Schneeglöckchen blühen am 27.02.2017 bei frühlingshaftem Wetter in Potsdam (Brandenburg) zwischen Winterlingen auf einer Wiese. Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Schneeglöckchen blühen am 27.02.2017 bei frühlingshaftem Wetter in Potsdam (Brandenburg) zwischen Winterlingen auf einer Wiese. Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Winter ade

Wann welcher Frühling beginnt

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Wenn die ersten Kraniche fliegen, heißt das: Der Frühling naht. Doch wann beginnt er eigentlich? Da gehen die Definitionen von Meteorologen, Astronomen und Phänologen auseinander.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei", singen die Karnevalisten jedes Jahr mit Wehmut. Das ist in diesem Jahr mal anders, da fängt es eigentlich erst so richtig an. Nicht die "fünfte", sondern "erste" Jahreszeit. Heute ist der 1. März, und mit diesem Datum beginnt für die Meteorologen der Frühling. Moment, der startet doch am 20. März um 11.28 MEZ. Dagegen sehen die Phänologen den Beginn sogar noch früher als die Meteorologen, nämlich schon Ende Januar/Anfang Februar. Meteorologie, Astronomie, Phänologie – was steckt hinter diesen unterschiedlichen Sichtweisen?

"Die Jahreszeiten beginnen für die Meteorologen immer am Ersten desjenigen Monats, in welchem astronomisch deren Beginn liegt. Die Jahreszeiten dauern damit immer drei komplette Monate. Dies wird so gehandhabt, da für die klimatologische Auswertungen nur Daten über die einzelnen Monate vorliegen – zum Beispiel Monatsmittel, Monatssummen, Monatsabweichungen, Extremwerte", erklärt Anja Engels, Expertin für Phänologie bei Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

Beginn der Heuschnupfenzeit

Astronomen legen den Frühlingsbeginn auf der Nordhalbkugel mit der ersten Tag-und-Nacht-Gleiche des Kalenderjahres fest. Die Sonne befindet sich dann genau im sogenannten Frühlingspunkt der Erdbahn. Der kalendarische Eintrittszeitpunkt variiert und fällt, abhängig unter anderem vom Abstand zum letzten Schaltjahr und der Zeitzone, auf den 19., 20. oder 21. März.

Die Phänologie befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur. Das beginnt mit dem Vorfrühling (etwa Mitte Februar bis Mitte/Ende März), wenn die Kätzchen der Haselsträucher stäuben und die Schneeglöckchen ihre Köpfchen aus dem Boden recken. Jetzt beginnt aber auch die für Allergiker schwierige Heuschnupfenzeit, denn auch die Erle beginnt zu blühen.

Auf den Vor- folgt der Erstfrühling (von Mitte/Ende März bis Mitte/Ende April). Ein sichtbares Zeichen für dessen Beginn ist die Forsythienblüte. Stachel- und Johannisbeeren eröffnen die Obstblüte. Pflaume, Birne und Kirsche folgen. Für die meisten heimischen Laubgehölze beginnt nun die Zeit der Laubentfaltung.

106 Datenmelder in Hessen Der Vollfrühling (Mitte/Ende April bis Ende Mai) hält mit der Apfelblüte seinen Einzug. Auch viele Wildpflanzen und Ziersträucher wie der Flieder entfalten nun ihre Pracht, ebenso die Laubbäume. Raps und Wintergetreide wachsen schnell in die Höhe, denn die steigenden Temperaturen und die längere Sonneneinstrahlung sorgen für eine stürmische Pflanzenentwicklung.

Der DWD betreibt ein phänologisches Messnetz aus rund 1200 ehrenamtlichen Datenmeldern deutschlandweit. In Hessen sind es 106, die Informationen über die Blütenentwicklung liefern, erläutert Engels. So wurde für den Landkreis Gießen die erste Haselblüte am 20. Februar in Lich gemeldet, das erste blühende Schneeglöckchen dort am 31. Januar (die früheste Meldung für Hessen). Die früheste hessische Meldung der Erlenblüte kam am 3. Februar

Ein weiteres Anzeichen für den nahenden Frühling ist natürlich die Rückkehr der Zugvögel, die ebenfalls meist schon im Februar einsetzt. Das (vorläufige) Kälteende in der ersten Hälfte des vergangenen Monats sorgte für den Massenaufbruch dieser Vögel, stellte der Naturschutzbund (NABU) Deutschland fest. Aus ihren Winterquartieren in der französischen Champagne oder Spanien zogen sie zu Zehntausenden über die Eifel, Rheinland, Ruhr und Lahntal gen Norden.

Eiskalte Rückfälle möglich Doch das Frühjahr in den hiesigen Breitengraden ist nicht nur durch einen stetigen Temperaturanstieg gekennzeichnet. Es gibt immer auch wieder eiskalte Rückfälle. