09. Dezember 2008, 16:48 Uhr

Paukenschlag: Kerckhoff-Chefs sind abberufen

Bad Nauheim. - Mit einem Paukenschlag endete am Sonntag die Vorstandssitzung der Stiftung William G. Kerckhoff Herz- und Rheumazentrum: Das Gremium entschied, die beiden Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik GmbH, Prof. Dietrich E. Birnbaum (Ärztlicher Direktor) und Dr. Hans-Albert König (Verwaltungsdirektor), abzuberufen.
09. Dezember 2008, 16:48 Uhr

Bad Nauheim. - Mit einem Paukenschlag endete am Sonntag die Vorstandssitzung der Stiftung William G. Kerckhoff Herz- und Rheumazentrum: Das Gremium entschied, die beiden Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik GmbH, Prof. Dietrich E. Birnbaum (Ärztlicher Direktor) und Dr. Hans-Albert König (Verwaltungsdirektor), abzuberufen. Der Staatssekretär im hessischen Finanzministerium, Dr. Walter Arnold, begründete die spektakuläre Personalentscheidung gegenüber der »Wetterauer Zeitung« (WZ) mit »unterschiedlichen Auffassungen zwischen der Gesellschafterin und den Geschäftsführern hinsichtlich der strategischen Ausrichtung«. Arnold ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung, deren Führungsgremium gleichzeitig als Gesellschafterversammlung der Klinik GmbH fungiert. Nach Informationen der WZ werden Birnbaum und König nicht zuletzt deshalb ersetzt, weil sie unlängst einen Vertrag mit der Leitung der Lahn-Dill-Kliniken in Wetzlar über eine engere Kooperation beider Häuser abschlossen, ohne zuvor die Zustimmung von Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat der Kerckhoff-Klinik GmbH eingeholt zu haben.

Arnold dementierte: »Diese Darstellung ist völlig daneben. Die Kerckhoff-Klinik GmbH hat vielmehr großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern in der Region Mittelhessen.« Warum es die Klinik-Chefs, die für die WZ nicht zu sprechen waren, ihre bisherige Position einbüßen, wollte der Staatssekretär allerdings nicht näher erläutern. Diese »GmbH-internen Vorgänge« seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Zum Nachfolger des bisherigen Kaufmännischen Geschäftsführers König wurde Ulrich Jung ernannt, langjähriger Pflegedirektor der international renommierten Kerckhoff-Klinik. Die Funktion des Ärztlichen Direktors hat der bisherige Forschungsgeschäftsführer Prof. Christian Hamm übernommen. Dem Vernehmen nach soll es sich um Übergangslösungen handeln.

Wie Arnold unterstrich, werde das Bad Nauheimer Herz-, Lungen- und Rheumazentrum auch in Zukunft seine »uneingeschränkte Eigenständigkeit« behalten. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, die alleiniger Gesellschafter der GmbH ist, reagierte damit auf Gerüchte, die seit geraumer Zeit in der Wetterau kursieren: Demnach sei die Röhn-Klinikum AG an einer Übernahme der Kerckhoff-Klinik interessiert. Von Plänen für einen Verkauf könne keine Rede sein, so Arnold. Die Kerckhoff-Klinik werde mit diesem privaten Krankenhaus-Konzern ebenso weiter zusammenarbeiten wie mit Kliniken in der Region, die eine öffentlich-rechtliche Trägerschaft haben. Verstärkt werden soll nach Auskunft des Staatssekretärs die Kooperation mit dem Gesundheitszentrum Wetterau (GZW). Deshalb sei in der Vorstandssitzung am Sonntag GZW-Geschäftsführer Wolfgang Potinius in den Aufsichtsrat der GmbH berufen worden.

Den WZ-Informationen zufolge sollen König und Birnbaum, die offenbar weiter in der Kerckhoff-Klinik tätig sein werden, auf eine engere Verzahnung mit öffentlich-rechtlichen Kliniken in Mittelhessen gesetzt haben. Diesem Ziel diente auch der Vertrag mit den Lahn-Dill-Kliniken in Wetzlar. Im Rahmen der Kooperation auf verschiedenen Fachgebieten sollen Kerckhoff-Patienten in Wetzlar behandelt werden - und umgekehrt. Wie die Verantwortlichen dazu erklärten, werde damit eine noch bessere Versorgung der Patienten erreicht. Zudem entstehe ein Synergieeffekt, der von wirtschaftlichem Nutzen sei. König erläuterte die Strategie, die hinter der Vereinbarung steht: »Durch diese Zusammenarbeit wollen wir auch ein Signal im Wettbewerb der Kliniken in Mittelhessen setzen. Mit der Kooperation gemeinnütziger Kliniken setzen wir ein Gegengewicht zu marktorientierten Interessen privater Betreiber.«

Dieses von den beiden Kerckhoff-Klinik-Geschäftsführern verfolgte Konzept, das offensichtlich gegen die Konkurrenz der Rhön-Klinikum AG gerichtet war, stimmt offenbar nicht mit den Zielvorgaben der Kerckhoff-Gesellschafterversammlung überein. Der Rhön-Konzern hatte von der Landesregierung das Universitätsklinikum Gießen/Marburg übernommen. Arnold und seine Kollegen im Stiftungs-Vorstand wollen dem Vernehmen nach eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Kerckhoff-Klinik und Gesundheitszentrum Wetterau auf der einen und dem Uniklinikum auf der anderen Seite. Damit soll ein Konkurrenzkampf zwischen den Häusern der Rhön AG und den Kliniken in der Wetterau verhindert werden, der für Kerckhoff und GZW ruinöse Folgen haben könnte.

Arnold wollte sich zu diesem Thema bislang nicht äußern. »Die unterschiedlichen Auffassungen zur Strategie wurden zwischen Stiftungsvorstand und den Geschäftsführern diskutiert und führten letztlich zur Abberufung. Ein Schritt, der beiden Seiten nicht leicht gefallen ist«, sagte der Staatssekretär. Bernd Klühs

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