Zahl der Arbeitslosen steigt leicht

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Nürnberg/Gießen (dpa/gäd). Die sich eintrübende Konjunktur hat im Mai auf den deutschen Arbeitsmarkt durchgeschlagen. Erstmals seit fast drei Jahrzehnten verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) im Monatsvergleich einen leichten Anstieg der Mai-Arbeitslosenzahl - und zwar um 7000 auf 2,236 Millionen. Ein großer Teil dieser Entwicklung gehe allerdings auf das Konto einer Datenkorrektur, betonte BA-Vorstandschef Detlef Scheele.

Noch immer seien im Mai 80 000 Menschen weniger erwerbslos gewesen als vor einem Jahr. Zugleich verzeichnete die Bundesagentur die niedrigste Mai-Arbeitslosigkeit seit 1991. Die Arbeitslosenquote lag in dem Frühlingsmonat unverändert bei 4,9 Prozent. In der Regel sorgt der im Mai meist ausgeprägte Frühjahrsaufschwung für einen besonders starken Rückgang der Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum April.

"Auf dem Arbeitsmarkt zeigen sich Auswirkungen der zuletzt schwachen Konjunktur. Zudem haben Sondereffekte die aktuellen Arbeitslosenzahlen belastet", kommentierte Scheele die Arbeitsmarkt-Entwicklung im Mai. Für Überraschung sorgte dennoch ein fast nie da gewesener Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen von 60 000 im Mai. Nach Scheeles Angaben gehen davon etwa 10 000 auf das Konto der schwachen Konjunktur, rund 40 000 auf Überprüfungen von Jobcenter-Daten auf ihre Plausibilität (siehe Zusatzkasten auf dieser Seite).

Was die Abkühlung der Konjunktur angeht, so wirkt sich diese nach Scheeles Angaben derzeit vor allem bei den von Arbeitsagenturen betreuten Kurzzeitarbeitslosen aus. Ihre Zahl sei entgegen der sonst im Mai üblichen Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr um knapp 22 000 gestiegen.

Der hessische Arbeitsmarkt hat im Mai etwas an Schwung verloren. Die Zahl der Arbeitslosen stieg gegenüber dem Vormonat leicht um 481, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur mitteilte. Gegenüber dem Vorjahr gab es dagegen einen Rückgang um 4445. Insgesamt waren 148 930 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das sei der niedrigste Stand in einem Mai seit 1992. Die Arbeitslosenquote verharrte mit 4,4 Prozent auf dem Wert des Vormonats.

Der hessische Arbeitsmarkt zeige sich immer noch robust, betonte der Leiter der Regionaldirektion, Frank Martin. "Ich gehe weiterhin davon aus, dass die Arbeitslosenzahl zum Jahresende deutlich unter dem Wert von 2018 liegen wird." Aus diesen Monatswerten bereits Anzeichen für eine Konjunkturschwäche zu sehen, sei verfrüht, sagte Martin. Es gelte, die Entwicklung der kommenden Monate abzuwarten.

Korrekturen auch in der Region

Bei der Arbeitsagentur Gießen, die für die Landkreise Gießen, Wetterau und Vogelsberg zuständig ist, wurde der lang anhaltende Rückgang der Arbeitslosigkeit im Mai unterbrochen. Bei der Agentur waren im abgelaufenen Monat 16 172 Menschen erwerbslos gemeldet, das entspricht einem Anstieg gegenüber April von 739 Personen und einer um 0,2 Prozent gestiegenen Quote von nun 4,4 Prozent. Ein Jahr zuvor waren 391 Arbeitslose weniger bei der Agentur für Arbeit Gießen registriert. Die Arbeitslosenquote lag damals bei 4,3 Prozent. Agenturleiter Eckard Schäfer verweist in diesem Zusammenhang auf die Überprüfung der Zahlen in den Jobcentern. Durch die Korrekturen sei ein sprunghafter Anstieg bei der Zahl der Arbeitslosen zu verzeichnen gewesen. Die Zahl der Arbeitslosen könnte in den nächsten Monaten weiter steigen, da erste Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung spürbar seien.

Im Landkreis Gießen waren im Mai 7582 Menschen erwerbslos gemeldet, 329 Arbeitslose mehr als im Vormonat. Die Quote stieg um 0,1 auf 5,2 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 5,1 Prozent. Im Wetteraukreis ist die Zahl der Arbeitslosen im Mai um 409 Personen auf 6419 gestiegen. Die Quote erhöhte sich um 0,2 auf 3,8 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Arbeitslosenquote ebenfalls bei 3,8 Prozent. Im Vogelsbergkreis ist die Anzahl der Erwerbslosen nur ganz leicht gestiegen. 2171 Personen waren arbeitslos gemeldet, eine Person mehr als noch im April. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 3,7 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 78 Erwerbslose weniger gemeldet. Die Quote lag damals bei 3,6 Prozent.

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