Zerschneidet Wetzlar in zwei Teile: Die Hochstraße kann noch bis Ende 2027 befahren werden. Ein Neubau ist ebenso in der Diskussion wie eine Umfahrung mit Tunnellösung. Welche Variante zum Zug kommt, entscheiden möglicherweise erst Gerichte. FOTO: RÜDIGER GEIS
+
Zerschneidet Wetzlar in zwei Teile: Die Hochstraße kann noch bis Ende 2027 befahren werden. Ein Neubau ist ebenso in der Diskussion wie eine Umfahrung mit Tunnellösung. Welche Variante zum Zug kommt, entscheiden möglicherweise erst Gerichte. FOTO: RÜDIGER GEIS

Wetzlar/B49

Was passiert mit B49? Tunnel oder Hochstraße als Alternativen

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
    schließen

Große Straßenbauprojekte sind ohne Einbindung der Bürger nicht machbar. In Corona-Zeiten ist diese Einbindung schwierig. Für die Neuplanung der Wetzlarer Hochstraße hat Hessen Mobil deshalb eine virtuelle Info-Messe angestoßen.

Der futuristische Bau hat in absehbarer Zeit ausgedient: Die Hochstraße, ein Teil der B 49 die durch Wetzlar führt, muss aufgrund statischer und konstruktiver Defizite Ende 2027 stillgelegt werden. Dies hat eine breite Diskussion um Alternativen ausgelöst: Neubau an gleicher Stelle, Umfahrung, Tunnellösung. Für alles gibt es Befürworter und Gegner, die unter anderem in zwei Bürgerinitiativen zusammengeschlossen sind.

Die mit der Planung betraute Behörde Hessen Mobil wollte ursprünglich im Frühjahr zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung einladen. Doch dem machte die Corona-Krise einen Strich durch die Rechnung. Um die vom Großbauprojekt Betroffenen in der näheren Region um Wetzlar dennoch informieren zu können, ging die Behörde einen neuen Weg: über eine virtuelle Info-Messe, die vom 4. bis 18. Mai geschaltet war. Dieser Tage hat Hessen Mobil Bilanz gezogen. "Uns war bewusst, dass die virtuelle Info-Messe den persönlichen Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern nicht eins zu eins ersetzen kann. Die Resonanz auf diese Notlösung hat uns dann aber doch positiv überrascht", berichtet Sonja Lecher, Sprecherin von Hessen Mobil Westhessen.

Insgesamt hätten bis zum Abschluss der Info-Messe 7546 Besucher dieses Informationsangebot angenommen. Zudem sei eine bedeutende Vielzahl von Anfragen eingegangen: 89 Bürgerinnen und Bürger haben laut der Behörde insgesamt 168 Ein- und Mehrfachfragen eingereicht.

"Klar erkennbar, dass das Projekt die Region bewegt und unser Informationsangebot genutzt wurde", sagt Lecher. 71 154 Seitenklicks wurden bis zum Abschluss der Info-Messe am 18. Mai auf der neuen Projekt-Webseite registriert, dazu 13 486 Downloads der Themenplakate. "So viele Menschen hätten wir mit einer Info-Veranstaltung in der Stadthalle Wetzlar niemals erreicht", meint die Behördensprecherin. Gefragt wurde von den Teilnehmern der Info-Messe zum Beispiel nach den Kosten der einzelnen Varianten und nach Lärmbelästigungs- sowie Umweltverträglichkeitsstudien für jede Variante.

"Die Menschen fragen das, was sie vor Ort betrifft: die Fahrt zur Arbeit, die Lärmbelastung zu Hause oder die individuelle Naherholung am Stadtrand", erklärt Lecher. Man habe alle Fragen gemäß dem aktuellen Planungsstand, also der Vorplanung beantwortet. "Im Detail können wir viele dieser Fragen erst in den nächsten Planungsschritten beantworten." Dann liege beispielweise das Lärmgutachten für die A 45 zwischen dem Wetzlarer Kreuz und der Anschlussstelle Wetzlar-Ost vor.

Es wurden aber auch Planungsentscheidungen kritisch hinterfragt. Das betreffe beispielsweise die Verkehrsuntersuchung oder die Querschnitte von Hochstraße oder Tunnel, erläuterte die Hessen-Mobil-Sprecherin. Die Bürgerinitiative, die sich für den Neubau der Hochstraße und gegen eine Tunnellösung ausspricht, hatte beispielsweise schon im Vorfeld die Notwendigkeit der anvisierten neuen Breite von 33 Metern gegenüber bei Stadtautobahnen möglichen 22 Metern angezweifelt. Hier verweist Hessen Mobil allerdings auf aktuelle Vorgaben des Bundes.

Von deutlicher Kritik blieb die Hessen-Mobil-Messe aber auch nicht verschont: "Diese Veranstaltung ist eine Farce und widerspricht Ihrer Aussage: ›Hessen Mobil wird die Bürgerinnen und Bürger in der Region im weiteren Planungsverlauf aktuell und ausführlich informieren sowie über die formelle Beteiligung hinaus in den Prozess einbeziehen‹", schrieb ein Bürger. Hessen Mobil ignoriere die Fragen der BI Hochstraße B 49 Dalheim, beantworte sie nicht, bezieht die Parlamente der Anrainergemeinden nicht in die Diskussion mit ein, obwohl deren Bürger massiv davon betroffen seien, so die Kritik.

Es habe aber auch neue Ideen gegeben, erklärte Lecher. "Das reicht von der Idee einer B 49 als oberirdisch-transparente Röhre bis hin zur Hochstraße als Parkanlage. Auch wenn sich diese Gedanken aufgrund von fachlichen Gründen nicht realisieren lassen, so zeigen sie doch, wie viel Kreativität und Engagement die Teilnehmenden in ihre Anfragen gesteckt haben."

Ein weiterer Vorschlag ging dahin, die früher einmal geplante Weiterführung der A 480 vom Wetzlarer Kreuz/Blasbach bis Wettenberg zu realisieren. Hierfür gebe es aber keinen Planungsauftrag des Bundes, lehnte Hessen Mobil diesen Vorschlag ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare