Nistplätze

Warum es Schwalben in Hessen schwer haben

Die Gesamtzahl der Schwalben in Hessen ist rückläufig. Das liegt auch daran, dass ihre Nistplätze zerstört werden, klagen Naturschützer. Und auch sonst haben es die Vögel nicht leicht.

Wenn in diesen Wochen die Schwalben aus ihren Winterquartieren zurückkehren, werden einige Pärchen ihre angestammten Nistplätze vermissen. »Immer wieder werden Schwalbennester abgeschlagen, weil Hausbesitzer sich über den Vogeldreck ärgern«, sagte der Vogelschutzexperte Maik Sommerhage vom Naturschutzbund (NABU) Hessen in Wetzlar auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die mutwillige Zerstörung der Nester sei einer der Gründe, weshalb die Gesamtzahl der Schwalben in Hessen tendenziell rückläufig sei.

Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland in Frankfurt spricht von »Rohheit und Gedankenlosigkeit«. Schwalbennester würden abgeschlagen, »nur weil die Menschen mit ihrem Sauberkeitsfimmel die Empathie verloren haben«. Dabei könne die Hauswand leicht vor dem Kot geschützt werden, ohne den Singvögeln zu schaden: Mit Schutzbrettern etwa 50 Zentimeter unter der Kinderstube.

Sinkende Zahl von Insekten bedroht Schwalben Schwalben haben mit weiteren Widrigkeiten zu kämpfen: Ihnen setzt auch die sinkende Zahl von Insekten zu. Durch den Einsatz von Insektiziden sei etwa der Bestand an Wildbienen eklatant rückläufig, erklärte Hormann. Außerdem klebten die Lehmnester an modernen, glatten Hausfassaden schlecht, wie Sommerhage ergänzte.

»Es geht den Schwalben nicht wirklich gut«, urteilte der NABU-Vogelschutzreferent. Bei den Mehlschwalben gehen die Experten von derzeit 40 000 Brutpaaren in Hessen aus, dazu kommen 30 000 Rauchschwalben- und 2000 Uferschwalbenpärchen. Auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick hoch erscheinen – »vor etwa 30 bis 40 Jahren gab es noch deutlich mehr Vögel«, sagte Sommerhage. Wenigstens seien die Populationen zuletzt stabil geblieben. Auf Menschen angewiesen Die Mehlschwalbe sei allerdings darauf angewiesen, dass die Menschen sie an Hauswänden brüten lasse, sagte Stefan Stübing von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz in Echzell in der Wetterau. Ihre Verwandte, die Rauchschwalbe, brüte im Inneren von Gebäuden, am liebsten in Ställen. Diese Art leide unter dem Schwund an Höfen. Dabei gelten die zwitschernden Gäste laut einer Bauernregel sogar als Glücksbringer und Fruchtbarkeitssymbol.

Allerdings sind Rauchschwalben anpassungsfähig. Ornithologe Hormann kennt Kolonien, die sich in einem Industriebetrieb in Mittelhessen oder in einer Kläranlage im Rhein-Main-Gebiet angesiedelt haben.

Die zahlmäßig kleinste Schwalbenart, die Uferschwalbe, brütet an den steilen Abbruchkanten von Flussufern, etwa der Lahn. Da dieser Lebensraum schon seit langem schwindet ist die Art inzwischen nach den Worten Sommerhages meist in Steinbrüche ausgewichen. Schwalben etwas Gutes tun - aber wie? Wer Schwalben etwas Gutes tun möchte, der sollte eine Lehmpfütze anlegen, riet Stübing. Solche Matschlöcher würden immer seltener, was beim Nestbau der Schwalben zu Problemen führt. »Ist der Anflug zur nächsten Pfütze zu lang, dann trocknet unterwegs der Lehm«, erklärte der Biologe. Die Folge seien brüchige Nester, die im schlimmsten Fall abstürzten.

Auch Sommerhage rief alle Hausbesitzer dazu auf, Schwalben zu dulden. Das Abschlagen der Nester sei zudem illegal. Es gelte im Winter als Ordnungswidrigkeit und im Sommer gar als Straftat, weil eine Brutstätte zerstört werde. Wer den Segelkünstlern helfen wolle, der verzichte am besten im Garten auf Insektizide. Schwalben sind sehr nützliche Untermieter, denn sie schnappen unter anderem Stechmücken weg.

In diesen Wochen sind die Zugvögel unterwegs von Afrika zu den Brutgebieten in Europa. Viele Schwalben, die schon in Deutschland angekommen sind, fliegen beispielsweise noch nach Skandinavien weiter.

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