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Beim Einkaufen nur noch 2G: So sehen es die Regeln in Hessen ab Sonntag vor.

CORONA-ZAHLEN

Weniger Kontakte und mehr 2G

Hessen macht Ernst und führt angesichts der dramatischen Entwicklung der vierten Corona-Welle neue, strengere Maßnahmen ein. Sie treten am Sonntag in Kraft und sollen bis zum 23. Dezember gelten. Vor allem für Ungeimpfte gibt es Einschränkungen. So dürfen sich Personen ohne vollständigen Impfschutz im öffentlichen Raum nur noch mit einem weiteren Hausstand treffen.

Im Einzelhandel wird die 2G-Regel gelten - beim Einkaufen muss man also vollständig geimpft oder genesen sein. Ausgenommen ist die Grundversorgung in Lebensmittelgeschäften und Apotheken.

Wir stehen vor einer sehr, sehr ernsten Situation«, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am späten Dienstagnachmittag in Wiesbaden nach der Bund-Länder-Schalte, als er gemeinsam mit Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) die neuen Regelungen bekannt gab. Bouffier begründete die Maßnahmen damit, dass die Lage dramatisch und das medizinische Personal »bis zum Anschlag« gefordert sei. Ursache dafür sei nach wie vor die zu hohe Zahl an Ungeimpften.

Kein Shopping für Ungeimpfte

Die Kontakte müssten deutlich eingeschränkt werden. Für Menschen ohne eine Corona-Schutzimpfung soll daher eine Kontaktbeschränkung auf maximal zwei Hausstände im öffentlichen Raum gelten. Diese Einschränkung gelte nicht für das häusliche Umfeld. Empfohlen sei sie auch dort.

Bei Veranstaltungen gibt es künftig folgende Einschränkungen: Im Innenbereich gelten bis zu zehn Teilnehmern keine Regeln. Bei elf bis 100 Teilnehmern greift die 2G-Regel. Es müssen alle vollständig gegen Corona geimpft oder genesen sein.

Ab 101 Menschen gelten zusätzlich zu 2G noch Abstands- und Hygienevorschriften. Bei 250 Teilnehmern wird eine Genehmigung benötigt. Für Veranstaltungen im Außenbereich gelten bei bis zu zehn Teilnehmern keine Regeln. Versammeln sich elf bis 100 Teilnehmer, gelten die jeweiligen Abstands- und Hygienekonzepte. Bei Veranstaltungen mit mindestens 101 Teilnehmern gilt die 2G-Regel. Es müssen also alle vollständig gegen Corona geimpft oder genesen sein.

Beschränkungen bei Fußballspielen

Ab 3000 Teilnehmern müssen Veranstaltungen genehmigt werden. Zudem gilt dann eine Kapazitätsbeschränkung. Bei 3000 Teilnehmern im Außenbereich gilt keine Reduzierung. Bei über 3000 Menschen wird die Kapazität auf ein Viertel beschränkt - auch beim Fußball. Am Wochenende hatte Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt sein Heimspiel gegen Union Berlin noch vor 40 000 Zuschauern austragen dürfen, das Stadion hat eine Kapazität von 51 000 Plätzen. Künftig seien höchstens 15 000 Zuschauer möglich, sagte Bouffier. »Volle Stadien sind nicht zu verantworten.« Regeln zu Geisterspielen im Sport könne man in Hessen »alleine nicht beschließen«, sagte Bouffier. Das könne nur auf Bundesebene entschieden werden.

An Schulen gibt es in der Weihnachtszeit keine Auswirkungen durch die neue Corona-Verordnung. Jugendliche bis 18 Jahren sollen wegen der regelmäßigen Tests an Schulen weiterhin Zugang zu 2G-Angeboten bekommen. Diese Regel soll aber auslaufen, wenn »ein umfassendes Impfangebot auch für diese Altersgruppe vorliegt«, teilt die Staatskanzlei mit.

Vorbei mit der 2G-plus-Option

Die 2G-plus-Option wird gestrichen. In Gastronomie und Kultureinrichtungen dürfen Inhaber nicht mehr auf die Maskenpflicht, Abstands- und Hygienekonzepte verzichten, auch wenn ausschließlich Geimpfte und Genesene zugelassen sind. Bei Gottesdiensten greift das Land nicht ein. Kirchen und weiteren religiösen Einrichtungen empfiehlt Bouffier die Durchsetzung der 3G-Regel. Die meisten Kirchen würden dies bereits tun.

Antrag auf pandemische Lage

Die Landesregierung will angesichts der Corona-Zahlen im Landtag beantragen, dass eine pandemische Lage beschlossen wird. Ein entsprechender Beschluss wird für kommende Woche angestrebt. Dann seien laut Infektionsschutzgesetz zusätzliche Corona-Maßnahmen in Hessen möglich, falls sich die Situation weiter zuspitzt. Ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum oder Schließungen von Kultureinrichtungen seien beispielsweise denkbar. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Nancy Faeser signalisierte Zustimmung. »Ich gehe derzeit davon aus, dass sich meine Fraktion einem entsprechenden Plenarbeschluss nicht verweigern wird«, erklärte sie. »Ich gehe aber auch davon aus, dass danach der Landtag die Gelegenheit erhält, die anschließend möglichen, noch weitergehenden Maßnahmen zu erörtern.«

Bouffier erwartet weitere Beschlüsse

Derweil machte Bouffier deutlich, dass weitere Einschränkungen folgen dürften. Aufgrund der von der Ampelkoalition geänderten Rechtslage müsse aber erst der Landtag das Vorliegen einer »pandemischen Notlage« feststellen.

Die aktuellen Zahlen in der Entwicklung der Corona-Pandemie für Hessen auf einen Blick, in Klammern die Zahlen vom Vortag:

Hospitalisierung : 4,12 (4,12)

Intensivpatienten: 293 (289)

7-Tage-Inzidenz: 272,7 (278,2)

Neuinfektionen: 1767 (1172)

Neue Todesfälle: 18 (2)

Quellen: Hess. Sozialministerium (Intensivpatienten, Stand: 30. 11., 13.05 Uhr), RKI (Hospitalisierung, Inzidenz, Neuinfektionen, Todesfälle, Stand: 30. 11., 3.15 Uhr)

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