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Wildwest im Hinterland

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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"Im Wald, da sind die Räuber" - oder sie waren es zumindest. Nämlich im dunklen Forst bei Gladenbach. Auf der Wandertour "Postraubroute" wird an den legendären und für die meisten der Räuber tödlichen Überfall erinnert.

Es ist der 19. Mai 1822, ein Sonntag. Die Postkutsche bewegt sich nur schwerfällig durch den Wald von Mornshausen im Hinterland bei Gladenbach. Zweimal monatlich fährt ein Wagen, das sogenannte Geldkärrnchen, von Gießen nach Gladenbach und zurück, um herrschaftliche und private Gelder, Briefe und Pakete an ihren Bestimmungsort zu transportieren.

In einem Hohlweg passiert es dann, auf dem Rückweg nach Gießen: Die Pferde keuchen den steilen Hang hinauf. Kurz vor der Höhe lässt der Kutscher die Tiere noch einmal verschnaufen. Da stürzen acht vermummte und mit Pistolen bewaffnete Gestalten aus dem Dickicht und unter den Bäumen hervor und machen durch Warnschüsse unmissverständlich deutlich, was sie wollen: den Schatz auf dem Wagen. Genau 10 466 Gulden, so berichten es Chroniken, fielen ihnen dabei in die Hände.

Doch Geld macht bekanntlich nicht glücklich. Die Räuber, arme Tagelöhner und Bauern aus Kombach und Umgebung, geraten bald in Verdacht. Ihr plötzlicher Reichtum wird ihnen zum Verhängnis. Fünf der Täter werden am 25. März 1824 in Gießen zum Tode durch das Schwert verurteilt und am 7. Oktober 1824 öffentlich hingerichtet.

Ein ebenfalls beteiligter Landschütze erschießt sich vorher, ein weiterer Räuber erhängt sich im Gefängnis. Einem Täter gelingt die Flucht aus der Haft, er verschwindet spurlos. Ebenso der Anstifter des Komplotts: Der Strumpfhändler David Briel soll sich rechtzeitig nach Amerika abgesetzt und dort eine Strumpffabrik gegründet haben.

Wenn man aus dem Subachtal in den Wald abbiegt und auf dem ansteigenden Hohlweg vorwärts marschiert, kann man sich unschwer ausmalen, wie es damals war, als die keuchenden Pferde den schweren Wagen nur mühsam voranbrachten und plötzlich die acht Räuber aus dem Unterholz hervorstürmten. Wie sie die Besatzung der Kutsche mit Schüssen und lautstarken Drohungen einschüchterten und wie die Bedrohten um ihr Leben bettelten.

Überfall auf die Postkutsche

Der Hohlweg am Subachtal beim Gladenbacher Stadtteil Mornshausen ist Teil der Extratour "Postraubroute" im Naturpark Lahn-Dill-Bergland. Für die knapp elf Kilometer braucht man rund drei Stunden (ohne Pausen), festes Schuhwerk und in der Summe eine mittlere Kondition.

Start- und Zielpunkt ist die Gaststube Kornhaus in Mornshausen. Zunächst geht es knapp eineinhalb Kilometer über Feldwege, ehe man an einer Wegegabelung in den Wald kommt und den Hohlweg erreicht, auf dem der legendäre Postraub stattfand. Auf einer Höhe angekommen, umläuft man auf festem Weg den Teufelsberg, der aber einen weniger gruseligen Eindruck macht, als der Ort des kriminellen Geschehens am Hohlweg. Mit etwas Glück und zu nicht allzu später Morgenstunde trifft man sogar auf ein Reh, das einen für einige Augenblicke neugierig anschaut und dann hüpfend im Wald verschwindet. Man streift einen Außenbereich des Ortes Rodenhausen und erreicht am Himmersbach aufwärts wieder den Wald, durch den es zum höchsten Punkt der Tour geht: den Aussichtsturm auf der Erdhausener Koppe. Die Plattform, die laut Naturpark Lahn-Dill-Bergland eindrucksvolle Ausblicke in das Salzbödetal gewährt, ist zurzeit allerdings wegen Unfallgefahr geschlossen. Doch auch ansonsten kann man schöne Mittelgebirgspanoramen auf der Tour sehen. Von der Koppe geht es durch Wald und Feld noch etwa zwei Kilometer bis zum Ausgangspunkt zurück.

Fazit: eine nicht zu aufwendige Tour mit einem interessanten historischen Hintergrund. Und zum Abschluss findet man im Kornhaus sicher auch das Passende für das leibliche Wohl.

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