In Wetzlar: Parade mit Bläserklang und Formationsschaulauf

Wetzlar (chl). Das Bild des Musikers in Uniform birgt mehr als eine militärische Dimension in sich. Das haben rund 400 derart gekleidete Musikanten aus Italien, der Ukraine, Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland am Freitagabend in der Rittal-Arena bewiesen.

Wetzlar (chl). Das Bild des Musikers in Uniform birgt mehr als eine militärische Dimension in sich. Das haben rund 400 derart gekleidete Musikanten aus Italien, der Ukraine, Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland am Freitagabend in der Rittal-Arena bewiesen. Denn bei der Musikparade Militär- und Blasmusik, die in Wetzlar bereits zum vierten Mal und mit wechselnder Besetzung zu Gast war, beschränkte sich das musikalische Spektrum der Orchester nicht allein auf stramme Marschklänge und feierliche Hymnen. Die sieben Orchester servierten den rund 2500 Zuhörern zudem ein Potpourri aus flotten Blasmusik-Arrangements von Hits aus Rock, Pop, Filmmusik, Klassik und Jazz sowie ausgefeilte Paradenchoreographien auf der großen, mittigen Hallenfläche der Wetzlarer Arena.

Nicht schlecht staunten die Zuschauer, als nach der Eröffnungszeremonie mit swingenden Bert-Kämpfert-Melodien und dem Auflauf aller Musikanten zum Start des eigentlichen Orchesterreigens die Big-Band des Musikvereins Herbornseelbach mit dem "St. Louis Blues March" einmarschierte. Um in der Show das Publikum auch mit einer Prise Lokalkolorit zu erfreuen, hatten die Veranstalter im Vorfeld einen Aufruf gestartet. Den Zuschlag erhielten die Herbornseelbacher.

Viel Spaß und vor allem Grinsegesichter erzeugte die mit großem Getöse herbei eilende Fanfara Bersaglieri di Lecco aus Italien. Die Spielweise in schnellem Laufschritt sowie die Tarnfleckenanzüge und Hüte mit schwarzen Hahnenfedern sind typisch für die Trompeterformationen der italienischen Jäger-Infanterietruppen des 19. Jahrhunderts, deren Traditionspflege bis heute aufrechterhalten wird. Deshalb gehörten die rasant vorgetragenen Fanfarenstücke "Flik Flok" oder "Passo di arsa" zum Standardrepertoire. Das eigentlich Ulkige bei diesem Auftritt war die persiflierte Befehl-Gehorsams-Kette, bei der der Bandchef stets mit kleinem Hupfer und einem "husch" zum Ansetzen der Instrumente aufforderte.

Als qualitativ am besten musizierendes Orchester stellte sich das ukrainische Marinemusikkorps Odessa vor. Mit szenischen Tanzeinlagen gespickt kam besonders das lange Medley von Ennio-Morricone-Westernfilmmelodien gut an, bei dem drei Cowgirls an einem Lagerfeuer sitzend von anschleichenden Indianern überrumpelt wurden.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung folgte: Die Fahrrad-Show-Band "Crescendo" aus den Niederlanden beeindruckte mit gleichzeitigem Hollandradfahren und Musizieren auf Blasinstrumenten. Die jungen Musiker trugen zudem typisch holländische Tracht, Holzschuhe, die Frauen auch weiße Hauben. Beschwingt war die Musik: Pop- und Rockhits wie "Radar Love" oder auch einen griechischen Sirtaki spielten sie trotz ausgefeiltem Formationsfahren mit enormer Sicherheit. Für ihre vielseitige und einfallsreiche Formationsschau erhielt das Musikkorps Ufhausen aus der hessischen Rhön den wohl größten Beifall. Ganz in der Tradition der "Hoch- und Deutschmeister" präsentierte sich die K.u.K Wiener Regimentskapelle in historischen Uniformen des Infanterie-Regiments Nr. 4 aus dem Jahre 1871. Das als eines der Aushängeschilder österreichischer Blasmusik geltende Orchester gefiel mit Märschen, der Amboss-Polka sowie Melodien aus der Operette "Die Csárdásfürstin". Die Runde komplettierte, wie bei jeder Musikparade, eine Dudelsack-Formation. Die "Metropolitan Police Pipes and Drums" kamen aber nicht direkt aus Schottland, sondern aus London.

Ein großes Finale, bei dem alle sieben Orchester nacheinander aufmarschierten, um dann gemeinsam die John-Miles-Hymne "Music" sowie "Radetzky-Marsch" und "Alte Kameraden" anzustimmen, beendete die große Paradenshow samt Feuerknall und Lamettaregen.

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