Wetter der Zukunft schon da?

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Helfer packen in Mittelhessen und anderen Regionen an, um Unwetterschäden zu beseitigen. Auch die nagelneue Marburger Uni-Bibliothek ist vor den Wassermassen nicht sicher. Warum es derzeit so viele Unwetter gibt, erklärt ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes.

Nach Unwettern vor allem in Nord- und Mittelhessen haben Betroffene mit den Aufräumarbeiten begonnen – und rüsten sich vor möglichen neuen Regenmassen. Lichtschächte der Marburger Universitätsbibliothek sollten am Mittwoch kurzfristig mit Sandsäcken gesichert werden. Dort war am Vortag Wasser eingedrungen und ins Untergeschoss gelaufen.

Der Wassereinbruch in der erst vor einem Monat eröffneten neuen Bibliothek zog auch Literaturbestände in Mitleidenschaft. Die Schäden seien aber gering, sagte eine Sprecherin der mittelhessischen Hochschule. Betroffen waren demnach vor allem Zeitschriften, die nun zunächst eingefroren werden sollen, um größere Schäden zu verhindern.

Bei den Unwettern waren am Dienstag in Gießen, Marburg und anderen Regionen zahlreiche Bäume umgeknickt oder Straßen und Keller überflutet worden. Die Höhe der Schäden war zunächst nicht bekannt. Allein das Polizeipräsidium in Gießen zählte gut 200 Notrufe. In Marburg rückte die Feuerwehr zu 180 Einsätzen aus. Auch Freiwillige packten mit an, zum Beispiel in der Marburger Bibliothek.

Dort hatten der Uni zufolge 4500 Quadratmeter – etwa ein halbes Fußballfeld – ein bis zwei Zentimeter unter Wasser gestanden. Die Hochschule rief in den sozialen Medien dazu auf, beim Trockenlegen zu helfen. Es seien Nachbarn, Studenten und Mitarbeiter gekommen und hätten bis nachts mitangepackt, sagte die Sprecherin. Nun werde geprüft, wie das Wasser in den rund 120 Millionen Euro teuren Neubau habe eindringen können – und wie dies künftig zu verhindern sei.

Auch die Uni Gießen kämpfte mit den Unwetterfolgen. Besonders betroffen waren ein Gebäude auf dem Gelände des Fachbereichs Sportwissenschaft sowie die Mensa. Diese laufe nun im Notbetrieb, teilte das Studentenwerk mit.

Zur aktuellen Wetterlage und zu den Unwettern der vergangenen Tage befragten wir den Diplom-Meteorologen Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach.

Die Gewitterzelle hatte sich am Dienstag fast eineinhalb Stunden über Gießen eingenistet. Was waren die Ursachen? Gab es eine besondere Wetterlage, die dazu führte?

Simon Trippler: Die Ursache für diese bedrohliche Wetterlage sind feuchtwarme und instabile Luftmassen, die unter Tiefdruckeinfluss nach Hessen gelangen. Da können sich sehr starke Schauer und Gewitter entwickeln. In der Höhe war nur schwacher Antrieb, sodass sich die Wolken nur langsam fortbewegt haben. Das bewirkt, dass sich die Zelle an Ort und Stelle ausregnet.

Viele Menschen haben mittlerweile richtig Angst, wenn eine Gewitterfront aufzieht. Wie verhält man sich richtig, wie schützt man sich, wenn ein Unwetter droht?

Trippler: Natürlich kann man immer sagen und es ist auch richtig, dass man sich nicht im Freien aufhalten soll. Aber das geht natürlich manchmal nicht. Im Auto ist man bei Gewittern relativ sicher, allerdings sollte man da bei Überflutungen vorsichtig sein. Bei Hochwasser ist man im Haus eigentlich sicher, aber auch nicht in jedem Fall. Es kommt immer auch auf die Situation an. Wichtig ist, dass man nicht unvorbereitet getroffen wird, deshalb sollte man die Warnhinweise des Deutschen Wetterdienstes ernst nehmen.

Erst Hitze, dann Gewitter – ist das unser Sommer der Zukunft?

Trippler: Nun, dieses Wetter ist tatsächlich relativ normal geworden. Insofern könnte man sagen, die Zukunft hat schon begonnen. Ob das mit dem Klimawandel zusammenhängt, kann man aber nicht sagen. Da brauchen wir einen längeren Beobachtungszeitraum.

Ist die Anzahl der Gewitter in diesem Frühling besonders hoch im Vergleich zu den Vorjahren?

Trippler: Ja, wir haben aktuell eine Phase mit sehr vielen Gewittern. Mehr als in den Vorjahren. Allerdings gibt es das immer wieder. Dieser Starkregen ist also kein neues Phänomen.

Wie lange wird diese Wetterlage aktuell noch andauern – laut den Vorhersagen ist ja die ganze nächste Woche noch davon gekennzeichnet?

Trippler: Ganz aktuell ist es so, dass diese Phase noch bis zum Samstag anhält, dann könnte es eine kurze Pause geben, aber nur zwei Tage. In der neuen Woche könnte es dann wieder Gewitter geben.

Gibt es Regionen in Hessen, die besonders von solchen Unwettern betroffen sind?

Trippler: Nein, das kann ich nicht sagen. Es trifft mal die Menschen hier und mal da. Aber eine Häufung an bestimmten Orten ist nicht festzustellen.

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