Ein Stuhl mit Fett (1964) von Joseph Beuys im Landesmuseum. FOTO: DPA
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Ein Stuhl mit Fett (1964) von Joseph Beuys im Landesmuseum. FOTO: DPA

Wissen und Kunst mit voller Wucht

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Darmstadt- Tote Tiere, Apparate, alte Meister und zeitgenössische Kunst: Von Millionen Jahre alten versteinerten Skeletten längst ausgestorbener Arten bis zu Installationen von Joseph Beuys vereint das Hessische Landesmuseum in Darmstadt alles unter einem Dach. "Es gibt viele Einrichtungen, die eine große Bandbreite haben, aber Darmstadt sticht schon hervor", sagt die Geschäftsführerin des Hessischen Museumsverbandes, Christina Reisch. Das Universalmuseum zählt zu den ältesten Deutschlands und feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag.

"In dem Zuschnitt, in dem wir es hier haben, sind wir einzigartig in Deutschland", ist sich der Direktor des Museums, Martin Faass, sicher.

Der Großherzog von Hessen und bei Rhein, Ludewig I. (1753-1830), erwarb ebenso wie seine Vorfahren für die fürstliche Sammlung schon vor 1820 Glasgemälde, Kupferstiche, Werke von Dürer und Rembrandt, Elfenbeinschnitzereien, Mineralien und Fossilien. 1820 gab er dann die gesamte Sammlung in Form einer Stiftung an den Staat und machte sie damit auch der Öffentlichkeit zugänglich, zum "Nutzen und der Belehrung" der Bevölkerung. Anfangs noch im Schloss zur Schau gestellt, ist die immense Sammlung seit 1906 bis heute im Prunkbau des gebürtigen Darmstädter Architekten des Pergamonmuseums, Alfred Messel, untergebracht.

Schwerpunkt Beuys

"In der Zeit der Aufklärung war die Idee eines Museums eine universale", sagt Faass. Alles, was die Welt und ihre Geschichte ausmachte, sollte in einem Haus zusammengetragen werden. Damals sei dies auch noch möglich gewesen. "Mit der Revolution des Wissens im 19. Jahrhundert gab es dann den Trend zu spezialisierten Museen."

"Für ganz bestimmte Sammlungsbereiche ist das Haus bekannt und berühmt", meint Faass. Neben den Dioramen - in den Schaukästen werden präparierte Tiere in ihrem natürlichen Umfeld gezeigt - gehören der Block Beuys und die Fossilien-Ausgrabungen aus dem UNESCO-Weltnaturerbe Grube Messel zu der umfangreichen Ausstellung. Eigentlich ist auch das wuchtige Mastodon-Skelett direkt am Eingang zu sehen. Die 14 000 Jahre alten Knochen eines in den USA entdeckten Elefantenahnen werden aber für eine Ausstellung im Smithsonian American Art Museum in der US-Hauptstadt Washington verliehen. Eines der zentralen Ausstellungsthemen ist aber der Aktions- und Installationskünstler Joseph Beuys. "Der Block Beuys ist eine Sensation. Das ist das größte Konvolut von Beuys’ Arbeiten weltweit", erläutert Faass. 290 Objekte des Künstlers (1921-1986) in sieben Räumen zählt das Museum. Mit "Kraftwerk Block Beuys" startet das Haus am 14. Februar auch sein Jubiläumsprogramm.

Ein Darmstädter Sammler kaufte die ersten beiden Ausstellungen von Beuys und bot dann in Zusammenarbeit mit dem Museum an, diese in den sieben Räumen zu arrangieren. Im April 1970 fing der Künstler an und veränderte dann immer wieder mal bis zu seinem Tod 1986 die Zusammenstellung. Er nahm Objekte raus und arrangierte andere hinzu.

Vor dem Hintergrund von Beuys’ Rauminstallationen wird Ende Juni der Performance-Künstler Tomás Saraceno eine spinnennetzartige Ins-tallation im Barocksaal des Museums entwerfen. "Wir knüpfen an Beuys an, setzen aber Beuys in den Dialog zu zeitgenössischen Positionen", erläutert Faass. Auf den argentinischen Künstler Saraceno sollen in den kommenden Jahren weitere folgen. Aber auch die umfassende grafische Rembrandt-Sammlung wird gezeigt und der spektakuläre Fund eines Urpferdes in der Grube Messel neu präsentiert.

Rund 80 000 Menschen besuchen das Landesmuseum in Darmstadt jährlich. Das Haus mit rund 12 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche wird zu 100 Prozent aus Landesmitteln finanziert und hatte im vergangenen Jahr ein Ausgabenbudget von knapp 9,7 Millionen Euro. Im Jubiläumsjahr sollen es knapp 10,4 Millionen Euro sein. Rund eine Million Objekte vom winzigen Mineral bis hin zu massigen Skeletten umfasst die Sammlung. dpa

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