Volle Wartezimmer in München: Die erste Krankheitswelle hat die Stadt im Griff.
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Könnte ein solcher Anblick bald der Vergangenheit angehören? Die neue App „Wart‘s Ab“ ermöglicht es Patienten künftig, zu Hause auf den Termin in der Arztpraxis zu warten.

Wartezimmer der Zukunft?

„Wart‘s Ab“: Neue App aus Hessen verlagert Wartezimmer nach Hause oder auf die Straße

  • vonKim Luisa Engel
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Eine App aus Hessen soll es Patienten zukünftig ermöglichen, von zu Hause oder unterwegs auf den Termin in ihrer Arztpraxis zu warten. Ein Überblick über das neue entwickelte Konzept.

  • Die neue App Wart‘s Ab“ aus Hessen verspricht, künftig von zu Hause aus auf den Arzttermin warten zu können.
  • Das Pilotprojekt soll bald von 60 hessischen Arztpraxen getestet werden.
  • Ein Überblick darüber, wie die Wartezimmer-App funktioniert.

Gießen - Dicht an dicht in ein kleine Wartezimmer gequetscht: Einer hustet, der Nächste stöhnt, ein Dritter putzt sich laufend die Nase. Auch vor der Corona-Pandemie waren Wartezimmer bisweilen eine Zumutung. Nun suchen Arztpraxen vermehrt nach alternativen Konzepten. Eine solche könnte die neu entwickelte App Wart‘s Ab“ mit Beteiligung aus Gießen sein. Das Projekt des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration (HMSI), der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) soll es Patienten zukünftig ermöglichen, zu Hause oder unterwegs auf ihren Termin in der Arztpraxis zu warten. Doch wie funktioniert das neue Konzept?

„Wart‘s Ab“: Wie funktioniert die Wartezimmer-App?

Sowohl der Patient, als auch die Praxis müssen die App auf einem mobilen Endgerät installiert haben. Braucht der Patient dann einen Termin ruft er wie gewohnt in der Praxis an. Dort erzeugt das Team mit der „Wart‘s Ab“-Praxis-App einen Zahlencode und übermittelt ihn telefonisch an den Patienten. Dieser gibt den Code in seine App ein und teilt der Praxis mit, wie lange er für den Weg zum Arzt braucht. Wenn der Patient dran ist, erhält er via App eine Benachrichtigung auf sein Handy - natürlich ist die Zeit, die er braucht um zur Praxis zu gelangen, eingerechnet.

Laut Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen, würde so nicht nur die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer minimiert. Patienten könnten die extra Zeit zu Hause auch nutzen um weiter im Home-Office zu arbeiten oder sich auszukurieren. Entlastet werden sollen durch „Wart‘s Ab“ vor allem auch offene Sprechstunden. Seit 2018 müssen Arztpraxen diese mindestens fünf Stunden pro Woche anbieten, das heißt, sie müssen Behandlungszeiträume für Patienten freihalten, die spontan vorstellig werden und ohne Termin kommen.

„Wart‘s Ab“: Was passiert mit vertraulichen Patienten-Daten?

Jeder weiß, dass der Informationsaustausch zwischen Arzt und Patient streng vertraulich ist und der Schweigepflicht unterliegt. Ist das in der „Wart‘s App“-Kommunikation ebenfalls gegeben? Laut Pressemitteilung laufe die Interaktion zwischen der Patienten-App und der Praxis-App absolut anonym ab. Es würden keine persönlichen Daten zwischen dem Handy des Patienten und der Arztpraxis hin- und hergeschickt.

Thomas Friedl, Professor an der THM und Mitarbeiter des Start-Ups MyEPA UG, welches die App mitentwickelte, erklärt, dass das Softwaresystem völlig datenschutzkonform sei. Daten, die zeigen, welcher Patient welche Praxis besucht, seien äußerst sensibel. Das Team der MyEPA UG sei stolz darauf, dass „Wart‘s Ab“ diese Angaben nicht brauche, und im Falle eines Hackerangriffs könne die App nur Ziffernfolgen preisgeben. Auch die Betreiber des App-Systems könnten niemals erfahren, welcher Patient wann in welche Praxis ginge. „Mehr Sicherheit geht nicht“, betont Friedl.

Wartezimmer-App: „Wart‘s Ab“ soll nun in 60 hessischen Praxen getestet werden

60 Arztpraxen in Mittelhessen und dem Rhein-Main-Gebiet sollen nun im Rahmen des Pilotprojekts mit der App ausgestattet werden. Bis Ende April nächsten Jahren haben die Praxen zunächst Zeit, das System zu testen. Danach erfolge, so die Pressemitteilung, eine Evaluation der TH Mittelhessen. Ein weiteres Team um Prof. Friedl arbeite bereits mit Hochdruck daran, dass keine Tablets mehr nötig seien um die App in Praxen zu nutzen. Künftig könne dann ein einfacher Computer mit Internetanschluss genügen, so könne die App bei großer Nachfrage auch vielen weiteren Praxen zur Verfügung gestellt werden.

Noch nicht alle Test-Plätze der Pilotphase des Projekts sind besetzt, interessierte Praxen aus den oben genannten Gebieten in Hessen können sich für eine Teilnahme bewerben. Dass „Wart‘s Ab“ eine App der Zukunft sein könnte, zeigt auch die Sprachauswahl des Systems. Derzeit können Patienten zwischen Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch und Farsi als Eingabesprache wählen.

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