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„Die Wannseekonferenz“ (ZDF): Original-Villa nur teilweise im Film – Hier liegen die Drehorte

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Von: Larissa Wolf

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Im Januar 1942 besprachen in dieser Villa am Berliner Wannsee hochrangige Vertreter der der SS, der NSDAP und verschiedener Ministerien Details des Massenmords an den europäischen Juden, die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“. 
Im Januar 1942 besprachen in dieser Villa am Berliner Wannsee hochrangige Vertreter der der SS, der NSDAP und verschiedener Ministerien Details des Massenmords an den europäischen Juden, die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“.  © Winfried Rothermel / Imago Images

Das ZDF zeigt heute (Montag, 24.01.2022) einen neuen Film über die Wannseekonferenz. Teils wurde er in der Gedenkstätte gedreht, teils im Studio.

Berlin – Auf Einladung von Reinhard Heydrich kommen am Vormittag des 20. Januar 1942 in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin fünfzehn hochrangige Vertreter der nationalsozialistischen Reichsregierung und der SS-Behörden zu einer „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ zusammen. Thema dieser Besprechungsrunde, die später als Wannseekonferenz in die Geschichte eingehen wird, ist die von den Nationalsozialisten sogenannte „Endlösung der Judenfrage“.

Die Teilnehmer besprechen dabei organisatorische Fragen und legen Zuständigkeiten fest, die den systematischen, millionenfachen Massenmord an den Juden Europas betreffen. Anlässlich des 80. Jahrestages der historischen Wannseekonferenz zeigt das ZDF heute (Montag, 24.01.2022) den gleichnamigen Film von Regisseur Matti Geschonneck, der auf der einzigen nach Kriegsende gefundenen Protokollabschrift basiert*.

„Die Wannseekonferenz“ heute (Montag, 24.01.2022) im ZDF: Historische Villa dient als Kulisse

Der ZDF-Film wurde im Zeitraum vom 3. November bis zum 18. Dezember 2020 unter dem Arbeitstitel „Die Wannseekonferenz“ gedreht. Kulisse war neben den Studios der Berliner Union-Film in Berlin-Tempelhof auch die Original-Villa, in der die Wannseekonferenz vor 80 Jahren stattfand. Ein erinnerungsträchtiger Ort, der heutzutage eine Gedenkstätte ist. Laut Regisseur Geschonnek haben Crew und Schauspieler lediglich „vier oder fünf Tage“ dort gedreht.

Die original Räumlichkeiten der Villa, in denen die nationalsozialistischen Vertreter getagt haben, sind im Film nicht zu sehen. Der Schauplatz wurde lediglich für Außenaufnahmen genutzt. „Wir haben ja nur die Anfahrt, die Abfahrt und zwei, drei Dialogszenen dort gedreht. Was aber natürlich sehr wichtig ist, dieses Gebäude, diesen See, dieses ganze Areal einzubeziehen“, sagte Geschonnek im Interview mit dem ZDF.

„Die Wannseekonferenz“ heute (Montag, 24.01.2022) im ZDF: Hauptteil im Studio entstanden

Der Hauptteil des Films ist im Studio gedreht worden. Dazu wurden die Innenräume der Villa nach historischem Vorbild nachgebaut und eingerichtet. Das habe viele Vorteile, auch angesichts der aktuellen Pandemie-Lage. „Wir sind ungestört, wetterunabhängig und so weiter und so fort. Wir drehten ja auch in Coronazeiten, das darf man nicht vergessen“, so Geschonnek. Studioarbeiten seien deshalb optimal, weil Testungen auf das Coronavirus für Schauspieler und Filmstab einfacher zu organisieren sind. „Das kam uns mehr zu gute, als wenn wir nur an Originalschauplätzen gedreht hätten.“

Am Ende des Films rückt die historische Villa noch einmal ins Rampenlicht: Bei einer langen Sequenz wird das Gebäude allein gezeigt, danach eine Tafel mit der Aufschrift „6 Millionen Juden sind unter der Herrschaft der Nationalsozialisten ermordet worden.“ Ein grausamer Fakt, erzählt in nüchterner Sachlichkeit. Es sei von Geschonnek so gewollt, im Stil des Films zu bleiben und „einfach zu berichten von diesem unvorstellbaren Vorgang des organisierten Massenmords, dieses Völkermords.“

„Die Wannseekonferenz“: Reinhard Heydrich (Philipp Hochmair), in Uniform und langen Mantel bekleidet, läuft schnellen Schrittes zu seiner Limousine, die vor dem Eingang der Villa am Großen Wannsee steht. Die Ordonnanz (Komparse) greift mit der linken Hand die Wagentür, um diese zu öffnen.
In „Die Wannseekonferenz“ heute (24.01.2022) im ZDF verlässt Reinhard Heydrich (Philipp Hochmair, l.), Chef des Reichssicherheitshauptamts, Chef der Sicherheitspolizei und des SD, nach der Besprechung die Villa und eilt zu seiner Limousine. © ZDF/Julia Terjung

„Die Wannseekonferenz“ heute (Montag, 24.01.2022) im ZDF: Villa beherbergte hohe SS-Offiziere

Das Haus am Berliner Wannsee ist in der Tat historisch. Die Fabrikantenvilla aus dem Jahr 1914 war von 1941 bis 1945 im Besitz der SS-Stiftung „Nordhav“ und des Reichssicherheitshauptamtes (Polizeiverwaltung). Sie diente damals als Gästehaus. Dort übernachteten hohe SS-Offiziere, Führer von Einsatzkommandos oder befreundete ausländische Geheimdienstchefs. Anfang Februar 1943 verkaufte die Stiftung ‚Nordhav‘ das Grundstück für 1,95 Millionen Reichsmark an das Deutsche Reich (Polizeiverwaltung) zur „Weiterführung als Kameradschafts- und Führerheim der Sicherheitspolizei“.

Heute ist das Gebäude die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, in der eine ständige Ausstellung zu finden ist. Nach einem Beschluss des Abgeordnetenhauses von Berlin 1991 wurde die Gedenk- und Bildungsstätte errichtet, da es in Deutschland noch keine zentrale Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust gab.

„Die Wannseekonferenz“ heute (Montag,24.01.2022) im ZDF: Der dritte Versuch

Das ZDF-Drama „Die Wannseekonferenz“ von Matti Geschonneck ist bereits die dritte Verfilmung des historischen Ereignisses. 1984 erschien zunächst eine Fernsehversion unter der Regie von Heinz Schirk, die mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet wurde. Frank Pierson war Regisseur der britisch-amerikanischen Version (2001), die wie die historische Zusammenkunft 85 Minuten dauerte und auf deren Protokoll basiert.

Die 2022er „Wannseekonferenz“ von Geschonnek ist anders: So kommt sie beispielsweise komplett ohne Musik aus. „Musik ist sehr gefährlich und zugleich sehr förderlich“, sagte der Regisseur im Gespräch mit ZDF. „Diesen Film komplett ohne Musik durchzuhalten, das war für mich essenziell wichtig. Ich gehe damit allerdings auch natürlich ein großes Risiko ein. Ich will auch der Gefahr einer gewissen Manipulation ausweichen, sie ausschließen.“ (laf) *giessener-allgemeine.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

„Die Wannseekonferenz“ (2022)

Am Montag, 24.01.2022 um 20.15 im ZDF und in der Mediathek. Anschließend wird eine etwa 45-minütige Dokumentation zu den Folgen der Konferenz gezeigt.

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