04. März 2016, 11:13 Uhr

Methode auch gegen Zika: Gießener Forscher reduzieren Mückenpopulationen

Gießen (kan). Durch die aktuelle Ausbreitung des durch Moskitos übertragenen Zika-Virus erfährt die Forschung zu Mückenpopulationen derzeit viel Aufmerksamkeit. Auch in Gießen.
04. März 2016, 11:13 Uhr
(Foto: dpa/Archiv)

Mücken – genauer gesagt Moskitos – sind tolle Lebewesen, findet Dr. Marc F. Schetelig. »Jede Frau sollte neidisch sein auf das Make-up, das sie tragen.« Ein paar Tausend dieser Tierchen gibt es in seinem Labor am LOEWE-Zentrum für Insektenbiotechnologie und Bioressourcen in Gießen. Denn dort wird an einer Methode geforscht, die sich sterile Insektentechnik nennt. Durch die aktuelle Ausbreitung des durch Moskitos übertragenen Zika-Virus erfährt die Forschung dazu derzeit viel Aufmerksamkeit. Ursprünglich hatten es die Wissenschaftler aber vor allem auf eine andere Krankheit abgesehen: das Denguefieber. »Das ist mit geschätzten 390 Millionen Fällen pro Jahr das viel größere Problem«, sagt Schetelig. Aber gesprochen werde über Zika. »Das macht nichts, wenn man den gleichen Überträger bekämpft. Das wäre dann zwei Fliegen – oder Moskitos – mit einer Klappe geschlagen.« Dieser Überträger ist die Ägyptische Tigermücke, bei der die sterile Insektentechnik eingesetzt wird. Weiteres Einsatzgebiet sind Agrarschädlinge, meistens Fruchtfliegen. Diese werden schon in viel größerem Maßstab gezüchtet und verwendet als sterile Moskitos. Der Grund dafür liegt darin, dass man nur männliche Tiere aussetzt und das Verfahren zur Aussortierung derzeit nur bei Fliegen etabliert ist, wie Schetelig erklärt.

Wie funktioniert das Prinzip der sterilen Insektentechnik

Das Prinzip der sterilen Insektentechnik: Es werden per Gammastrahlung oder durch Gentechnik sterile Männchen erzeugt, die dann freigelassen werden. Sie konkurrieren mit anderen Männchen um die Weibchen. Allerdings können sie keine Eier befruchten, sodass der Nachwuchs ausbleibt. Auf diese Weise wird die Population der Moskitos verringert.

Auch in Brasilien wird so gegen den Zika-Virus gekämpft. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat vor einigen Tagen angekündigt, einen Gammastrahler nach Brasilien zu bringen, um die Produktion der sterilen Moskitos zu erhöhen.

Die sterile Insektentechnik gebe es schon seit etwa 60 bis 70 Jahren, erklärt Schetelig. »Sie ist keine Technik, die die anderen ersetzen soll.« Das heißt: Herkömmliche Methoden wie der Einsatz von Insektiziden und Fallen werden weiter benötigt, vor allem dann, wenn es darum geht, die Population erst einmal auf ein Maß zu reduzieren, bei dem der Einsatz der sterilen Männchen sinnvoll ist.

Die Vorteile der Methode

Der Vorteil der Methode der Gießener Forscher: Sie ist umweltfreundlich, sagt Schetelig, »weil das die einzige Technik ist, von der wir wissen, dass sie speziesspezifisch ist«. Sie richtet sich also nur gegen die Tigermücke und schadet anderen Arten nicht. Doch was ist mit Tieren, die sich von den Moskitos ernähren? »Es wird keine Ausrottung der Moskitos geben, egal durch welche Technik«, ist sich Schetelig sicher. Das sei auch nicht nötig, weil sich unter einer bestimmten Populationsgröße das Virus nicht mehr so gut ausbreiten könne. »Dann gibt es immer noch genug Moskitos. « Ein weiterer Vorteil der Methode: Im Gegensatz zu Giften können die Insekten gegen die Gammastrahlung nicht immun werden. Außerdem kann sie sogar vorbeugend eingesetzt werden, also bevor sich eine Insektenpopulation überhaupt ausbreitet.

Der Moskito selbst störe eigentlich nicht – es sind die Krankheiten, die ihn gefährlich machen. Deshalb ist es Scheteligs Wunsch, dass es irgendwann Impfstoffe beispielsweise gegen Denguefieber gebe und dass man die Krankheiten aus den Mücken rausbringen könnte – »ohne sie zu töten. Das wäre das Beste«.

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