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Claus-Peter Reisch in Malta vor dem festgesetzen Rettungsschiff „Lifeline“.

„Lebenslinien: Käpt’n Reisch findet seine Mission“

Wie ein Freizeitsegler zum Kapitän eines Rettungsschiffes wurde

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Er weiß, wovon er redet: Ein Filmporträt des Unternehmers Claus-Peter Reisch korrigiert mediale Zerrbilder.

Claus-Peter Reisch ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und seit 2008 im Ruhestand. „Lebensabend“ wäre in seinem Falle ein unangemessener Begriff. Er hatte noch einiges vor. Seine Sammlung von Auto- und Motorrad-Oldtimern pflegen, vor allem mit der eigenen Segelyacht durchs Mittelmeer kreuzen. Das tat er auch. „Es ging bei meiner Segelei ja immer um den Spaß“, sagt er, „und um die Reise und um das Ziel (…).“ Bis er eines Tages auf einem Törn von Sardinien nach Griechenland in den dortigen Häfen die vielen abgewrackten Boote bemerkte.

Mit den längst nicht mehr seetauglichen Kähnen waren Flüchtlinge übers Meer gekommen. Der Anblick gab Reisch zu denken. Und veränderte seine Lebensplanung. Getreu dem Titel der Sendereihe geht die Filmautorin Evelyn Schels der Lebenslinie dieses Mannes nach. Deren Anfang und vorläufiger Endpunkt wollen auf den ersten Blick nicht zueinander passen.

Claus-Peter Reisch - aus einfachen Verhältnissen zum wohlhabenden Mann

Claus-Peter Reisch, 1961 in München in einfachen Verhältnissen geboren, schwänzte die Schule, bummelte herum, ging lieber Segeln, reiste mit dem Moped durch Europa. Das Verhältnis zum Vater war gespannt. Dann der Sinneswandel, der Beginn einer Lehre, Startpunkt einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn, die Reisch in die Selbstständigkeit führte und ihn zum wohlhabenden Mann machte, aber auch gesundheitlichen Tribut forderte.

Heute ist der vormalige CSU-Wähler nicht nur als Kapitän von Rettungsschiffen unterwegs, er leistet auch Öffentlichkeitsarbeit. Hält Vorträge, sammelt Spenden. In diesem Jahr hielt er bei der Verleihung der Bayerischen Filmpreise die Laudatio für Markus Imhoof, dessen Dokumentarfilm „Eldorado“ ausgezeichnet wurde. Die versammelte Prominenz erhob sich von den Stühlen, als Reisch die Bühne betrat. An diesem Abend sprach er den denkwürdigen Satz: „Wenn wir unsere Werte mit Grausamkeit verteidigen, haben wir sie bereits verloren.“

Claus-Peter Reisch rettete mit der „Lifeline“ 234 Flüchtlinge aus Seenot

Für die Verwirklichung dieses Gedankens nimmt Reisch auch Ungemach in Kauf. 2018 rettete er 234 Flüchtlinge aus Seenot und brachte sie nach Malta*. Dort wurde er wegen einer Formalität vor Gericht gestellt*. Angeblich sei sein Schiff, die „Lifeline“, nicht ordnungsgemäß registriert gewesen. Evelyn Schels hat ihren Protagonisten zu diesem Prozess begleitet.

Zwischenzeitlich durfte er zurück nach Deutschland, reist dann wieder ins maltesische Valletta und besucht als erstes die Menschen, die er vor dem Ertrinken retten konnte. Berührend, wenn er im Flüchtlingslager herzlich begrüßt und voll innigster Dankbarkeit umarmt wird.

Claus-Peter Reisch: Ausgezeichnet und verleumdet

Evelyn Schels porträtiert einen Zeitgenossen mit bürgerlichem Lebenslauf und konservativer Weltsicht, der eher unfreiwillig zu einer Person der Zeitgeschichte wurde. Nicht zuletzt widerspricht dieser Film medialen Zerrbildern der Seefahrer, die auf dem Mittelmeer nach Ertrinkenden Ausschau halten*. Auch der mit mehreren Menschenrechtspreisen ausgezeichnete Claus-Peter Reisch sah sich dem ausgesetzt, wurde als „Schleuser“ verleumdet.

Sonderbar genug: Menschen, die für ihre oft fragwürdigen politischen Ziele oder aus purem Populismus vollmundig eine diffuse „christlich-abendländische Tradition“ zitieren, brandmarken jene, die ganz im Sinne der christlichen Glaubenssätze handeln. Claus-Peter Reisch ist, was gar nicht verwerflich wäre, kein Schwärmer. Er versteht sich als Pragmatiker, aufs Ganze gesehen ist sein Engagement letztlich, das arbeitet die Regisseurin Evelyn Schels durch eine geschickte Dramaturgie ganz beiläufig heraus, doch beeinflusst von seiner persönlichen und beruflichen Biografie.

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Über die Flüchtlinge, die er anders als viele xenophobe Wortführer genauestens kennengelernt hat, sagt er: „Die jungen Kerle und Frauen wollen aus ihrem Leben was machen. Das sind keine Touristen.“ Da spricht der erfahrene, aus eigener Kraft erfolgreich gewordene Unternehmer. Der weiß, wovon er redet.

„Lebenslinien: Käpt'n Reisch findet seine Mission“, Montag, 21.10., 22:00 Uhr, Bayerisches Fernsehen und in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks.

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