Wegen Marihuana-Plantage im Gartenhäuschen verurteilt

Gießen (tan) Per Zufall, bei der Verfolgung zweier Verdächtiger nach einem gemeldeten Überfall, war die Polizei im März letzten Jahres dem Angeklagten auf die Schliche gekommen. Der Mann musste sich am Dienstag vor einem Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten.

Dass der 43-Jährige Cannabis beziehungsweise Marihuana besessen, angebaut und hergestellt hatte, gestand der Angeklagte gleich zu Beginn des Prozesses über seinen Verteidiger Carsten Marx. Dieser erläuterte, dass sein Mandant zum damaligen Zeitpunkt stark drogenabhängig gewesen sei und das Marihuana zum Eigengebrauch benötigt habe. "Bis zu acht Joints am Tag" habe er sich damals reingezogen. Erschwerend für den Angeklagten: Da er so viele Cannabispflanzen angebaut und verarbeitet hatte, wurde die "nicht geringe Menge" überschritten, womit ein Verbrechenstatbestand vorlag. Eigenständig sei der Angeklagte seit fast einem Jahr von den Drogen weggekommen, erzählte der Verteidiger.

In einem Gartenhäuschen in einer Gießener Kleingartenanlage hatten Polizisten bei der Verfolgung zweier Verdächtiger im März letzten Jahres den Angeklagten auf einer Couch liegend vorgefunden. Allerdings nicht nur ihn: In unmittelbarer "Nachbarschaft" des 43-Jährigen befanden sich Cannabisplantagen, die sich über mehrere Etagen erstreckten. Mit Wärmelampen und Folien hatte sich der Mann eine "Indoorplantage" im Gartenhäuschen eingerichtet.

Ein Polizeibeamter, der als Zeuge aussagte, berichtete: "Der Raum war circa fünf mal fünf Meter groß, alles war zugemüllt und es roch nach Marihuana." Bei der Durchsuchung des Häuschens hatte die Polizei weit über 80 Cannabispflanzen gefunden. Der sichergestellte, getrocknete Stoff hatte einen Wirkstoffgehalt von über zwölf Gramm.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Wolfgang Hendricks verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und lag damit gering unter dem von der Staatsanwaltschaft beantragten Strafmaß. Verteidiger Carsten Marx hatte dagegen lediglich eine sechsmonatige Bewährungsstrafe für seinen Mandanten gefordert, da ein minder schwerer Fall vorliege. Den konnte das Gericht allerdings nicht erkennen. Vorsitzender Hendricks betonte, dies sei schon wegen des hohen Wirkstoffgehaltes problematisch. Ein Marihuanakonsum führe in vielen Fällen zu drogenindizierten Psychosen, so dass man hier nicht von einer "weichen" Droge sprechen könne. Im Übrigen sei Marihuana die Einstiegsdroge für viele langjährige Drogenkonsumenten.

Eine Bewährung sei auszusprechen, da der 43-Jährige zwar einschlägig vorbestraft sei, aber seinen Kontakt zur Drogenszene abgebrochen habe und fast ein Jahr drogenfrei lebe. Als zusätzliche Auflagen muss der Mann eine ambulante Drogentherapie durchführen und dies mit regelmäßigen Drogenscreenings nachweisen. Zudem muss er 1800 Euro an eine Einrichtung zur Unterstützung Drogenabhängiger zahlen.

Die ursprüngliche Anklage umfasste auch den Besitz von sieben Gramm Amphetaminen und einer Extasytablette. Diesbezüglich wurde das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt. Zu den Auflagen erklärte der Hendricks: "Die Auflagen sind nicht gering, aber wenn das alles keine Lippenbekenntnisse für eine drogenfreie Zukunft sein sollen, dann sind sie angemessen."

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