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Der Zeckensammler

  • Martin Schäfer
    vonMartin Schäfer
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Zecken kommen in mehreren Wellen. Zum einen pirschen sich die blutsaugenden Krabbeltiere im Frühsommer an ihre Wirtstiere heran. Eine zweite Welle startet im warmen Herbst.

Die Rede ist hier vom gemeinen Holzbock, der bei uns in Deutschland weitverbreitet und am häufigsten anzutreffen ist. Allerdings gibt es hierzulande rund 20 verschiedene Zeckenarten. Ihr Lieblingswirt ist die Maus, weitere Wirte der Zecken sind indes auch Menschen, Hunde, Katzen und Pferde.

Und an der Zeckenfront tut sich einiges: Mit dem Klimawandel verschieben sich die Verbreitungsgebiete. Neue Arten tauchen auf. Regionen erhalten den Status Risikogebiet, wenn beispielsweise Fälle der Frühsommerenzephalitis (FSME) gehäuft auftreten - wie jüngst bei Lingen im Emsland. Auch im nahen Rheine in Westfalen gibt’s den ersten FSME-Fall, der von einheimischen Zecken übertragen wurde, berichtet der Biologe Michael Bröker aus Marburg. Dieser Zeckenbiss wurde nachweislich nicht von einer Urlaubsreise etwa in Süddeutschland mitgebracht. Die Zecken wandern also nach Norden.

Um Veränderungen zu erfassen und zu verstehen, müssen Forscher den aktuellen Stand erst mal erheben. Und da wird Michael Bröker aktiv. Im Berufsleben war er an der Entwicklung von Impfstoffen gegen die FSME in den Marburger Behringwerken beteiligt. Jetzt als Pensionär sammelt er die Krabbeltiere und möchte Zecken, Krankheitserreger und Vorkommen kartieren. Er zieht in Wald und Flur, streicht mit einem Bettlaken über Gras und Gesträuch, sammelt die Zecken ab und lässt diese dann bei seinen Kooperationspartnern im Labor bestimmen.

Das reicht natürlich nicht für eine Kartierung. "Nach Mittelhessen möchte ich jetzt drei weitere Regionen erfassen: Waldeck-Frankenberg, Osthessen um Fulda und Westfalen", sagt der Forscher und ruft Menschen in diesen Regionen auf, ihm Zecken zuzusenden. Zecken von der eigenen Wade, Zecken vom Hund, Zecken aus dem Pferdefell.

Besonders abgesehen hat es Bröker dabei auf die Auwaldzecke (Foto). "Die ist besonders schön", meint der Sammler und Liebhaber augenzwinkernd. Die Auwaldzecke hat eine interessante Musterung auf dem Rückenschild. Sie überträgt aber auch verschiedenen Krankheitserreger, etwa das FSME-Virus, verschiedene Bazillen und einzellige Parasiten wie die Babesien, die Hunden schwer zur Last fallen können. Die Auwaldzecke hat auch noch eine weitere Besonderheit.

Während der gemeine Holzbock träge am Grashalm auf einen Wirt wartet, der ihn abstreift, verfügt die Auwaldzecke über besser ausgebildete Augen und kann gar auf den Wirt zukrabbeln.

"Menschen, die uns Zecken zusenden, bekommen jedenfalls Rückmeldung: Was ist das für eine Zecke und welche Krankheitserreger sind da drin", sagt Bröker. Labortechnisch nimmt die Auswertung Gerhard Dobler vor, vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München.

"Ich möchte zu den Zecken erst mal nur Daten sammeln", sagt Biologe Bröker. Welche Zecken kommen wo vor und was ist drin an Krankheitserregern. Die örtlichen Gesundheitsdienste können dann auf dieser Datenbasis Empfehlungen herausgeben.

Die Verschiebung und Erweiterung der Risikogebiete nach Norden führt Bröker auf den Klimawandel zurück. Auch in den Alpen sind die Krabbeltiere in größeren Höhen zu finden. Da die Winter milder ausfallen, werden und bleiben Zecken ein Problem über das ganze Jahr, sagte erst jüngst die Stuttgarter Parasitologin Ute Mackenstedt. FOTO: DPA

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