Warmherzig und lebensfroh

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Der emeritierte Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann ist als Brückenbauer und gebildeter Theologe bekannt. Was macht er in seinem neunten Lebensjahrzehnt? Im Interview spricht er über seine Pläne, die Flüchtlinge und Donald Trump.

Rund 33 Jahre war Karl Kardinal Lehmann Bischof von Mainz – die drittlängste Amtszeit in der gut tausendjährigen Geschichte des Bistums. Seit Mai 2016 ist der 80-jährige Theologe im Ruhestand. Was macht der langjährige Ex-Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz nun? Bisher vermisse er nichts aus seiner Zeit als Oberhirte, sagt Lehmann im Interview. Aktiv ist er immer noch, zum Beispiel als Kardinal. oder als Autor. Über seine Zukunft, die Flüchtlinge in Deutschland sowie die Auswirkungen der Wahl in den USA spricht Lehmann im Interview:

Wie ist der Ruhestand – Fall in ein Loch oder neue Freiheit? Karl Kardinal Lehmann : Weder Fall in ein Loch noch neue Freiheit. Vieles war schon längere Zeit an Terminen versprochen. Manches befindet sich auch im Übergang. Altes muss endgültig geordnet werden. Vieles muss noch ausbalanciert werden zu einer neuen Ausgeglichenheit zwischen einer größeren Ruhe und einem bleibenden Engagement. Was waren die Höhe- und Tiefpunkte Ihrer langen Bischofszeit? Lehmann: Höhepunkte waren sicher die Papstwahlen und auch meine Kardinalsberufung (2001), aber ich habe nie ein Leben nach Höhe- und Tiefpunkten beurteilt. Jeder Tag bringt seine Aufgaben, die einen fordern. Was Höhepunkt und Tiefpunkt ist, weiß man oft viel später. An welchem Buch arbeiten Sie nun? Lehmann: Es geht jetzt nicht um Bücher. In diesem Jahr sind ja drei verschiedene Bücher von mir erschienen: "Auslotungen. Lebensgestaltung aus dem Glauben heute", "Was im Wandel bleibt. Christsein in der Kirche heute" sowie der Gesprächsband "Mit langem Atem. Wege – Erfahrungen – Einsichten". Ich bin an größeren Vortragstexten dran, vor allem mit ökumenischen Themen. Wir stehen ja im Reformationsgedenkjahr 1517-2017. Was erwarten Sie künftig in der Flüchtlingsfrage hierzulande? Lehmann: Ich hoffe, dass neue Flüchtlingsfälle in geringerer Zahl besser und schneller bearbeitet werden und dass wir in der Gesellschaft ruhiger und differenzierter mit den wohl unvermeidlichen Problemen umzugehen lernen. Was für Folgen in Deutschland könnte aus Ihrer Sicht die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten haben? Lehmann: Ich will darüber nicht spekulieren, zumal ich kein Experte bin. Wachsam und aufmerksam zu bleiben, ist das erste Gebot, aber auch hier denke ich an ein altes verlässliches Sprichwort: Es wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Erst muss der neue Präsident einmal (vom 20. Januar an) im Amt sein. Verfolgen Sie nun mehr Fußballspiele des heimatlichen Bundesligisten ? Lehmann: Als Ehrenmitglied von Mainz 05 verfolge ich die Spiele auf viele Weisen. In der Regel gehe ich einmal im Jahr auch in das Opel-Stadion. Dabei soll es bleiben.

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