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Maruv fährt nicht zum ESC.

Streit eskaliert

ESC-Schock: Eines der erfolgreichsten Länder sagt für den Eurovision Song Contest 2019 ab

Beim ESC in Tel Aviv im Mai müssen Fans in diesem Jahr ohne das in der Szene populäre Land Ukraine auskommen.

Kiew/Moskau - Die Ukraine nimmt nicht am ESC 2019 teil. Dabei ist das Land fast ein Schwergewicht - bei 15 Teilnahmen am ESC hat die Ukraine mit Ruslana (2004) und Jamala (2016) zweimal gesiegt und es neun Mal in die Top 10 geschafft. Diesmal sollte Maruv mit einer frivolen Nummer samt erotischer Zofen auftreten. Doch ihr Sieg beim Vorentscheid löste politischen Knatsch aus, weil die Sängerin - wie viele ukrainische Popstars - auch in Russland mit Konzerten Geld verdient. Und Singen beim Feind geht aus Sicht eines kleinen, aber einflussreichen Teils der ukrainischen Gesellschaft gar nicht.

Ukraine verzichtet auf die Teilnahme am Eurovision Song Contest (ESC) in diesem Jahr

Nun verzichtet die Ukraine auf die Teilnahme am Eurovision Song Contest (ESC) in diesem Jahr, weil es weder mit Maruv noch mit den Nachplatzierten eine Einigung gab. Die Gruppe Kazka etwa schrieb bei Instagram: „Unsere Mission ist, die Leute mit Musik zu einen, aber nicht Zwietracht zu säen“. Mit „Traurigkeit“ reagierte die European Broadcasting Union, die international über den Wettstreit wacht. Doch der Eklat zeigt auch, wie es um die künstlerische Freiheit in dem in die EU strebenden Land steht. Sie wolle keine Werbung machen für die ukrainische Politik, teilte Maruv mit.

Ihr Land sieht sich im Krieg mit Russland - seit bei Kämpfen zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten in der Ostukraine Tausende Menschen gestorben sind. Zudem hat sich Russland vor fünf Jahren die laut Völkerrecht zur Ukraine gehörende Schwarzmeerhalbinsel Krim einverleibt. Zu spüren bekam den Konflikt 2017 auch die im Rollstuhl sitzende russische Sängerin Julia Samoilowa, die wegen eines Auftritts auf der Krim in dem Jahr nicht beim ESC in Kiew singen durfte.

Die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt der Ukraine teilte jetzt mit, der Vorentscheid habe aufgedeckt, dass die Musikindustrie in der Ukraine ein Systemproblem habe. „Die Verbindungen der Künstler mit dem Show-Business auf dem Gebiet des Aggressor-Staates bleiben auch im fünften Jahr des militärischen Konflikts sehr eng“, teilte die Anstalt mit. Das sei nicht für alle in der Ukraine tragbar. Diskutiert werden soll deshalb ein Gesetz, dass die künstlerischen Beziehungen mit Russland regelt.

Eurovision Song Contest: Gesangswettstreit hat auch politische Dimension

Dass ukrainische Sänger zunehmend Nachteile haben in der Heimat, weil sie auf dem viel größeren russischen Markt mit Texten in dieser Sprache singen, zeigt einiges. Es zeigt auch, wie tief die Gräben zwischen den auch durch verwandtschaftliche Beziehungen und durch die russische Sprache verbundenen Menschen beider Länder sind. Der in Russland sehr populäre Max Barskih etwa sah 2016 sein Konzert in Lemberg im Westen der Ukraine von Nationalisten blockiert. Ähnliches erlebten ESC-Teilnehmerin Ani Lorak und ihre Kollegin Swetlana Loboda, die in Russland leben.

Auch andere populäre Künstler aus der Ukraine wie Irina Bilyk, die Band „Wremja i Steklo“, Olga Poljakowa und Iwan Dorn setzen auf Russisch als Sprache, die die Führung in Kiew aber per Gesetz immer mehr aus dem öffentlichen Leben verdrängen will.

