Zwischen den Zahlen

  • schließen
  • Gerd Chmeliczek
    schließen

Gießen (gäd/eb). Jeden Monat berichten wir auf dieser Seite ausführlich über die Arbeitslosenzahlen, beleuchten die Statistiken für den Bund, für Hessen und für die Region. Doch was steckt eigentlich hinter den Zahlen? Wann ist jemand arbeitslos und taucht auch in der Statistik auf? Auf welche Daten berufen sich die Arbeitsagenturen? Für viele Begriffe rund um den Arbeitsmarkt gibt es verschiedene Definitionen. Wir beziehen uns an dieser Stelle auf diejenigen, die auch in den Statistiken der Arbeitsagenturen ihren Niederschlag finden:

Gießen (gäd/eb). Jeden Monat berichten wir auf dieser Seite ausführlich über die Arbeitslosenzahlen, beleuchten die Statistiken für den Bund, für Hessen und für die Region. Doch was steckt eigentlich hinter den Zahlen? Wann ist jemand arbeitslos und taucht auch in der Statistik auf? Auf welche Daten berufen sich die Arbeitsagenturen? Für viele Begriffe rund um den Arbeitsmarkt gibt es verschiedene Definitionen. Wir beziehen uns an dieser Stelle auf diejenigen, die auch in den Statistiken der Arbeitsagenturen ihren Niederschlag finden:

Arbeitslose(r) – Nicht alle erwachsenen Menschen, die keiner Arbeit nachgehen, gelten als arbeitslos. So werden beispielsweise Schüler und Studenten, Rentner und Pensionäre sowie Frauen und Männer, die sich der Erziehung ihrer Kinder widmen, nicht als Arbeitslose angesehen, schreibt die Bundesagentur für Arbeit.

Arbeitslose sind nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (§ 16 SGB III) Personen, die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, das 15 Wochenstunden und mehr umfasst, eine versicherungspflichtige Beschäftigung von mindestens 15 Wochenstunden suchen, dabei den Vermittlungsbemühungen der Agenturen für Arbeit oder des Jobcenters zur Verfügung stehen und sich dort persönlich arbeitslos gemeldet haben.

Arbeitslosenquote – Die Arbeitslosenquote gibt Aufschluss über den Anteil der Arbeitslosen am gesamten Arbeitskräftepotenzial. Die im Arbeitsmarktbericht genutzte Quote wird als Quotient aus der Zahl der Arbeitslosen und der zivilen Erwerbspersonen (Erwerbstätige plus Arbeitslose) gebildet. Zu den Erwerbspersonen zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einschließlich Auszubildende, geringfügig Beschäftigte, Personen in Arbeitsgelegenheiten (Ein-Euro-Jobber), Beamte (ohne Soldaten), Grenzpendler, Selbstständige, mithelfende Familienangehörige und registrierte Arbeitslose.

Saisonbereinigt – Mit Saisonbereinigung ist eine statistische Methode gemeint, mit der die Daten um die Saisonschwankungen geglättet werden, damit der aktuelle Trend erkennbar wird. Die saisonbereinigten Zahlen sind meist eine Ergänzung zu den "regulären" Daten. Ein Beispiel für solche Schwankungen: Die Arbeitslosenzahl liegt in den Wintermonaten Januar und Februar üblicherweise am höchsten im Jahr, da vor allem in der Baubranche oder in der Landwirtschaft die Nachfrage nach Arbeitskräften deutlich geringer ist (wie auch die oben stehenden Zahlen für den Januar 2017 zeigen). In diesen Fällen berechnen die Statistiker Durchschnittswerte. Dieser von Monat zu Monat unterschiedlich ausgeprägte Effekt wird von den Arbeitslosenzahlen abgezogen.

Woher kommen die Daten? – Die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit basieren überwiegend auf den Geschäftsdaten, die in den einzelnen Arbeitsagenturen und Jobcentern anfallen. Eine weitere Grundlage der Statistik sind die Arbeitgebermeldungen zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und geringfügig entlohnten Beschäftigten sowie Meldungen der Verleihbetriebe.

Wer zählt dazu und wer nicht? – Wer als arbeitslos erfasst wird, ist eine Frage der Definition. Die offiziellen Kriterien sind in Deutschland per Gesetz festgelegt und wurden von der Politik immer wieder verändert, zum Beispiel im Zuge der Hartz-IV-Reformen. Über Arbeitslosenzahl und die -quote gibt es daher immer wieder Diskussionen. Grund: In der Statistik der Arbeitsagentur tauchen verschiedene Personengruppen nicht auf, zum Beispiel diejenigen, die nicht als arbeitslos im Sinne des SGB gelten, weil sie an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik teilnehmen oder einen arbeitsmarktbedingten Sonderstatus besitzen. Das bedeutet, sie nehmen an Trainings- oder Qualifizierungsprogrammen teil oder zählen zum Beispiel zu den Personen ab einem Alter von 58 Jahren, die mindestens seit zwölf Monaten Arbeitslosengeld II beziehen und in dieser Zeit keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten bekommen haben.

Die Agenturen veröffentlichen aber in den jeweiligen Monatsberichten auch eine Zahl, in der diese ganzen "Sonderfälle" berücksichtigt werden – gebündelt unter dem Begriff "Unterbeschäftigung". "Hier sind alle Menschen zusammengefasst, die arbeitslos sind und/oder Transferleistungen erhalten", erklärt Pressesprecher Johannes Paul von der Gießener Arbeitsagentur. Im Dezember 2016 waren dies 3,565 Millionen Menschen – rund eine Million mehr als die Arbeitslosenstatistik ausweist. Im Januar 2017 lag die Zahl der Unterbeschäftigten (ohne Kurzarbeit) bei 3,729 Millionen Menschen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare