Ein Lächeln ins Gesicht zaubern: Die Clown-Doktoren versuchen mittels Humor, den Betroffenen wieder Hoffnung und Lebensmut zu schenken. Das ist auch in schweren Zeiten wie der aktuellen Corona-Krise wichtig. FOTOS: DPA/DAVID STRAßBURGER
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Ein Lächeln ins Gesicht zaubern: Die Clown-Doktoren versuchen mittels Humor, den Betroffenen wieder Hoffnung und Lebensmut zu schenken. Das ist auch in schweren Zeiten wie der aktuellen Corona-Krise wichtig. FOTOS: DPA/DAVID STRAßBURGER

…wenn man trotzdem lacht

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Nein, die Zeiten sind nicht lustig. In der Corona-Krise fühlt sich mancher seiner Freiheiten beraubt und ist sauer. Andererseits bangen viele Menschen um ihre Existenz oder gar um das Leben ihrer Lieben, die zu einer sogenannten Risikogruppe gehören. Und trotzdem: Gerade jetzt sollte man versuchen, seinen Humor zu behalten - oder wiederzugewinnen.

Die Briten gelten als Meister des schwarzen Humors: mit stoischer Miene staubtrockene Witze über Krankheit, Verbrechen oder Krisen machen. Die Grenzen des (noch) guten Geschmacks sind dabei fließend, und manches Lachen bleibt einem schon mal im Halse stecken. Die Briten werden ihren Humor auch benötigen, um durch die Corona-Krise zu kommen, denn kaum ein europäisches Land ist von dem neuen Virus so heftig betroffen wie das Vereinigte Königreich.

Doch gerade Krisen und unliebsame Verhältnisse befördern die menschliche Eigenschaft, dem Unangenehmen mit Ironie und Sarkasmus zu begegnen. Der politische Witz gedeiht nirgendwo besser als unter autokratischen Regimen. Im äußersten Fall ist es der Galgenhumor: "De Woch fangt scho guat o", sagte der Räuber Matthias Kneißl angeblich, als ihm an einem Montag sein Todesurteil verkündet wurde. "Na, Sie machen mir ja Spaß", werden Sie jetzt vielleicht denken. Das wäre natürlich ideal, wenn dies mit diesem Artikel gelänge. Doch zumindest kann er einen Anstoß geben, den Humor nicht zu verlieren, der uns gerade in diesen schwierigen Zeiten des Eingeschränktseins erhalten bleiben sollte. Auch um die Last der gefühlten Quarantäne besser schultern zu können. Besonders Kinder mit ihrem Tatendrang fällt die ungewohnte Situation der Beschränkungen schwer.

"Lachen ist deshalb gesund, weil es den Körper entspannt", sagt Ruth Albertin alias "Dr. Krümmel". "Lachen benötigt auch ganz viele Gesichtsmuskeln. Es ist also auch körperlich gesund. Wenn wir lachen, erhellt sich die Seele. Und Lachen ist ansteckend."

Die 35-Jährige aus Wackernheim nahe Mainz kennt sich damit aus, Menschen in schwierigen Situationen den Humor nahezubringen. Sie ist ausgebildete Clownin und arbeitet zusammen mit 32 Kolleginnen und Kollegen bei den Clown-Doktoren vornehmlich in Kinderkliniken, wie am UKGM Gießen, und in Seniorenheimen. Albertin hat die künstlerische Leitung für das Rhein-Main-Gebiet und den Raum Gießen.

Gerade in einer Zeit, in der ein Virus das tägliche Leben extrem einschränkt und das Gemüt belastet, sei es wichtig, einen Perspektivwechsel zu vollziehen und wieder ein bisschen Leichtigkeit zu gewinnen. Das fällt natürlich nicht leicht, wenn man ständig über die ungewisse Zukunft grübelt, kann aber dennoch funktionieren. Bei den Jüngern beispielsweise: Ein Kind ist wegen Bronchitis in der Klinik und bekommt einen Hustenanfall, gerade als die Clown-Doktoren das Zimmer betreten. Für das Kind in diesem Moment eine negative Situation. "Aber wir können als Clowns diesen Husten nehmen und sagen: ›Wow, du hast aber einen coolen Beat drauf.‹ Und dann versuchen wir, mit dem Husten zusammen ein Lied zu entwickeln. Wir verwandeln also diesen eigentlich negativen Husten in etwas Positives. Das heißt nicht, dass wir uns über diesen Husten lustig machen. Aber das Kind soll auch eine lustige Erinnerung an das Krankenhaus haben."

Schadenfreude, das Lachen über das Missgeschick oder das Verhalten anderer, ist also nicht unbedingt der richtige Weg für Humor in Krisenzeiten. Sie zu vermeiden, fällt allerdings angesichts von Hamsterkäufen bei Klopapier nicht gerade leicht.

Slapstick: Die Kunst des Grotesken

Auch bei einer lebensbedrohlichen Diagnose wie Krebs könne man nicht einfach einen Witz machen, sagt Albertin. Da helfen dann eher Tanz oder Musik, zum Beispiel ein Lied trällern, um die schwere Stimmung in eine leichtere zu verwandeln.

Ein weiterer Trick: Slapstick, der groteskkomische Gag über die Tücken des Alltags. Wenn also zwei Clown-Doktoren gleichzeitig das Zimmer betreten wollen und natürlich in der zu engen Tür hängen bleiben, nicht vorwärts und nicht zurück können. Und dann die Aufforderung an den kleinen Patienten, zu helfen: "Hast du so viel Kraft? Zieh doch mal!" Das bestärke ein Kind und motiviere es. Ein bisschen Schadenfreude gehört eben doch dazu. Und die Fähigkeit, sich über die Macken des Partners oder die eigenen auch einmal lustig machen zu können, ohne dabei bösartig zu werden.

Denn obwohl der schwarze Humor gerade in Krisenzeiten Konjunktur hat, sollte man ihn nur mit Bedacht einsetzen: "Das braucht sehr viel Feingefühl gegenüber dem Partner, da muss man sensibel für die Stimmung sein", meint Albertin.

Dennoch: Man müsse diese Krise natürlich ernst nehmen, dürfe aber trotzdem den Humor nicht verlieren, rät die Expertin. Lachen ist also auch in Corona-Zeiten nicht nur erlaubt, sondern sogar zwingend notwendig. "Leichtigkeit entsteht auch, indem wir die Dinge, die wir haben, schätzen. Mit anderen Worten: den Focus auf das Positive legen."

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