Wie Verbrecher würden Künstler in der Ukraine behandelt, meinte der Musiker Andrej Danilko (45), bei ESC-Fans besser als Verka Serduchka bekannt. ESC-Siegerin Ruslana fragte bei Facebook entrüstet: „Was wollen wir damit sagen oder beweisen? Welche Botschaft tragen wir damit in die Welt?“ Auch der deutsche ESC-Experte Irving Wolther bedauert die Absage der Ukraine in diesem Jahr, findet die Entscheidung aber auch nachvollziehbar.

„Der ESC ist nun einmal ein Länderwettstreit und da bleibt es nicht aus, dass politische Erwägungen in die Auswahl der nationalen Vertreter einfließen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auch Deutschland habe 2016 die Nominierung von Xavier Naidoo rückgängig gemacht, „der zwar unbestritten ein hervorragender Künstler ist, als Repräsentant aber aus verschiedenen Gründen nicht infrage kam“.

Eurovision Song Contest: Sängerin sagt nach Vorentscheid-Triumph ab - der Grund ist kein musikalischer

Unser Artikel vom 25. Februar 2019:

Kiew - „Ich bin Musikerin und kein Schläger in der politischen Arena“, schrieb die 27-Jährige am Montagabend bei Facebook. Die ukrainische Fernsehanstalt „UA:Perschyj“ teilte mit, es habe keine Einigung mit der Sängerin gegeben. Sie wäre bei einer Teilnahme auch „kulturelle Botschafterin“ der Ukraine und nicht nur ihrer eigenen Musik gewesen. Maruv stammt aus der russisch geprägten Ostukraine und heißt mit bürgerlichem Namen Anna Korsun.

Maruv hatte ESC-Vorentscheid mit „Siren Song“ gewonnen

Die Sängerin hatte sich am Samstag gegen fünf Konkurrenten mit dem auf Englisch und Deutsch gesungenen „Siren Song“ (Sirenenlied) durchgesetzt. Kritik gab es danach vom für Kultur zuständigen Vizeregierungschef Wjatscheslaw Kirilenko und verschiedenen Parlamentsabgeordneten. Sie hielten der Sängerin vergangene und geplante Auftritte im Nachbarland Russland vor. Wer nun an ihrer Stelle zum ESC nach Israel fährt, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Maruv sagt nach sieben Stunden Verhandlungen ab

Auf Facebook schrieb sie, sie haben am Montag sieben Stunden verhandelt. Um für die Ukraine in Tel Aviv auftreten zu dürfen, hätte sie einen Vertrag unterschreiben müssen. Sie sei bereit gewesen, auf Auftritte in Russland zu verzichten. „Ich bin eine Bürgerin der Ukraine, zahle Steuern und liebe die Ukraine aufrichtig. Doch bin ich nicht bereit, mit Losungen aufzutreten, die meine Anwesenheit beim Wettbewerb in eine Promo-Aktion unserer Politiker verwandeln.“

Die Ukraine sieht sich im Krieg mit Russland, nachdem der Nachbar sich vor fünf Jahren zuerst die Schwarzmeer-Halbinsel Krim einverleibt hatte und danach auch prorussische Separatisten in der Ostukraine unterstützte. Für Deutschland nimmt das Duo S!sters mit dem Lied „Sisters“ am ESC teil. Im Gegensatz zu anderen Kandidaten muss sich das deutsche Duo nicht mehr im Halbfinale behaupten.

Video: S!sters verteten Deutschland in Tel Aviv

Das Duo S!sters hat den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen. Carlotta Truman und Laurita Spinelli setzen sich im Finale "Unser Lied für Israel" in Berlin gegen sechs andere Wettbewerber durch. Mit ihrem Lied "Sister" vertreten die beiden nun am 18. Mai Deutschland im Finale des weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerbs in Tel Aviv.

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dpa

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