Zeitumstellung

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Dass es uns in unseren Breitengraden im Vergleich nicht ganz so dramatisch schlecht geht, erkennt man durchaus auch alle halbe Jahre immer wieder daran, wie sehr und in welcher Vehemenz sich mitunter über die Zeitumstellung ereifert wird.

Dass es uns in unseren Breitengraden im Vergleich nicht ganz so dramatisch schlecht geht, erkennt man durchaus auch alle halbe Jahre immer wieder daran, wie sehr und in welcher Vehemenz sich mitunter über die Zeitumstellung ereifert wird.

Vielen dieser erzürnten Menschen wird etwas fehlen, wenn diese tatsächlich, wie gerade im EU-Parlament beschlossen, wegfiele. Dann kann man sich ja gar nicht mehr zweimal im Jahr darüber so aufregen. Blöd! Bei einer im vergangenen Jahr durchgeführten europaweiten Online-EU-Bürgerkonsultation nahmen so viele Menschen teil, wie niemals zuvor: 4,6 Millionen, davon 3 Millionen Deutsche (!) stimmten mit eindeutiger Mehrheit für den "Cloxit", die Abschaffung dieser so dramatisch ungesunden und tierquälerischen Zeitumstellung.

Ob es in Zukunft dann eine dauerhafte Winterzeit oder eine permanente Sommerzeit geben wird, ist im übrigen noch völlig offen. Vor einer von den Deutschen in dieser Abstimmung mehrheitlich gewünschten dauerhaften Sommerzeit wird allerdings von einigen Wissenschaftlern schon wieder gewarnt. Wir würden alle dauerhaft fetter, dümmer und aggressiver werden. Nun ja, das bekommen wir doch ohnehin schon ganz gut hin, dazu brauchen wir eigentlich keine dauerhafte Sommerzeit. Was also tun, wenn die Zeitumstellung tatsächlich abgeschafft würde und es dann keinen Grund mehr zum Herummeckern gibt?

Diverse Fußball-Ultra-Fan-Moralisten machen es vor, wie es geht. Man protestiert, selbst wenn der Grund des Protestes längst abgeschafft wurde, trotzdem munter weiter. Zu beobachten bei den verhassten Montagsspielen der Fußball-Bundesliga. Auch hier wurde beschlossen, dass diese ab 2021 wieder abgeschafft würden, worauf die Fangemeinde entsetzt feststellen musste, dass sie dann ja gar nicht mehr im Block wichtigtuerisch mit Trillerpfeifen, beleidigenden Bannern und herumgeworfenen Gegenständen sich selbst darstellen können. Es gibt dann ja eigentlich gar keinen Grund mehr. Doch, die Eintracht-Frankfurt-Fans zum Beispiel fanden eine Lösung. In einer Pressemeldung verkündeten sie, einfach weitere Aktionen zu planen, selbst zum Nachteil der eigenen Mannschaft, mit der geistreichen Begründung: "Das glauben wir erst, wenn es so weit ist."

Also, man kann guten Gewissens auch an diesem Wochenende wieder über die Zeitumstellung schimpfen. Es kann nach diesem Beschluss der EU übrigens auch passieren, dass sich die einzelnen Staaten nicht mehr auf eine gemeinsame Zeit einigen werden. Dann ist es plötzlich in Frankreich eine Stunde später als bei uns. Wenn das so kommen sollte, würde ich dafür plädieren, es noch konsequenter durchzuziehen. Deutschland ist ein föderales Land, da sollte doch bitte jedes einzelne Bundesland seine eigene Zeit bestimmen dürfen. Oder noch besser: jeder einzelne Bürger, jede Bürgerin bestimmt die eigene Uhrzeit für sich selbst. "Wann wollen wir uns treffen?", fragt der eine, worauf die andere antwortet: "Um 15 Uhr! Aber nach meiner Zeit. Ich habe Sommerzeit."

Mir wird sie jedenfalls fehlen, die Zeitumstellung. Was ist das Leben ohne das wiederkehrende Rätseln darüber, ob man beim Vorstellen der Uhr eine Stunde gewinnt oder verliert, ob es dann früher hell oder später dunkel, oder ob es ganz am Ende früher spät oder heller dunkel wird?!

Dietrich Faber ist Kabarettist, Musiker und Autor der Krimikomödien rund um den Vogelsberger Kommissar Henning Bröhmann. Aktuell ist er mit seiner Show zum aktuellen Buch "Hessen Zuerst" auf Tour, zum letzten Mal in Mittelhessen am 6. 4. im Ernst-Leitz-Saal in Wetzlar. Weitere Infos unter www.dietrichfaber.de

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