Seit gestern dürfen Grundschüler in Hessen nach monatelangen Einschränkungen wieder alle gemeinsam zum Unterricht kommen. FOTO: DPA
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Seit gestern dürfen Grundschüler in Hessen nach monatelangen Einschränkungen wieder alle gemeinsam zum Unterricht kommen. FOTO: DPA

Nur wenige fehlen

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Hessen kehrt in der Corona-Krise ein weiteres Stück zur Normalität zurück. Die wohl am meisten diskutierte Lockerung von diesem Montag an: Die Grundschüler im Land gehen wieder regulär in die Schule.

Nur wenige Schüler sind am ersten Tag der Wiedereröffnung von Hessens Grundschulen für alle aus Angst vor einer Coronavirus-Infektion nicht im Unterricht gewesen. Die Zahl bewege sich hessenweit im "mittleren einstelligen Prozentbereich", sagte ein Sprecher des Kultusministeriums am Montag in Wiesbaden. Auffällig seien die regionalen Unterschiede. Dort, wo es Infektionsfälle gebe, sei die Verunsicherung wohl größer. "In diesen Region ließen mehr Eltern die Kinder zu Hause als anderswo." Die Schulbesuchspflicht in Hessen ist derzeit aufgehoben. Kinder dürfen auch von zu Hause aus lernen.

Nach den Worten des Ministeriumssprechers waren am Montag zwei Grundschulen in Kassel und eine in Frankfurt im Zusammenhang mit Corona-Fällen geschlossen. Diese Infektionen seien jedoch in der Zeit vor der Wiedereröffnung bekannt geworden. Eine der Kasseler Schulen soll schon heute wieder öffnen.

Die Lehrerversorgung an den Grundschulen sei hessenweit sichergestellt. Teilweise gebe es Abordnungen von anderen Schulen oder es würden angestellte Lehrer eingesetzt, erklärte der Sprecher. Die verbleibenden zwei Wochen bis zu den Sommerferien werden die Grundschüler wieder gemeinsam im Klassenverband unterrichtet - das Gebot zum Abstandhalten gilt dort dann nicht mehr.

Hessens Schulleiter sehen die Rückkehr der Grundschulen zum weitgehend regulären Unterricht mit Sorge. Nach wie vor gebe es in Hessen eine Quote von Lehrkräften, die wegen eines zu hohen Krankheitsrisikos nicht eingesetzt werden könnten, sagte der Vorsitzende des Interessenverbandes hessischer Schulleitungen, Matthias Doebel, in einem Interview der Radiowelle hr-Info. "Schauen wir uns die hessenweite Quote von durchschnittlich 18 Prozent an, sieht das im Detail anders aus", erklärte er.

Es gebe viele Schulen, die über eine solide 100 Prozent Personaldecke verfügten, anderen Schulen fehlen 30 Prozent des Personalstamms. Das seien dann völlig andere Voraussetzungen, die dort vor Ort durch Mehrarbeit, Abordnungen und Kurzverträge organisiert und abgefangen werden müssten, sagte Doebel. Darüber hinaus sähen die Hygienevorgaben vor, dass nur eine Lehrkraft pro Klasse eingesetzt werden dürfe, um mögliche auftretende Infektionsketten zu unterbrechen. "Das hat natürlich mit einem regulären Stundenplan nichts mehr zu tun."

Weitere Corona-Meldungen vom Montag aus Hessen im Überblick:

Ausbildungsplätze:Das hessische Wirtschaftsministerium und die Arbeitsagentur haben an die Betriebe appelliert, trotz der Corona-Krise weiterhin neue Ausbildungsplätze anzubieten. Die demografische Entwicklung werde sich auch durch die Pandemie nicht verändern, erklärte der Leiter der Regionaldirektion Hessen, Frank Martin. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) mahnte: "Umso wichtiger ist es jetzt, Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Aus- und Weiterbildung bleiben dabei die wichtigsten Faktoren. Wer jetzt nicht ausbildet, hat keine Fachkräfte für morgen." Anlass sind die Ergebnisse des IAB-Betriebspanels, einer jährlichen Umfrage des agentureigenen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die repräsentative Befragung von 1000 hessischen Betrieben hat ergeben, dass im vergangenen Jahr 72 Prozent der Azubis von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen wurden. Dies sei die höchste Übernahmequote, die je in Hessen erzielt wurde. "Die Übernahme von Auszubildenden ist das wichtigste Instrument zur Fachkräftebindung", sagte Martin.

Wenig Neuinfektionen- Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Hessen ist nur geringfügig gestiegen. Es habe einen Anstieg um drei auf insgesamt 10 578 Fälle gegeben, teilte das Sozialministerium am Montag in Wiesbaden (14 Uhr) mit. Es wurde ein neuer Todesfall registriert, der mit der Erkrankung Covid-19 in Verbindung gebracht wird. Die Gesamtzahl liegt nach Angaben des Ministeriums nun bei 501 Fällen.

Finanzhilfen:Im Streit zwischen der hessischen Landesregierung und der Landtagsopposition um die geplanten Finanzmittel zur Bewältigung der Corona-Krise ist weiter keine Einigung in Sicht. Eine Gesprächsrunde am Montag endete nach Informationen aus Verhandlungskreisen ohne eine Annäherung. Die schwarz-grüne Regierungskoalition will ein umfassendes kreditfinanziertes Sondervermögen in Höhe von zwölf Milliarden Euro für die Corona-Kosten einsetzen.

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