Täglich dauerte es mehrere Stunden in der Maske bis sich Charlize Theron (l.) in Megyn Kelly verwandelte. Gretchen Carlson (Nicole Kidman, M.) nimmt sich Anwälte und sagt ihrem Chef den Kampf wegen sexueller Belästigung an. Margot Robbie (r.) spielt die junge hübsche Kayla Pospisil, die von der großen Fernsehkarriere träumt. FOTO: HILARY BRONWYN GAYLE/WILD BUNCH/DPA
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Täglich dauerte es mehrere Stunden in der Maske bis sich Charlize Theron (l.) in Megyn Kelly verwandelte. Gretchen Carlson (Nicole Kidman, M.) nimmt sich Anwälte und sagt ihrem Chef den Kampf wegen sexueller Belästigung an. Margot Robbie (r.) spielt die junge hübsche Kayla Pospisil, die von der großen Fernsehkarriere träumt. FOTO: HILARY BRONWYN GAYLE/WILD BUNCH/DPA

Rumänien

Journalistinnen wehren sich

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Mit geballter Star-Power gegen Sexismus: Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie spielen in "Bombshell" Journalistinnen beim konservativen US-Sender Fox News, die ihren Boss zu Fall bringen.

Barbieblond, hautenge Kleider, hohe Absätze - die besten Voraussetzungen, um bei dem konservativen US-Sender Fox als Nachrichtenmoderatorin Karriere zu machen. Tatsächlich war das die Vorgabe des mächtigen News-Chefs Roger Ailes, der den Lieblingssender des heutigen US-Präsidenten Donald Trump jahrelang leitete, bis ihn Vorwürfe sexueller Übergriffe zu Fall brachten. Der Film "Bombshell" liefert genau, was der doppeldeutige englische Begriff verspricht. Gestylte Powerfrauen, die "Sexbomben" des Fox-Fernseherfolgs, und ein Paukenschlag, der 2016 die Medienwelt erschütterte.

Die Fox-Journalistin Gretchen Carlson, eine frühere US-Schönheitskönigin, ließ die Bombe platzen, als sie Ailes 2016 wegen sexueller Belästigung verklagte, gut ein Jahr bevor die Enthüllungen über Machtmissbrauch des übergriffigen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein die "#MeToo"-Bewegung in Gang setzten. In der Rolle der Star-Moderatorin und Nachrichtensprecherin Megyn Kelly geht Oscar-Preisträgerin Charlize Theron gleich in der ersten Szene zur Sache. Im rot-weiß-blauen Minikleid, in den patriotischen Farben der US-Fahne, führt sie souverän und mit flottem Hüftschwung durch die New Yorker Fox-News-Zentrale, stellt den egomanen Boss (John Lithgow) vor, plaudert über die Männerwelt des Senders. "Durchsichtige Tische haben ihren Grund", sagt sie grinsend in die Kamera. Die Fox-Zuschauer sollen mit schönen Frauenbeinen angelockt werden.

Kelly ist das weibliche Zugpferd des Senders, Gretchen Carlson dagegen schon zweite Garde: von der Hauptsendezeit auf die Nachmittagssendung abgeschoben. Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman setzt das maskenhafte Lächeln der Karrierefrau Carlson auf, die sich mit dem zweiten Platz nicht zufriedengibt. Carlson nimmt sich Anwälte und sagt Ailes den Kampf an. Kürzere Kleider anziehen sei noch das harmloseste gewesen, was der Boss von ihr verlangt habe. Sie berichtet von systematischem Sexismus und hofft, dass andere Fox-Frauen mit Vorwürfen gegen Ailes folgen.

Subtile Momente

Margot Robbie spielt die junge, hübsche Kayla Pospisil, die von der großen Fernsehkarriere träumt. Er verlange Loyalität, dann könne sie es weit bei ihm bringen, verspricht Ailes der jungen Frau. Sie sind alleine in seinem Büro. Sie soll sich bitte mal drehen und ihr Kleid höher ziehen. Mit gequältem Lächeln gibt Kayla dem Drängen nach. "Bombshell" kommt ohne drastische Missbrauchsszenen aus. Es sind diese subtilen Momente, die einen erstarren lassen. Robbies Gesicht spricht Bände, was die Erniedrigungen bei ihrer Figur Kayla anrichten. Die Rolle brachte der 29-jährigen Australierin eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin ein.

Auch Hauptdarstellerin Theron (44) und das Make-up-Team von "Bombshell" holten Nominierungen. Die tägliche Prozedur mit Prothesen an Nase, Kinn und Augenlidern dauerte Stunden. Therons Verwandlung in Kelly, vom Aussehen bis zur rauchigen Stimme, ist verblüffend. Schon 2004 hatte die Südafrikanerin ihre Wandlungsfähigkeit bewiesen, als verlebte Prostituierte und Mörderin in "Monster" (2004) gewann sie den Oscar. Mit kahl rasiertem Schädel und gestählten Muskeln schlug sie in "Mad Max: Fury Road" zu, in "Tully", ohne Make-up und mit Extra-Pfunden, mimte sie eine dreifache Mutter. Und nun die "Bombshell"-Blondine Kelly: Wird sie loyal zu "Team Roger" halten und Ailes gegen Carlsons Vorwürfe in Schutz nehmen oder bringt sie mit anderen Opfern seine Schikanen ans Licht?

Ein verbaler Schlagabtausch mit dem damaligen Präsi- dentschaftsbewerber Donald Trump hatte Kelly 2015 in die Schlagzeilen gebracht. Die Fehde ging auf die erste TV-Debatte im Wahlkampf zurück, bei der Kelly Trump auf frühere sehr herablassende Bemerkungen über Frauen ansprach. Trump reagierte mit einer Twitter-Attacke und üblen Beschimpfungen. "Gut für die Einschaltquoten", applaudierte Ailes.

Hollywood-Regisseur Jay Roach, der mit Komödien-Serien wie "Austin Powers" und "Meine Braut, ihr Vater und ich" früher für harmlose Lacher sorgte, trifft mit dem bitterbösen Dokudrama genau den richtigen Ton für dieses Thema. Immerhin ist auch er längst politischer geworden. In "Game Change" nahm er sich die erzkonservative frühere Vizekandidatin Sarah Palin vor, in "Trumbo" ging es um den legendären Drehbuchschreiber Dalton Trumbo, der einst auf Hollywoods schwarzer Liste geächteter kommunistischer Künstler stand.

Der "Bombshell"-Untertitel "Das Ende des Schweigens" lässt es schon ahnen: Carlson hatte mit ihrer Klage gegen Ailes tatsächlich Erfolg. Das Medien-Imperium 21st Century Fox sprach der Ex-Moderatorin 2016 eine Millionenentschädigung zu. Ailes, der Vorwürfe sexueller Belästigung stets zurückwiesen hatte, trat wenig später ab. Knapp ein Jahr danach starb er im Alter von 77 Jahren.

Die explosive Medienkritik ist in Gießen (Kino-Center) und Marburg (Cineplex) zu sehen.

Meghan und Harry wurden die königlichen Pflichten zu viel - Margareta hätte gern mehr davon: Sie ist die Thronerbin in einem Königreich, das es längst nicht mehr gibt und wäre inzwischen Herrscherin von Rumänien. Wäre da nicht die Geschichte dazwischengekommen. Der Dokumentarfilm "Royal Train" von Regisseur Johannes Holzhausen ("Das große Museum") befasst sich mit der rumänischen Königsfamilie oder dem, was davon noch übrig ist, nachdem die Rumänische Kommunistische Partei den letzten König Michael I. 1947 zur Abdankung zwang und aus dem Land jagte. Im Mittelpunkt steht die älteste Tochter von König Michael, Margareta (auch Margarita genannt), die - in der Schweiz aufgewachsen - seit einiger Zeit in der alten Heimat Lobbyarbeit macht für sich und ihre Familie, die sie zurück an der Staatsspitze sehen will.

Dafür tut sie so, als sei sie dort schon längst wieder angekommen - oder nie weggewesen. Wo auch immer sie sich aufhält, herrscht ein strenges Protokoll, an das sie und ihre Anhänger sich nahezu sklavisch halten. Holzhausen beobachtet das genau, mit viel Geduld, einer guten Prise Humor und kostet die oft absurd anmutenden Situationen lange aus.

So lässt er eine seltsame Parallelwelt entstehen, die vor allem auf den Schienen stattfindet, in dem titelgebenden "Royal Train", in dem Margareta seit 2013 einmal pro Jahr durchs Land fährt, um ihre zukünftigen Untertanen auch in den entlegensten und vergessenen Winkeln Rumäniens zu treffen. dpa

Zum Genre des Film noir zählt man klassischerweise Kultwerke wie "Die Spur des Falken" von John Huston, "Laura" von Otto Preminger, "Frau ohne Gewissen" von Billy Wilder, Carol Reeds "Der dritte Mann" oder "Out of the Past" mit einem ungemein coolen Robert Mitchum in der Hauptrolle. Nun verneigt sich der Rumäne Corneliu Porumboiu in seinem Film "La Gomera" vor eben dieser Filmgattung.

Der renommierte Regisseur Porumboiu (Filme wie "12:08 - Jenseits von Bukarest", "Police, Adjective" oder "Der Schatz") hat dazu Schauspieler wie Vlad Ivanov ("Toni Erdmann") als korrupten Polizisten, Catrinel Marlon als Gangsterbraut sowie Sabin Tambrea ("Ku’damm 59") als Bösewicht um sich gescharrt. In seinem 97-Minüter nimmt uns Porumboiu mit auf die Kanareninsel La Gomera. dpa

Simon Verhoeven hat ein Händchen für Komödien. Mit "Männerherzen" und "Willkommen bei den Hartmanns" eroberte er die Herzen der Zuschauer und sorgte für volle Kinosäle. Nun hat er wieder einen lustigen Film am Start. In "Nightlife" schickt er Elyas M’Barek und Frederik Lau als die Freunde Milo und Renzo auf eine wilde Verfolgungsjagd durchs Berliner Nachtleben. Es geht um kriminelle Geschäfte, wilde Partys, heiße Flirts - und um die Sehnsucht nach der großen Liebe und den Traum vom kleinen Glück mit Frau, Kind und Fahrradtour.

"Nightlife" ist nettes Popcornkino für einen gemütlichen Kinoabend, mit einigen Längen und Ungereimtheiten, aber auch mit vielen Lachern. Frederik Lau als Renzo ist einmal mehr der liebenswürdige Chaot mit Hang zu halbseidenen Machenschaften. Er träumt von der großen Liebe, kann sich aber nicht dazu aufraffen, darum zu kämpfen.

Sein Freund Milo (M’Barek) dagegen will Ernst machen und sein Nachtleben hinter sich lassen, natürlich zusammen mit der richtigen Frau. Abgesehen hat er es auf Sunny (Palina Rojinski). Doch gerade als er eine Chance bei ihr bekommt, wirbelt Renzo seine Pläne durcheinander.

Statt einander romantisch bei Kerzenschein anzuschmachten, jagen Milo und Sunny mit Renzo mitten in der Nacht durch Berlin, mit schießwütigen Kriminellen auf den Fersen und keinem Plan, wie sie das alles heil überstehen können.

Besonders tiefgründig sind die Figuren nicht, dafür reicht schlicht die Zeit nicht angesichts der turbulenten Ereignisse, die sich regelrecht überschlagen. Und so müssen einige Stereotype herhalten. Die harten Jungs der Russenmafia, die trotteligen Muskelprotze, der schmierige Gangsterboss (Nicholas Ofczarek), der im Hintergrund die Fäden zieht und unter der strengen Fuchtel seiner Frau steht. dpa

Der Film läuft in Gießen (Kinopolis), Alsfeld (Kinocenter), Butzbach (Capitol), Karben (Cinepark), Marburg (Cineplex), Nidda (Lumos), Nidderau (Luxor) und Wetzlar (Rex).

Es war eine beispiellose Mordserie, die die Republik erschütterte: Zwischen 2000 und 2007 ermordete die rechtsextreme Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zehn Menschen, darunter neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft. Doch erst 2011 flog der NSU auf. Fünf Jahre lang wurde Beate Zschäpe und vier Mitangeklagten in München der Prozess gemacht, im Sommer 2018 fiel das Urteil.

Nun blickt ein Dokumentarfilm "Spuren" auf die Mordserie - und zwar mit einem ganz klaren Fokus: Während sich der Prozess in erster Linie mit der individuellen Schuld auseinandersetzen musste, stellt Regisseurin Aysun Bademsoy allein die Angehörigen der Opfer in den Mittelpunkt, ihre seelischen Verletzungen, die tiefen Narben. Sie zeigt, wie die Familien ihr Leben heute führen. dpa

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