Bombenentschärfung

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Bombenentschärfung

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Die größte Evakuierung im Nachkriegsdeutschland wegen der Entschärfung einer Luftmine wirbelt am Sonntag die Pläne Zehntausender Frankfurter durcheinander. Was das bedeutet.

Die Entschärfung der riesigen Sprengbombe am Sonntag und die nötige Evakuierung eines Areals im Umkreis von rund 1,5 Kilometern um den Fundort in Frankfurt beschäftigt Polizei, Feuerwehr, Stadt und Kampfmittelräumdienst seit Mittwoch rund um die Uhr. Worauf es dabei ankommt? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum dauert die Aktion den ganzen Tag?

Die Entschärfung der Luftmine dauert nach Einschätzung der Fachleute ungefähr vier Stunden. Wenn alles glatt läuft, passiert dies zwischen zwölf und 16 Uhr. Zuvor muss die Fundstelle in der Innenstadt aber in einem Radius von 1,5 Kilometern menschenleer sein. Um das zu erreichen, sollen die mehr als 60 000 Bürger bis spätestens acht Uhr die Sperrzone verlassen haben. Bevor mit der Entschärfung begonnen werden kann, kontrollieren Polizisten, ob sich wirklich niemand mehr im dem Gebiet aufhält. Dafür veranschlagt die Polizei rund vier Stunden. Nach der erfolgreichen Entschärfung sollen zunächst die Patienten und alten Menschen in Krankehäuser und Altenheime zurückgebracht werden. Dafür planen die Experten ein bis drei Stunden ein – also bis spätestens 19 Uhr. "Es gibt mehrere Unbekannte an mehreren Stellen", erklärt Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Darum könne mit dem Ende der Aktion erst um 20 Uhr gerechnet werden.

Es gibt mehrere Unbekannte an mehreren Stellen.

Polizeipräsident Gerhard Bereswill

Was liegt alles in dem von der Evakuierung betroffenen Gebiet?

Bundesbank, Universität, Kitas und Schulen – viele Einrichtungen in dem Sperrgebiet sind sonntags ohnehin geschlossen. Der Palmengarten muss ausnahmsweise zu bleiben. Der Hauptsitz des Hessischen Rundfunks und das größte Polizeipräsidium Hessens werden wie die Wohnungen geräumt. "Die Sicherheit in der Stadt ist aber natürlich gewährleistet", sagt Bereswill. Zwei Krankenhäuser, davon eins mit der größten Säuglingsstation Hessens und einem Ärztlichen Notdienst, werden auch evakuiert. Dies betreffe einige Hundert Patienten, sagt der Leiter des Gesundheitsamts, René Gottschalk. Außerdem müssen die Bewohner von 20 Altenheimen aus dem Sperrgebiet gebracht werden. Und das Gold in der Bundesbank? "Das Gold ist so sicher wie an jedem anderen Tag", sagt ein Sprecher der Notenbank.

Wo kommen die mehr als 60 000 Frankfurter unter?

Wer nicht weiß, wo er sich am Sonntag aufhalten soll, kann in zwei Messehallen sowie der Jahrhundert- und der Ballsporthalle unterkommen. Bei solchen Räumungen nutzten normalerweise zehn Prozent der betroffenen Bevölkerung solche Angebote, sagt Thomas Jäckel von der Feuerwehr. Das wären 6000 bis 6500 Menschen. Wenn das nicht reicht, könnten auch noch Bürgerhäuser und Turnhallen geöffnet werden. Patienten aus den Krankenhäusern, die nicht entlassen werden können, werden auf andere Kliniken verlegt. Operationen werden verschoben. Die Menschen aus den Altenheimen und andere hilfsbedürftige Bewohner der Sperrzone werden von Feuerwehr und Hilfsdiensten in die bereitgestellten Unterkünfte gefahren – und auch wieder nach Hause gebracht.

Wie wird sichergestellt, dass die Zone wirklich menschenleer ist?

Einige Tausend Polizisten durchkämmen die Straßen und klingeln an Wohnungen und Häusern. "Die Polizei überwacht die selbstständige Räumung der Bürger und die Evakuierung der Menschen, die das nicht allein können", sagt Polizeipräsident Bereswill. Auch ein Hubschrauber mit einer Wärmebildkamera sei im Einsatz. "Keller und Speicher können wir aber nicht durchsuchen.

" Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt appellieren an die Vernunft der Bürger, die Sperrzone von acht Uhr bis 20 Uhr zu verlassen. "Das ist keine Ermessensentscheidung einzelner Personen", betont der Leiter des Ordnungsamts Jörg Bannach.

Drei Kopfzünder

Luftmine mit Zerstörungsmission

(dpa). Nach Darstellung des beim Regierungspräsidium Darmstadt angesiedelten Kampfmittelräumdienstes sieht die in Frankfurt gefundene Luftmine vom Typ HC 4000 aus wie ein großer Boiler und hat drei Kopfzünder. Ein Entschärfer habe die Luftmine begutachtet. Die Alliierten hatten während des Zweiten Weltkriegs derartige Luftminen abgeworfen. Sie sollten mit ihrer Sprengkraft eine enorme Druckwelle erzeugen und großflächige Zerstörungen verursachen. Jede Bombe sollte Fenster und Türen zerstören und Dächer abdecken.

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