Grabung in Wetzlar zeigen die Fundamente mittelalterlicher Bebauungen.
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Links das breite Fundament von Befund 340; die staufische Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert; rechts das schmalere Fundament von Befund 334, eine Hälfte eines stadtmauernahen Gebäudes.

Domhöfe

Wetzlar: Spektakulärer Fund bei Grabungen am Dom erstaunt Archäologen

  • vonSebastian Richter
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Das Parkhaus Goethestraße soll in der Nähe des Wetzlarer Doms entstehen. Bei den Voruntersuchungen machen Archäologen eine große Entdeckung.

  • Bei archäologischen Ausgrabungen in Wetzlar werden die Forscher fündig.
  • Die entdeckten Fundamente geben Aufschluss über die Stadtgeschichte.
  • Auch eine Überraschung zeigt sich für die Archäologen.

Wetzlar – Ein Parkhaus mit Tiefgarage soll auf dem Gelände der Goethestraße in Wetzlar neben dem Dom entstehen. Bei den Baumaßnahmen könnten wertvolle Bodendenkmäler zerstört werden. Also hat das Landesamt für Denkmalpflege seit Dezember 2019 umfangreiche archäologische Voruntersuchungen durchgeführt, um mögliche Schätze vor der Zerstörung zu retten. Jetzt haben die Forscher erste spannende Ergebnisse zutage gefördert, die Aufschluss über die Entwicklung der freien Reichsstadt Wetzlar geben können.

Wetzlar: Archäologen finden bei Grabungen wichtige Zeugnisse der Geschichte

Wetzlars Geschichte geht auf die Gründung eines Stifts am Ende des 9. Jahrhunderts zurück. Nach den Ausgrabungsergebnissen lässt sich die wechselvolle Entwicklung der Stadt besser nachvollziehen – von der ersten städtischen Bebauung im Hochmittelalter bis zur überraschenden Entdeckungen aus der frühen Neuzeit. Aber auch Belege für eine frühe vorgeschichtliche Besiedlung wurden gefunden.

Die tiefsten Schicht gibt Aufschluss über die vielleicht ersten vorgeschichtlichen „Wetzlarer“, die sich auf dem heutigen Stadtgebiet am Zusammenfluss von Dill und Lahn niederließen. Hausgrundrisse und Speichergruben aus der Zeit um 3.500 v. Chr. belegen, dass das Gelände schon in der Bronzezeit besiedelt war.

Querschnitt der gefundenen Kalkbrennöfen in Wetzlar.

Die Untersuchungen bestätigen eine These der Historiker, zu der bisher nur Vermutungen angestellt werden konnten. Das breite Fundament der ersten Stadtbefestigung aus dem 12. Jahrhundert konnte nachgewiesen werden, außerdem wurden die Überreste eines Turmes und eines an die gut erhaltenen Mauerreste angrenzenden Gebäude entdeckt. Dadurch kann bestätigt werden, dass Wetzlar schon im Hochmittelalter über ein dicht bebautes Zentrum verfügte, worüber die Forschung bisher nur mutmaßen konnte. Viele einzelne Funde in einer hohen Dichte verdeutlichen weiter den Aufstieg und den Wohlstand der Stadt während dieser Epoche. Glas- und Keramikfragmente, Trachtbestandteile, Handwerksgeräte, Speiseabfälle und Münzen fanden die Archäologe in dieser Schicht.

Die Ergebnisse der Grabungen in Wetzlar überraschen die Archäologen

Auch über die Geschichte des ehemaligen Stifts bieten die Grabungen neue Erkenntnisse. So wurde im Stiftsbezirk die Überreste mehrerer Flachdarren zur Flachsverabreitung und zwei Kalkbrennöfen für die Mörtelherstellung aus dem 13. Jahrhundert gefunden, die zeigen, dass schon damals eifrig in Wetzlar gebaut wurde. In dieser Zeit wurde die Stadtbefestigung umfangreich ausgebaut und die Stiftskirche errichtet, der später einmal der Wetzlarer Dom werden sollte.

Außerdem offenbarte sich für die Archäologen eine Überraschung aus dem Boden: Das Fundament eines mehrstöckigen Gebäudes aus dem 17. und 18. Jahrhundert, das bei den Grabungen aufgedeckt wurde, war bisher unbekannt. Weder auf historischen Ansichten noch auf dem Urkataster, also einem Verzeichnis von Grundstücken und Besitzrechten, war von diesem Gebäude die Rede. (spr)

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