So erst mal nicht mehr in Frankfurt: Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen und in den Parks der Stadt. FOTO: DPA
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So erst mal nicht mehr in Frankfurt: Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen und in den Parks der Stadt. FOTO: DPA

"Wir müssen uns am Riemen reißen"

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Sperrstunde um 22 Uhr, Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen und Parks sowie Maskenpflicht in belebten Einkaufsstraßen wie Zeil oder Neue Kräme: Mit harten Einschnitten versucht Frankfurt den wachsenden Infektionszahlen Paroli zu bieten.

Die neuen Einschränkungen für Frankfurt gelten zunächst für zehn Tage, ab diesen Freitag bis Sonntag nächster Woche, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gestern bei der Vorstellung des Pakets, das der Krisenstab am Vormittag beschlossen hatte. Die Sperrstunde betrifft Gastronomie, Lokale, Kneipen, Bars. Nicht aber Kinos, private Zusammenkünfte oder öffentliche Veranstaltungen, etwa zur Buchmesse. Das Alkoholverbot soll vor allem die Freiluftpartys eindämmen, bei denen die meist jungen Leute ab einem gewissen Pegel zur Unvorsichtigkeit neigen, erläuterte der Oberbürgermeister. Darüber, wo genau die Maskenpflicht im öffentlichen Raum gelten soll, sowie über andere Einzelheiten zu den neuen Regeln werde morgen entschieden. Private Feiern werden in den eigenen vier Wänden auf zehn, in öffentlichen oder angemieteten Räumen auf 25 Teilnehmer begrenzt, erläuterte auch Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) vor der Presse. Für die Kontrollen der neuen Regeln seien Polizei und Ordnungsamt zuständig.

"Die Botschaft ist klar: Corona ist weiter gefährlich", sagte das Stadtoberhaupt. "Wir müssen uns am Riemen reißen." Feldmann bezeichnete die getroffenen Maßnahmen als gravierend: "Das ist uns nicht leicht gefallen und da werden einige erst einmal heftig schlucken müssen", so der Oberbürgermeister. "Aber das ist der Preis, den wir bezahlen müssen, um einen zweiten Lockdown zu verhindern."

In Frankfurt hat sich das Coronavirus in den vergangenen Tagen rasant ausgebreitet. Gestern lag die wichtige Sieben-Tage-Inzidenz, die Auskunft darüber gibt, wie viele Menschen sich pro 100 000 Einwohnern in der vergangenen Woche mit Covid-19 infiziert haben, nach Angaben des Hessischen Sozialministeriums bei 46,5. Ab 50 Neuinfektionen gilt Alarmstufe Rot. Gesundheitsdezernent Majer rechnet damit, dass die Stadt schon heute diesen Wert überschreitet und damit die nächste Eskalationsstufe erreicht.

"Viele Bürger haben dazu beigetragen, dass wir in dieser Situation sind", sagte Majer. "Wir werden aber durch keine behördliche Maßnahme die Kehrtwende hinbekommen. Es wird uns nur gelingen, wenn die Menschen aufwachen." Majer appellierte an die Frankfurter, die Maßnahmen ernst zu nehmen, Abstand zu halten und Masken zu tragen. "Kinn-Visiere" seien jedoch keine Infektionsschutzmaßnahme.

Die Stadt erwägt zudem, den "Herbst in der Stadt" zu verschieben. Die Veranstaltung mit 40 Fahrgeschäften und Buden in der Innenstadt sollte morgen starten. Zumindest soll das Hygienekonzept überarbeitet werden. "Wir nehmen die Pandemie ernst", sagte René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamts. Insgesamt wurden seit Ausbruch der Pandemie in Frankfurt 3775 Menschen positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Davon gelten 3247 Frankfurter inzwischen als genesen. 456 Menschen haben aktuell noch mit den Symptomen der Lungenerkrankung zu kämpfen, 72 Menschen sind an den Folgen gestorben.

Corona-Fälle in Hessen- In Hessen haben sich seit Beginn der Pandemie über 20 000 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Die Zahl stieg seit Montag um 135 auf 20 113 Fälle, wie das Sozialministerium mitteilte. Bislang starben 556 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19.

Hessischer Landtag- Im Landtag gibt es keine Maskenpflicht. Im Parlament gilt nach Angaben einer Sprecherin lediglich eine dringliche Empfehlung, einen Mund-Nasen-Schutz in allen öffentlichen Bereichen zu tragen. Am Rednerpult oder Platz kann die Maske abgenommen werden.

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