Von Yoga und Schweinshaxen

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Ich finde, es gibt durchaus Dinge, die sollte man als Kolumnist nicht unbedingt veröffentlichen. Die gehen ja auch keinen was an und sind weiß Gott nicht von öffentlichem Interesse.

Zum Beispiel würde ich niemals darüber schreiben, dass ich mich seit neuestem an Yoga versuche … und dann noch mithilfe von YouTube-Videos mit Frauen in bunten Leggins auf Gymnastikmatten. Es ist in allen Belangen überaus belanglos, ob ein in die Jahre gekommener Kolumnist als "Herabschauender Hund" herumächzt oder nicht.

Zudem würde ich mich mit großer Wahrscheinlichkeit bei einem Teil der Leser und Leserinnen der Lächerlichkeit preisgeben, und das muss unbedingt vermieden werden.

Auch finde ich es persönlich immer sympathischer, wenn man nicht das, was man da gerade wieder so Neues entdeckt und ausprobiert hat, überall und ungefragt auch gleich allen anderen aufdiktieren möchte. So ganz nach dem Motto: "Ich ernähre mich jetzt nur noch von veganer Schweinshaxe, das musst du unbedingt auch machen. Seitdem habe ich 47 Kilo abgenommen, keine Stimmungsschwankungen mehr und herausragenden beruflichen Erfolg. Verstehe gar nicht, wie man keine veganen Schweinshaxen essen kann."

Natürlich ist es im Grundsatz durchaus lohnend und bereichernd, mit wachem Blick durchs Leben zu schlendern und offen zu sein für die Dinge, die die Mitmenschen so tun und ausprobieren.

Viel zu viele Informationen

Ich finde es toll, wenn mir jemand seine Briefmarkensammlung zeigt, mit Seidenmalerei Mandalas ausmalt oder davon träumt, mit dem E-Bike auf den Everest zu fahren. Und doch möchte man trotzdem nicht ALLE Urlaubsfotos von ALLEN Bekannten auf ALLE digitalen Geräte gespült bekommen.

Bei aller Mitfreude darüber, dass ein Meer mit Sand davor etwas Schönes ist, so weiß ich doch inzwischen, wie so ein Wasser im Großen und Ganzen aussieht. In unserem Informationszeitalter gibt es wie der Name eben schon sagt viele Informationen. Sehr viele Informationen. Und manchmal eben auch zu viele Informationen.

Meinungsvielfalt ist was Tolles, und doch muss ich nicht jede einzelne Weltanschauung von Teilnehmern dieser merkwürdigen Corona-Demos nahegebracht bekommen. Ich kenne schon viel zu viele. Und Sie müssen daher auch wirklich überhaupt nicht wissen, ob ich mich nun an Yoga versuche oder nicht. Sie sollten wahrlich davor bewahrt werden, sich mich in der Baby-Kobra-Position vorzustellen. Machen Sie am Wochenende lieber was Schönes. Namasté!

Dietrich Faber ist Kabarettist und Autor. Am 13. 8. spielt der auf dem Altenstädter Open-Air sein aktuelles Soloprogramm: "Bröhmann - die Zugabe!" Alle weiteren Infos gibt es im Internet unter www.dietrichfaber.de

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