+
Laura Stevenson aus Long Island überzeugt beim Konzert in Wetzlar. (Foto: chl)

Zwischen Melancholie und Fröhlichkeit: Laura Stevenson

Wetzlar (chl). Was für eine bezaubernd, süße Stimme! Mit jedem ihrer Songs, welche die auf Long Island/New York aufgewachsene Sängerin Laura Stevenson am Dienstagabend im Kulturzentrum Franzis anstimmte, zauberte die dieser Tage ihren 30. Geburtstag feiernde junge Amerikanerin ihren Zuhörern ein Lächeln ins Gesicht.

Das lag einerseits an ihrem zarten, mädchenhaft sanften und klaren Sopran-Gesang, dessen Spektrum von den vornehmlich leisen Tönen dennoch bis hin zu temperamentvollen Gefühlsausbrüchen und zu in der Höhe dann schon schrill schallenden Auswüchsen reichte.

Andererseits spielte wunderbar ihre pausbäckchenhafte Mimik mit manchen unterschwellig humorvollen gesanglich vorgetragenen Geschichten zusammen. Die handeln von der Familie, von der Liebe, von Erwartungen, von zwischenmenschlichen Begegnungen oder auch Enttäuschungen.

Gewollt schräg

Zwischen Melancholie und verschmitzter Fröhlichkeit schaukeln die in Wetzlar diesmal nur solistisch und sich selbst auf der Akustikgitarre begleitend vorgetragenen Songs in beschaulicher Singer-Songwriter-Manier daher – und stilistisch zwischen Folk, Country und ansatzweise auch Indie-Pop/Rock.

Ja, Rock, denn neben mal so verspielten oder träumerischen Nummern wie "The Move", "Journey to the Center of the Earth", "The Healthy One" oder "Nervous Rex" musste man sich die – wahrnehmbare – rockige Attitüde wie bei "Runner" diesmal im Kopf vorstellen (oder in die Platte reinhören). Denn sowohl von einem früheren Auftritt im Franzis wie auch auf ihren drei Alben kennt man Laura Stevenson eigentlich mit Band im Gepäck, auch wenn sie dabei schon vereinzelt solistisch zum Zuge kam. Zwar geht den Liedern, etwa mit dem fehlenden Schlagzeug, der von der Platte her bekannte Indie-Pop-Drive abhanden, doch wirkte die Gesang-Gitarre-Reduktion sowohl stimmig und gekonnt umgesetzt, als auch gefühlsbetonter in ihrem Charakter.

Aber generell erscheinen die Songs der aktuellen, vor einem Jahr veröffentlichen Platte "The Wheel" etwas ruhiger und sinnlicher als vorher.

Dabei kann Stevenson auch anders, nämlich gewollt schräg und mit eingestreuten dissonanten Vorhalten wie bei "Montauk Monster", mit dem sich die Sängerin im Nachgang einer zweimaligen Trennung von ein und demselben "Kerl" wieder aufzumuntern versuchte.

Schließlich kann Stevenson auch punkig, ist sie doch Mitglied (Keyboard) der sich Anfang des Jahres aufgelösten New Yorker Punkrock-Band "Bomb the Music Industry!". Doch das ist ein anderes Blatt. In Wetzlar gab sich Stevenson grazil, lächelnd, lieblich, bezaubernd!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare