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In Frankfurt kann wieder mehr gebaut werden. Der Leiter des Stadtplanungsamtes geht aber davon aus, dass das Bauland auf lange Sicht nicht ausreichen wird. ARCHIVFOTO: DPA

Wohnbaupotenzial in Frankfurt

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Der Wohnungsmarkt in Frankfurt ist angespannt. Laut Planungsdezernent Mike Josef sind jetzt aber Flächen für 16 500 Wohnungen baureif. Wie sich der Wohnungsmarkt nach der Pandemie entwickelt, ist noch unklar.

Die Stadt Frankfurt steht nach Ansicht von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) bei der Baureifmachung von Wohnbauflächen so gut da wie seit Langem nicht. Derzeit seien Flächen für 16 500 Wohnungen baureif, sagte er am Dienstag vor Journalisten. Als laufende Projekte nannte er dabei etwa die Umwandlung der Bürostadt Niederrad in das gemischte Lyoner Quartier mit insgesamt 5400 neuen Wohnungen, die Bebauung des früheren Siemens-Areals in Bockenheim mit etwa 2500 und des früheren Avaya-Geländes im Gallus mit 1200 Wohnungen sowie den Kulturcampus in Bockenheim, wo 1000 Wohnungen entstünden.

Bauen soll Druck nehmen vom Wohnungsmarkt

Bebauungspläne für Flächen, auf denen 9200 Wohnungen errichtet werden könnten, stehen laut Josef vor dem Satzungsbeschluss oder der Offenlage. Darunter ist etwa ein Quartier am Römerhof in Bockenheim, wo 2000 Wohnungen Platz finden könnten. Samt Flächen, deren Bebauung erst in Jahren beginnen könnte, etwa im Nordwesten der Stadt an der A 5, sind laut Josef fast 40 000 Wohnungen »in der Pipeline«. Kleinere Projekte der Innenentwicklung, wie die Aufstockung der Fritz-Kissel-Siedlung in Sachsenhausen, seien in dieser Kalkulation nicht enthalten, hieß es. In solchen Vorhaben sieht Josef ein weiteres Potenzial von zusammen rund 19 000 Wohnungen.

Der Bau all dieser Wohnungen werde dazu beitragen, etwas Druck vom Wohnungsmarkt zu nehmen, sagte Josef vor Journalisten. Schon zuletzt seien die Mieten zumindest nicht mehr so stark wie vor einigen Jahren gestiegen; zuletzt hätten die Mieten für bestehenden Wohnraum um 1,7 bis 1,8 Prozent zugelegt.

Planungsamt sieht Stadt momentan gut aufgestellt

Auf mittlere Sicht sei die Stadt beim Potenzial für Wohnungsbau gut aufgestellt, sagte Martin Hunscher, der Leiter des Stadtplanungsamts. Auf lange Sicht könne das Bauland aber nicht ausreichen, um den bislang prognostizierten Wohnungsbedarf für Frankfurt zu decken. In der Corona-Krise sei es allerdings sehr schwierig abzuschätzen, wie sich das Arbeitsplatzangebot und der vor der Pandemie sehr starke Zuzug nach Frankfurt entwickelten, sagte Hunscher.

Im Streit über die Bebauung der Günthersburghöfe im Nordend warb Josef erneut für die Fortsetzung der Planung. Trotz der inzwischen ablehnenden Haltung der Grünen zu den bisherigen Plänen hat er dem Magistrat jetzt den Bebauungsplanentwurf zur Offenlage vorgelegt.

Die Beschlussvorlage stehe am Freitag auf der Tagesordnung. Der Bau der Günthersburghöfe stehe im Koalitionsvertrag; es gebe zudem mehrere Stadtverordnetenbeschlüsse dazu, sagte Josef. An diese - und nicht einen Parteitagsbeschluss der Grünen - sei er gebunden.

Planungsdezernent Josef warnte erneut davor, nur die versiegelten Flächen in dem von Kleingärten geprägten Gebiet zu bebauen, wie die Grünen das fordern. Denn dann entstünden nicht bis zu 1500 Wohnungen, sondern höchstens 350 Einheiten, und weder eine Grundschule noch eine weiterführende Schule könnten dort gebaut werden.

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