Gottesdienst per Livestream: Das ist nur eine der Möglichkeiten, die die Kirchen derzeit für den Advent und Weihnachten geplant haben. FOTO: DPA
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Gottesdienst per Livestream: Das ist nur eine der Möglichkeiten, die die Kirchen derzeit für den Advent und Weihnachten geplant haben. FOTO: DPA

Weihnachten mal anders

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In der Weihnachtszeit besinnen sich viele Menschen auf ihren Glauben. Doch die Kirchen sind wegen Corona derzeit nur eingeschränkt erreichbar. Im Internet tauschen sich Pfarreien über Ideen aus, um trotzdem ein Angebot machen zu können.

Dicht gedrängte Menschenmengen, die aus voller Kehle Kirchenlieder singen - das wird es in diesem Jahr wohl nicht geben können. Die Kirchen stellen sich auf einen Advent und ein Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen ein. "Weihnachten findet statt, aber es wird sicherlich ganz anders sein, als wir das gewohnt sind", sagt etwa der Sprecher des Bistums Limburg, Stephan Schnelle. Auf ihren Internet-Seiten sammeln die Bistümer und die evangelischen Kirchen derzeit Ideen, wie trotz Abstandsregeln festliche Stimmung erzeugt werden kann.

Dazugehören wandernde Krippen, die auf Traktor-Anhängern durch die Straßen gefahren werden und für kurze Stopps anhalten. Oder Weihnachtskonzerte im Innenhof von Pflegeheimen. Weitere Vorschläge sind Auto-Gottesdienste und mobile Andachten unter freiem Himmel, deren Ort mehrmals verändert werden könnte, um große Ansammlungen zu vermeiden. Bei Mitmachangeboten in den sozialen Medien werden die schönsten Weihnachtsbäume und Krippen gesammelt. "Wir schauen verantwortungsvoll-vorsichtig und zugleich zuversichtlich-kreativ auf den Advent", heißt es aus dem Bistum Fulda.

Derzeit dürfen Gottesdienste nur in sehr beschränktem Maß stattfinden, es gelten wie andernorts strenge Hygieneregeln. Im Limburger Dom kann nach Angaben des Bistumssprechers derzeit mit 80 nur etwa ein Fünftel der Plätze belegt werden. Mit der Einhaltung der Regeln gebe es keine Probleme, sagt der Sprecher des Bistums. "Bisher ist noch keine Kirche zu einem Hotspot geworden."

Die Pfarreien versuchten, für Menschen auch direkt erreichbar zu sein - etwa zu festen Zeiten in der Kirche oder per Telefon. Seelsorge finde weiter statt, auch als Besuch bei Betroffenen. Was fehle, sei das Erleben von Nähe und Gemeinschaft, das Zusammenstehen nach dem Gottesdienst, die direkte Zusammenarbeit in den Kirchengremien. Manche zögen sich zurück, andere sähen die Pandemie als Chance für Neues. So wisse er von Gläubigen, die selbst in höherem Alter nun stolze Besitzer von Tablet-Computern geworden seien, etwa um den Livestream aus der Kapelle des Bischofshauses verfolgen zu können, berichtet der Limburger Bistumssprecher Schnelle.

Dass Corona die Digitalisierung vorangetrieben hat, kann die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) bestätigen. Die Zugriffe auf Online-Angebote überträfen in vielen Gemeinden die Zahlen der Kirchenbesucher vor der Pandemie, sagt Sprecher Volker Rahn. Ganze Familien verfolgten am Sonntagmorgen nun von zu Hause den Gottesdienst. Als Reaktion hat die EKHN ihr Online-Angebot auch in den sozialen Medien erweitert - seit Kurzem gibt es beispielsweise einen neuen Auftritt bei Instagram, der in unruhigen Zeiten das Gemeinschaftsgefühl stärken, "Hope Speech" statt "Hate Speech" verbreiten will.

Aber auch offline sei die Kirche präsent, die Predigt werde ausgedruckt an die Kirchentür gehängt oder als Brief eingeworfen, Seelsorge per Telefon angeboten: "Niemand soll alleingelassen werden", sagt EKHN-Sprecher Rahn. Mit Blick auf Weihnachten empfahl Kirchenpräsident Volker Jung den Gemeinden, vorerst mehrere Optionen zu planen, auch Gottesdienste im Freien.

Weihnachten werde stattfinden, dies könne kein Virus verhindern, versichert die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Beate Hofmann. Im Bereich der EKKW liefen die Planungen bereits seit Sommer, zahlreiche Ideen sollen umgesetzt werden, vom Weihnachtswürfelspiel über Anleitungen für einen Gottesdienst zu Hause bis zur Zoom-Aktion am 24. Dezember unter der Überschrift "Weihnachten nicht allein".

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber hat den Mitarbeitern geraten, "ein Gleichgewicht von Vorsorge und Zuversicht zu finden, um das auch zu tun, was möglich ist". Dazugehörten Seelsorge- und Beratungsangebote via Telefon, wie ein Sprecher berichtet. Mit Blick auf Weihnachten rechne man damit, dass wie schon an Ostern viele Gläubige die Gottesdienste lieber am Bildschirm mitfeierten.

Weitere Klarstellungen werden von dem Treffen von Bund und Ländern kommenden Mittwoch erwartet, bei dem längerfristig wirksame Maßnahmen beschlossen werden sollen. Danach könnten sich die Planungen für die Gottesdienste an Weihnachten konkretisieren, erklärt das Bistum Mainz. Die Überlegungen gingen bisher hier ebenfalls in die Richtung, mehrere Christmetten anzubieten oder Veranstaltungen im Freien abzuhalten.

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