Zwei Jahre nach der LGS: Teichhaus ist pleite

Bad Nauheim (bk). Auf den ersten Blick ist es paradox: Die Landesgartenschau (LGS) 2010 war ein Besuchermagnet, hat aber gleichzeitig großen Anteil am wirtschaftlichen Niedergang des Ausflugslokals Teichhaus, das auf dem ehemaligen Ausstellungsgelände liegt. Jetzt mussten die vier Gesellschafter einen Insolvenzantrag stellen.

"Die LGS war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte", erklärt Geschäftsführer Frank Eckardt auf WZ-Anfrage. Aufgrund der Gartenschau seien dem Betrieb Zusatzkosten von gut 130 000 Euro entstanden, doch Mehreinnahmen durch den prognostizierten Besucheransturm seien ausgeblieben. Im Gegenteil: Laut Eckardt machte das Teichhaus 2010 deutlich weniger Umsatz als in den Vorjahren.

Ende Januar hatten sich die vier Gesellschafter entschieden, einen Schlussstrich zu ziehen: Am 6. Februar wurde der Gang zum Amtsgericht Friedberg angetreten. Seitdem ist das Ausflugslokal am Großen Teich geschlossen. Aufgabe des vorläufigen Insolvenzverwalters von der Frankfurter Anwaltskanzlei Brinkmann und Partner ist es jetzt, die Gaststätte wenn möglich zu erhalten. "Es gibt mehrere Kaufinteressenten, vielleicht wird das Teichhaus in Kürze bereits verpachtet", sagt Eckhardt.

In der Rückschau zeigt sich Eckhardt, der das Teichhaus 1995 nach rund 25 Jahren Leerstand übernommen und zu einer Gaststätte gemacht hatte, durchaus selbstkritisch. Den Vertrag mit der Landesgartenschau GmbH abzuschließen, sei sicher ein Fehler gewesen. "Wir haben uns unter Druck gesetzt gefühlt. Außerdem war von einem Besucherboom die Rede, von dem wir profitieren würden", blickt der Geschäftsführer auf die Gespräche mit dem damaligen Bürgermeister Bernd Witzel und LGS-Geschäftsführer Hartmut Kind zurück. 2008 sei es zu ersten Verhandlungen gekommen, bei denen es um finanzielle Forderungen der Stadt und Zugangsmöglichkeiten zum Teichhaus ging. Weil ein klares Umsatzplus erwartet wurde, stimmte die Teichhaus-Leitung laut Eckardt letztlich zu, pro LGS-Besucher 12 Cent zu zahlen. "Zudem haben wir 70 000 Euro in ein Kühlhaus und Küchengeräte investiert", erzählt der Teichhaus-Chef.

"Stammgäste blieben weg"

Doch dann kam alles ganz anders. Das Konzept der Landesgartenschau mit dem Veranstaltungsschwerpunkt Goldsteinpark lenkte die Besucher eher vom Kurpark weg. "Wir haben 2010 30 Prozent weniger Getränke eingekauft und entsprechend weniger Umsatz erzielt als normal. Viele Stammgäste blieben weg, weil wir ohne LGS-Eintrittskarte nur abends zu erreichen waren – und dann auch noch zu unterschiedlichen Zeiten", berichtet Eckardt.

Weil aber unter dem Strich mehr als eine halbe Million Landesgartenschau-Gäste gezählt wurden, sollten die Gastronomen den Höchstbetrag von 64 000 Euro überweisen. Eckardt und seine Kollegen wehrten sich dagegen mit juristischen Mitteln – mit mäßigem Erfolg. Das Landgericht Gießen stellte klar, das der Vertrag korrekt zustande gekommen ist. Beide Seiten einigten sich auf einen Vergleich, wonach die Teichhaus GmbH 40 000 Euro zahlen sollte. Eckardt: "Inklusive Gerichts- und anderer Kosten kamen gut 60 000 Euro zusammen. Durch die Insolvenz wird die Stadt das Geld vermutlich nicht erhalten."

Im Lauf der Jahre hätten die Teichhaus-Betreiber einige schwierige Phasen erlebt, zumal man wirtschaftlich stets vom Sommergeschäft im Biergarten und damit vom Wetter abhängig gewesen sei. "1999 und 2000 war der Teich wegen der Sanierungsarbeiten ohne Wasser, was die Gästezahlen negativ beeinflusst hat", erinnert sich der Teichhaus-Wirt. 2004 habe er wegen der Staatsbad-Kommunalisierung vor der Wahl gestanden, das Gebäude zu erwerben oder sein Lokal zu verlieren. Man entschied sich für den Kauf, entsprechende Kredite mussten aufgenommen werden. Eckardt: "Nach der LGS führte die Höhe der Verbindlichkeiten letztlich zur Zahlungsunfähigkeit, zumal eine Gesetzesänderung für uns die Möglichkeit verschlechterte, in der Steuererklärung Verluste geltend zu machen." Die zwei Winter-Vollzeitkräfte erhalten derzeit Insolvenzgeld, im Sommer hat das Teichhaus fast nur mit Aushilfen gearbeitet.

Sauer ist Eckardt auf die früheren Verantwortlichen im Rathaus und bei der LGS GmbH – nicht nur wegen der Gartenschau, auch bürokratische Hemmnisse hätten die Geschäftstätigkeit erschwert. "Pagodenzelte, die uns ein Freund kostenfrei zur Verfügung gestellt hat, durften wir aus Denkmalschutz-Gründen nicht aufstellen. Stattdessen mussten wir für den Biergarten andere Zelte für viel Geld leihen", sagt der Teichhaus-Chef.

Für Frank Eckardt ist das Thema Teichhaus nach 17 Jahren abgehakt, er will sich beruflich neu orientieren. Erneut geöffnet wird das Lokal wohl nur, wenn sich ein Käufer oder Pächter findet. Ob der beliebte Ostermarkt veranstaltet werden kann, ist derzeit offen.

Stadt an Erhalt interessiert

Wie Erste Stadträtin Brigitta Nell-Düvel erklärt, sei die Stadt auf jeden Fall am Erhalt des Ausflugslokals in exponierte Lage interessiert: "Das Teichhaus ist auch als Veranstaltungsort von Bedeutung." Die Stadt sei der Betreiber-GmbH nach dem Prozess entgegengekommen, habe die fällige Zahlung mehrfach gestundet. "Aber irgendwann war Schluss, weil wir die LGS abrechnen müssen", betont Nell-Düvel.

Zur Vorgeschichte des Vertrags will sie keine Stellung nehmen, weil sie damals noch nicht im Amt war. Nur so viel: "Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Teichhaus GmbH war sicher nicht optimal."

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