Eine Aufnahme aus „Gott“ von Ferdinand von Schirach
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„Gott“ von Ferdinand von Schirach heute im Ersten: Der Ethikrat diskutiert den Fall Richard Gärtner, der seinem Leben ein Ende setzen möchte.

TV-Film

„Gott“ (ARD): Ergebnis zu Schirach-Film ist da - So lief die Abstimmung

  • Florian Dörr
    vonFlorian Dörr
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Es solle ein TV-Ereignis werden: Gestern (23.11.2020) zeigte die ARD den Film „Gott“ nach einem Buch von Ferdinand von Schirach. Die wichtigsten Infos zu Handlung, Schauspielern, Kritik und - nun neu - dem Ergebnis der Zuschauer im Überblick. 

Update vom 24.11.2020, 6:20 Uhr: Das Ergebnis der Zuschauerabstimmung zum FilmGott“ nach einer Vorlage von Ferdinand von Schirach, der gestern Abend in der ARD lief, liegt vor: 70,8% der Abstimmenden waren dafür, dass Protagonist Richard Gärtner am Ende des Filmes sterben darf. Für sie hat auch ein gesunder Mensch wie er ein Recht auf assistierte Sterbehilfe. Seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von Februar 2020 ist assistierter Suizid keine Straftat mehr in Deutschland. 29,2% sind hält man die Abstimmung nach „Gott“ für repräsentativ - dagegen, dass Hauptfigur Gärtner ein todbringendes Medikament verabreicht wird. Dies ist nicht der erste TV-Film Von Schirachs, in dem Zuschauer aufgerufen werden, über eine ethische Frage abzustimmen, schon 2016 hat er das Konzept in „Terror“ vorgestellt.

„Gott“ (ARD): Abstimmung ist Teil des Schirach-Films

Erstmeldung vom 23.11.2020: Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat in Deutschland jeder die Freiheit, seinem Leben ein Ende zu setzen. „Der Suizid selbst ist in unserem Recht keine Straftat. Ein Tötungsdelikt setzt immer den Tod eines anderen Menschen voraus“, erklärt Ferdinand von Schirach selbst.

Und dennoch ist das Szenario, das der Film „Gott“, der heute (23.11.2020) von der ARD ausgestrahlt wird, ein besonderes: Von Schirach erklärt: „Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Februar dieses Jahres, das den assistierten Suizid nicht mehr unter Strafe stellt, scheint die rechtliche Sachlage klar. Aber sobald man beginnt, sich mit den verschiedenen im Film vorgetragenen Positionen zu beschäftigen, setzt bei jedem – so bin ich mir sicher – ein intensives Hin- und Hergerissensein ein.“ Wie die Zuschauer die Lage einschätzen, das soll mittels einer Abstimmung Teil des TV-Ereignisses sein.

Christiane Paul gibt im Film „Gott“ nach Ferdinand von Schirach die Professorin Litten.

„Gott“ heute: Die Handlung - Worum geht es im Schirach-Film der ARD?

Richard Gärtner (Matthias Habich) hat einen Wunsch: Der 78-Jährige möchte sein Leben beenden. Dafür will er nicht ins Ausland reisen, sondern sich von seiner Hausärztin helfen lassen. Sie jedoch, Dr. Brandt (Anna Maria Mühe), möchte den ehemaligen Architekten dabei nicht unterstützen, indem sie ihrem Patienten ein todbringendes Präparat besorgt. So landet der Fall von Richard Gärtner vor dem Deutschen Ethikrat.

Dort treffen ganz unterschiedliche Meinungen zusammen: Verfassungsrechtlerin Prof. Litten (Christiane Paul) und der Anwalt von Richard Gärtner namens Biegler (Lars Eidinger) sowie Bischof Thiel (Ulrich Matthes) und Ärztekammerchef Sperling (Götz Schubert) tauschen ihre Argumente aus. Am Ende des ARD-Films „Gott“ richtet sich die Ethikrat-Vorsitzende (Barbara Auer) direkt an das Publikum: Soll der 78-Jährige sein todbringendes Präparat bekommen?

„Gott“ heute: Das Ergebnis - Das Experiment rund um den Schirach-Film der ARD

Die Zuschauer kennen das Konzept bereits aus „Terror“ von 2016. Auch hier wurde ein Film nach Vorlage von Ferdinand von Schirach zum TV-Ereignis, bei dem Zuschauer abstimmen konnten. Bei „Gott“ soll es ähnlich sein. Nach dem eigentlichen Film „Gott“, der von 20.15 Uhr bis 21.40 Uhr läuft, kommt eine Live-Abstimmung im Korsett von „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg. Direkt im Anschluss, etwa um 21.50 Uhr schon, wird „Gott“ noch einmal für rund fünf Minuten fortgesetzt. Hier wird das Ergebnis verkündet. Gegen 21.55 Uhr dann folgt eine Diskussionsrunde bei „Hart aber fair“, die sich um das Thema von „Gott“ dreht.

Wie das Publikum im ARD-Film „Gott“ nach Von Schirach abgestimmt hat, das lesen Sie später auch an dieser Stelle bei uns.

Auch Anna Maria Mühe vertritt in ihrer Rolle als Dr. Brandt im ARD-Film „Gott“ eine klare Meinung.

„Gott“ heute: Die Schauspieler - Wie sieht die Besetzung des Schirach-Films der ARD aus?

Es sind große Namen des deutschen Films, die sich in „Gott“ die Ehre geben. Lars Eidinger ist genauso dabei wie etwa Ulrich Matthes oder Christiane Paul. Eine viel höhere Star-Dichte können die Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland bei Eigenproduktionen nicht aufbieten. Die Schauspieler und ihre Rollen im Überblick.

DarstellerRolle
Barbara AuerVorsitzende des Ethikrats
Lars EidingerRechtsanwalt Biegler
Matthias HabichRichard Gärtner
Ulrich MatthesBischof Thiel
Anna Maria MüheDr. Brandt
Christiane PaulProfessorin Litten
Götz SchubertProfessor Sperling
Ina WeisseFrau Keller

„Gott“ heute: Die Kritiken - Wird der ARD-Film nach Ferdinand von Schirach sehenswert?

In einem Offenen Brief richtet sich eine Gruppe von Palliativmedizinern und Psychologen mit kritischen Tönen über „Gott“ zu Wort. „Die handelnden Personen“, so heißt es einem Bericht der FAZ zu dem Schreiben, „entsprechen zum Teil einem Zerrbild und auch die Fakten entsprechen zum Teil nicht dem aktuellen wissenschaftlichen Stand. Auch fehlen die Positionen der modernen Suizidprävention.“

Auf Süddeutsche.de wird derweil die Sinnhaftigkeit des TV-Ereignisses nach einer Vorlage von Ferdinand von Schirach inklusive Zuschauerabstimmung diskutiert. Dort heißt es zum ARD-Film „Gott“ heute: „Mit der Betonung der persönlichen Autonomie ist gesagt, dass sich der Staat aus der Entscheidung über das Lebensende heraushalten soll und sie jedem Einzelnen zurückgegeben wird. Insofern ergibt es hier Sinn, diese Entscheidung auch den einzelnen Fernsehzuschauern modellhaft vor Augen zu führen und sie zu befragen.“

Derweil fokussieren sich die Stuttgarter Nachrichten auf die vor dem Hintergrund des großen Themas fast schon profane Frage: Ist denn „Gott“, den die ARD heute (21.11.2020) um 20.15 Uhr zeigt, sehenswert? Das „Duell“ zwischen Ulrich Matthes und Lars Eidinger sei das Sehenswerteste an dem Film, der im Wesentlichen von einem Austausch von Argumenten lebt. „Trotz eindrücklicher Reden und Gegenreden bleibt womöglich immer noch jeder bei seiner Haltung, hat aber einige interessante Argumente und Gefühlslagen der jeweils anderen Partei kennengelernt. Nicht das Schlechteste, das man über einen Fernsehabend sagen kann.“

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