Zeugen mit Erinnerungslücken

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Frankfurt- Im Prozess um die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat am Donnerstag ein Zeuge zahlreiche Erinnerungslücken geltend gemacht. Der Mann, der jahrelang der rechten Szene angehörte und sich nach eigenen Angaben schon seit mehreren Jahren davon gelöst hat, hatte ein freundschaftliches Verhältnis mit dem wegen Beihilfe angeklagten Markus H. In seiner Aussage vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt konnte er allerdings wenig über den Inhalt politischer Gespräche und die politische Einstellung von H. sagen. Er habe "keine konkrete Erinnerung" an die Gespräche über aktuelle Themen, sagte er.

Auf andere Fragen vor Gericht blieb der Zeuge die Antwort schuldig: "Dazu möchte ich keine Angaben machen", sagte er etwa auf die Frage nach einer Hausdurchsuchung durch die Polizei, bei der Anleitungen zum Bombenbau gefunden worden seien.

In dem Verfahren vor dem OLG-Staatsschutzsenat muss sich der 47 Jahre alte Deutsche Stephan Ernst wegen Mordes verantworten. Die Anklage wirft ihm vor, im vergangenen Jahr den CDU-Politiker Lübcke aus rechtsextremistischen Motiven auf der Terrasse von dessen Wohnhaus erschossen zu haben. Markus H. soll Ernst politisch beeinflusst haben.

Probleme mit der Erinnerung gab auch eine 60 Jahre alte Zeugin aus Istha, dem Wohnort Lübckes, an. Sie sah in der Tatnacht einen Mann mit Rucksack aus einem gegenüber geparkten Fahrzeug aussteigen. Bei der Identifizierung des Fahrzeugtyps hatte sie allerdings Schwierigkeiten: "Die sehen sich irgendwie alle ähnlich." In ihrer polizeilichen Vernehmung kurz nach dem Mord hatte die Frau von einem "Caddy" gesprochen - Ernst war Eigentümer eines solchen Fahrzeuges. In der Aussage vor Gericht sagte die Frau jedoch, dass sie alle kastenförmigen Fahrzeuge so bezeichne. dpa

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