Die erste Woche seit der Rückkehr der Grundschüler geht ohne große Zwischenfälle zu Ende. Nach Angaben des hessischen Kultusministeriums gab es bislang keine Infektionsfälle an einer der 1159 hessischen Grundschulen. FOTO: DPA
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Die erste Woche seit der Rückkehr der Grundschüler geht ohne große Zwischenfälle zu Ende. Nach Angaben des hessischen Kultusministeriums gab es bislang keine Infektionsfälle an einer der 1159 hessischen Grundschulen. FOTO: DPA

"Wieder Leben spürbar"

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Für die letzten zwei Wochen vor den Ferien sind die Grundschulen weitgehend in den Regelbetrieb zurückgekehrt. Aber wie funktioniert das?

Seit einer Woche wird der überwiegende Teil der 216 000 hessischen Grundschüler wieder in ihren Klassen unterrichtet. Die Zwischenbilanz fällt unterschiedlich aus. Schulleiter berichten von einem weitgehend reibungslosen Alltag, der sich anfühlt wie Frühling. Die Gewerkschaft hält die Öffnungen für pädagogisch sinnlos. Das Kultusministerium ist sicher: Es ist der richtige Weg. Auch in der nächsten Woche gehen die Grundschüler noch zur Schule - dann beginnen die Ferien.

"Es ist wieder Leben spürbar, die richtige Schule wie vor Corona", freut sich Matthias Doebel vom Interessenverband hessischer Schulleitungen. Eine Kollegin habe gesagt: "Es ist, als wäre es Frühling und die Vögel würden wieder aus den Winterquartieren zurückkehren. Es ist wunderschön. Das entschädigt für alles." Bei den Kindern spüre man, "welches riesige Nachholbedürfnis" sie bei Sozialkontakten hatten.

Abstandsregeln etwa auf den Gängen vor den Toiletten funktionierten "entgegen vieler Sorgen auch bei den Erstklässlern und auch in voller Klassenstärke tadellos". Die Doppelbelastung von Regelunterricht und Homeschooling belaste Lehrer sehr. "Das Corona-Damoklesschwert bleibt über unseren Häuptern: Wir hoffen und bangen gleichzeitig." Mit Verspätung war eine Schule in Kassel in die Woche gestartet. Nach einem positiven Test bei einem Kind kurz vor der Schulöffnung blieb sie bis einschließlich Donnerstag geschlossen. Nach Angaben des hessischen Kultusministeriums gab es in der ersten Woche keine neuen Infektionsfälle an den 1159 hessischen Grundschulen.

Gewerkschaft kritisiert Öffnung

Kein Grund für Entwarnung, findet die Landesvorsitzende der Gewerkschaft GEW, Birgit Koch. Dass sich in der ersten Woche niemand infiziert habe, "das kann man nicht seriös sagen, das zeigt sich erst später." Für die GEW Hessen macht die Schulöffnung für nur zwei Wochen "pädagogisch keinen Sinn". Rund zehn Prozent der Lehrer stehen als Risikogruppe nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung. Für die beiden Abschlusswochen wurde die Schulbesuchspflicht aufgehoben, die Schüler dürfen auch zu Hause lernen, wenn die Eltern das wollen. Landesweit seien gut 90 Prozent der Schüler zurückgekehrt, schätzt das Kultusministerium. Allerdings gebe es starke Unterschiede zwischen den Schulen. Laut GEW kamen in manchen Schulen nur die Hälfte der Schüler zum Unterricht.

"Die überwiegende Mehrzahl der Eltern hatte den dringenden Wunsch, dass die Schulen wieder öffnen", sagte Ministeriumssprecher Philipp Bender. Auch die Kinder seien sehr dankbar, dass das Schuljahr einen richtigen Abschluss finde. Das Ministerium ist sicher: Die Grundschulen für zwei Wochen zu öffnen, war "der richtige Weg" und ein wichtiger Schritt, um im kommenden Schuljahr vorbereitet zu sein.

"Die Arbeit in den Kleinklassen war bis zu den Sommerferien geplant und dabei hätte es bleiben sollen", findet hingegen der Landesvorsitzende des Verbands der Lehrer Hessen, Jörg Leinberger. Das Wechselmodell habe individuelles Arbeiten in kleineren Gruppen zugelassen. Im nächsten Schuljahr müssten die Lehrer besser geschützt werden, fordert der Verband. Neben Masken und Visieren für Lehrkräfte brauche man Plexiglas-Schutzwände für die Pulte und Desinfektionsspender in jedem Klassenraum.

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