und ihrem Team Ludger Reents ins Netz geht. Bei einer Polizeikontrolle erschießt der Gesuchte eine Oberkommissarin und wird verhaftet, seine Vertraute Hedwig Jörges kann jedoch fliehen.

Der Fall scheint gelöst: Reents ist Mitglied einer rechtsextremen Organisation und war zur Tatzeit am Tatort. Nur den Mord streitet er vehement ab. Gemeinsam mit dem Verfassungsschutz tauchen Lena Odenthal und Johanna Stern in das Umfeld des mutmaßlichen Schützen ab. Sie befragen Meineckes Freundin Maria und deren Mutter. Die geschockte Maria ist überzeugt von der Anschlagsthese. Sie überwirft sich mit ihrer Mutter, die Meinecke noch nie leiden konnte. Ein Zufall bringt die Handlung dann mächtig ins Rollen: Als Maria durch das nächtliche Ludwigshafen streift, trifft sie die flüchtige Hedwig – nichtsahnend über deren Verbindung zu Ludger.

„Tatort: Hetzjagd“ (ARD): Die ungewöhnlichen Dreharbeiten zum neuen Krimi

„Hetzjagd“ ist unter besonderen Bedingungen entstanden. Die Dreharbeiten begannen im März 2020. Dann kam die Pandemie – und mit ihr eine monatelange Pause. Erst im Juni liefen die Kameras wieder. Wer darauf achtet, kann erkennen, dass der neue „Tatort“ in zwei unterschiedlichen Jahreszeiten abgelichtet wurde: Im Vorfrühling und im Hochsommer. Bäume gibt es deshalb mal mit, mal ohne Blätter. Für die erzählerische und bildliche Kontinuität trugen die Schauspieler trotz Juni-Hitze Winterkleidung. Die SWR-Produktion musste sich außerdem an strenge Hygiene-Auflagen halten.

Gedreht wurde „Hetzjagd“ in Baden-Baden, Karlsruhe und natürlich in Ludwigshafen. Die Büros der Ermittler sind übrigens im sogenannten „Tatort“-Haus in Baden-Baden angesiedelt, auf dessen Etagen auch die Teams aus Stuttgart und Freiburg ihre fiktiven Komissariate haben. Regie führte Tom Bohn, der zuvor auch das Drehbuch geschrieben hatte. Für ihn ist es der 19. „Tatort“-Film. 2020 inszenierte er mit „Unter Wölfen“ bereits den 72. Odenthal-Sonntagskrimi, „Hetzjagd“ ist Nummer 73. Die Filmmusik für die aktuelle Folge wurde von Hans Franek eigens für den Fall komponiert.

„Tatort: Hetzjagd“ (ARD): Die Darsteller

Das Gesicht des Ludwigshafen-„Tatorts“ ist Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal. Es ist wohl die bekannteste Rolle der 59 Jahre alten gebürtigen Kasselerin, die seit mehr als 30 Jahren im Filmgeschäft unterwegs ist. Für ihre Darstellung der Polizistin erhielt sie bereits zwei Preise, den GdP-Stern der Gewerkschaft der Polizei und den Deutschen Fernsehkrimipreis. An ihrer Seite spielt die 36-jährige Münchnerin Lisa Bitter die jüngere Kollegin Johanna Stern, die seit 2014 zum Team gehört. In einer Gastrolle ist in „Hetzjagd“ außerdem der bekannte Pop-Musiker Clueso zu sehen. Und, Achtung Spoiler, Nebendarstellerin Petra Mott hat ihren letzten Auftritt als Polizistin Katja Winter. Sie stirbt kurz nach Filmstart.

RolleDarsteller und Darstellerinnen
Lena OdenthalUlrike Folkerts
Johanna SternLisa Bitter
Peter BeckerPeter Espeloer
Edith KellerAnnalena Schmidt
Polizistin Katja WinterPetra Mott
Maria KarichAnna Herrmann
Hedwig JoergesAnne-Marie Lux
Julia KarichValerie Niehaus
Thomas LeonhardtOliver Stritzel

„Tatort: Hetzjagd“ (ARD) bekommt schlechte Kritiken

Medial kommt „Hetzjagd“ im Vorfeld der Ausstrahlung alles andere als gut weg. Für die „Frankfurter Rundschau“* fragt sich Judith von Sternburg angesichts des eingespielten Schauspielerinnen-Regie-Trios Folkerts, Bitter und Bohn: „Wie konnte es zu einem so verbauten, so lustlos wirkenden Krimi zu einem so virulenten Thema kommen?“ Wer über Logiklücken nicht hinwegsehen kann, sollte die ARD heute Abend meiden, sieht die Autorin doch in der Handlungsentwicklung gleich mehrere „Zumutungen an den gesunden Menschenverstand“.

Ähnlich vernichtend fällt das Urteil von „Spiegel“-Kritiker  Christian Buß aus, der dem Ludwigshafener Krimi nur zwei von zehn Sternen gibt. Die Macher „schrumpften“ das Thema rechte Gewalt auf ein „allzu handliches Format herunter“, in dem „Fascho-Bubis und Nazi-Bräute nur als verirrte Schäfchen“ erschienen, schreibt er. Nichtmal aus den eigenen Reihen gibt es Rückendung für die neue „Tatort“-Folge. Für den Radio-Sender SWR3 schreibt Brigitte Egelhaaf: „Dieser Tatort ist (...) weder so richtig spannend, noch so richtig politisch und so richtig gelacht oder in menschliche Abgründe geblickt, habe ich auch nicht.“ (red/ag/dpa) *fr.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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