Als ob Zeit niemals vergangen wäre

Wetzlar (chl). Wenn die Rockhelden und der Sound der Jugendzeit zum Aufmarsch blasen, werden gerne die Erinnerung und manch strapazierte Lederjacken wieder hervorgekramt. Dass der Eindruck, den der am vergangenen Samstagabend im Wetzlarer Kulturzentrum aufgetretene musikalische Gast hinterlassen hat und 40 Jahre am Leben ließ, davon zeugte die große Resonanz und die bombastische Stimmung

Wetzlar (chl). Wenn die Rockhelden und der Sound der Jugendzeit zum Aufmarsch blasen, werden gerne die Erinnerung und manch strapazierte Lederjacken wieder hervorgekramt. Dass der Eindruck, den der am vergangenen Samstagabend im Wetzlarer Kulturzentrum aufgetretene musikalische Gast hinterlassen hat und 40 Jahre am Leben ließ, davon zeugte die große Resonanz und die bombastische Stimmung.

Ein proppenvolles Haus hat das Gastspiel von "Martin Turner’s Wishbone Ash" nämlich dort beschert. Rund 200 Fans im Alter von vor allem 45 Jahren und älter feierten Turners 2005 gegründete eigene Band und die 70er-Jahre-Hits der ursprünglichen "Wishbone Ash". Zur Erinnerung: Die britische Rockband wurde 1969 gegründet. Sänger und Bassist Martin Turner gehörte ihr von Anfang bis 1980 und danach zweimal jeweils für nur wenige Jahre.

Zwar hatte "The Ash", so der Kurzname der Band, während der 80er-Jahre eine kurze Auszeit, doch der Gitarrist der erste Stunde, Andy Powell, führte bis heute und in wechselnder Besetzung das Erbe des "Originals" weiter. Parallel und unabhängig davon hatte eben Turner seine eigene Band mit seinem Namenszusatz gegründet. Klar, dass es da schon mal zu Verwechslungen kommen kann. Während Powells "Wishbone Ash" bis in die Gegenwart hinein neue Songs und Platten produzierte, tourt "Martin Turner’s Wishbone Ash" vor allem mit den Ash-Songs der 70er durch die Lande. Nichtsdestotrotz hatte Turners Band 2007 die 19972-Erfolgsplatte "Argus" neu eingespielt und diese zum Zugpferd für seine Tournee erkoren.

Nicht verzichten mussten die Fans auf den typischen Gitarrensound, den "Wishbone Ash" unverwechselbar machte. Perfekt haben Ray Halfield und Danny Willson das Zusammenspiel zweier führender Melodie-Gitarren, auch "dual lead-guitar sound" genannt, umgesetzt.

Und so bedankte sich das Publikum lautstark für die vielen Songs der 70er aus der Hoch-Zeit von "The Ash". Obwohl einige aufgepeppte Songs aus "Argus" wie "Leaf and Steam" oder die Balladen "Warrior" und "Sometime World" angestimmt wurden, musste man mit "Phoenix" nicht auf Titel des Ash-Debüts von 1970 oder mit "The Pilgrim" oder "You see red" auf weitere Höhepunkte verzichten. Als wäre die Zeit nie vergangen, rockte das Quartett, zu dem auch noch Schlagzeuger Dave Wagstaffe gehörte, auf hohem Niveau. Classic Rock mit großem Melodienreichtum und spannenden Songsentwicklungen, mal mit mitreißenden Tanz- und mal mit ruhigen Balladen-Elementen, aber auch Blues- und Folklore-Elementen gab den Ton an.

Darüber erhob sich Turners energische Stimme, die manchmal eine näselnd-gepresste Färbung erhielt, so dass man meinen könnte, der Sänger sei der Vater der isländischen-Röhre "Björk". Zugaben waren ob der aufgeweckten Stimmung Pflicht. (Foto: chl)

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