+

CORONA-ZAHLEN

Zwischen Lockdown und Impfstart

  • vonDPA
    schließen

Nach dem gestrigen Auftakt in sechs Impfzentren soll ab Anfang Februar landesweit in allen 28 Zentren mit der Immunisierung der Hessen gegen das Coronavirus begonnen werden. Das Nadelöhr bleibt der Impfstoff. Im Kampf gegen die Pandemie soll indes die Maskenpflicht verschärft werden.

Der Corona-Lockdown geht in Hessen erneut in die Verlängerung. Die zunächst bis Ende Januar befristeten strengen Auflagen zur Eindämmung der Pandemie sollen bis Mitte Februar weiter gelten. Das teilte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nach der Bund-Länder-Schalte am späten Dienstagabend mit. Nach den Beschlüssen wird zudem die Maskenpflicht verschärft. In öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften solle künftig eine wirksamere Maskenpflicht eingeführt werden mit medizinischen Masken, kündigte Bouffier an. In dem Beschlusspapier von Bund und Ländern ist die Rede von OP-Masken oder Mund-Nase-Bedeckungen mit den Standards KN95/N95 oder FFP2. Am Mittwoch will sich das Corona-Kabinett treffen und die neuen Regeln beschließen. Die neue Verordnung werde voraussichtlich ab 23. Januar gelten. Die Kontaktregeln sollen indes nicht verändert werden, auch an den Schulen und Kitas bleibe es in Hessen bei den bestehenden Regelungen.

Seit Anfang November sind Kultur- und Freizeiteinrichtungen geschlossen. Auch das Essen und Trinken in Restaurants und Kneipen ist nicht möglich. Als Kontaktregel gilt, dass nur Treffen mit maximal einer weiteren Person erlaubt sind, die nicht zum eigenen Hausstand gehört. Die Schulen und Kitas bleiben grundsätzlich geöffnet, Eltern sollen ihre Kinder aber nach Möglichkeit zu Hause lassen. Geht das nicht, dürfen die Kinder in den Kindergarten gebracht werden. Auch für Schüler bis einschließlich der sechsten Klassen wird an den Schulen Präsenzunterricht angeboten, wenn die Eltern arbeiten gehen müssen. Für Schüler ab Klasse 7 gilt Fernunterricht.

Erleichterung und Hoffnung im Kampf gegen die Pandemie war indes nach dem Start der ersten sechs Impfzentren am Dienstag zu spüren. In Hessen soll ab dem 9. Februar in allen 28 Zentren geimpft werden. »Wir werden ab 9. Februar dafür sorgen, dass dann tatsächlich in allen Zentren geimpft wird, damit wir in die Fläche kommen«, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU). »Wir werden das mit dem begrenzten Impfstoff machen, der uns zur Verfügung steht.« Neben Darmstadt begann am Dienstag das Impfen auch in Kassel, Heuchelheim, Fulda, Frankfurt und Wiesbaden. »Der Impfstoff ist der im Moment begrenzende Faktor für die Durchimpfung der Bevölkerung«, sagte Beuth. Aber man sei guter Dinge, dass in den nächsten Wochen und Monaten ausreichend Dosen kommen, um dann Massenimpfungen durchführen zu können. Es sei ein »gutes Gefühl«, dass man den Kampf gegen die Pandemie jetzt richtig aufnehmen könne. Sein Kabinettskollege, Sozialminister Kai Klose (Grüne), warb noch einmal um Vertrauen in den Impfstoff. Impfen sei der entscheidende Ausweg. In den sechs regionalen Zentren waren am ersten Tag rund 1900 Impfungen geplant.

60 000 Termine bleiben fix

Im Darmstädter Kongresszentrum Darmstadtium sollen nach den Worten des Leiters des Impfzentrums, Jens Rönnfeldt, bis Samstag täglich 252 Menschen die erste von zwei Impfdosen bekommen. Ab dann sollen täglich mehr als 500 Menschen mit einer Immunisierung gegen das Coronavirus beginnen. »Natürlich bin ich froh«, sagte Helmut Gaußmann, der als Erster eine Spritze bekam.

Beuth und Klose sprachen von einem »historischen Kraftakt«. »Es ist rund ein Jahr her, dass der erste Rückkehrflug aus Wuhan in Frankfurt gelandet ist«, sagte Klose. Jetzt habe man in Deutschland verfügbare Impfstoffe. Die ersten Fälle der Atemwegserkrankung waren im Dezember 2019 in Wuhan aufgetreten.

Beuth sagte: »Wir haben uns gut vorbereitet im Land.« Für die sechs nun an den Start gehenden Zentren gibt es bis zum 8. Februar dem Innenministerium zufolge rund 60 000 Termine. Dass es nicht mehr sind, liege an dem nur begrenzt verfügbaren Impfstoff, betonte der Innenminister. Geimpft werden sollen zunächst mehr als 400 000 Menschen in Hessen, die 80 Jahre und älter sind. Anschließend haben überwiegend Menschen im Alter von mehr als 70 Jahren die höchste Priorität. Zu dieser Gruppe zählen außerdem enge Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Senioren und Menschen mit bestimmten Behinderungen oder Vorerkrankungen.

Die rund 60 000 Termine bis 8. Februar in den regionalen Zentren sollen trotz angekündigter Kürzungen bei Lieferungen des Biontech-Impfstoffs sichergestellt werden. Dafür soll auch Impfstoff von Moderna eingesetzt werden, wie ein Sprecher mitteilte. Die 60 000 zur Verfügung stehenden Termine ergäben sich aus den vom Bund zugesagten Biontech-Impfstofflieferungen für drei Wochen.

Von den wöchentlich zugesagten rund 49 000 Dosen werde die Hälfte sicher gelagert, um die Zweitimpfung sicherstellen zu können. 20 000 Dosen gehen pro Woche an die Impfzentren, die übrigen rund 4500 Dosen werden weiterhin in Alten- und Pflegeheimen sowie den besonders belasteten Klinken eingesetzt. Hessen habe zudem rund 4800 Impfdosen des Impfstoffes von Moderna erhalten. Eine weitere Lieferung in ähnlicher Größenordnung sei für die kommende Woche in Aussicht gestellt worden.

Beim Start der Terminvergabe hatte es Probleme gegeben. »Da werden wir nachbessern«, versprachen Beuth und Klose. Dennoch müsse gesagt werden, dass weiter mit »Fallstricken und Herausforderungen« gerechnet werden müsse.

Die Zahl der Corona-Fälle in Hessen hat sich am Dienstag um 450 gegenüber dem Vortag erhöht. Damit liegt die Summe der Infektionen seit Beginn der Pandemie bei 159 409, wie am Dienstag aus den Daten des Robert-Koch- Instituts in Berlin hervorging. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus stieg um 109 auf 4072. Innerhalb von sieben Tagen wurden landesweit 124,9 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner registriert. Laut RKI-Daten liegt in Hessen nur noch der Landkreis Fulda bei der Inzidenz mit einem Wert von 258,1 in der höchsten Stufe des Eskalationskonzepts.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare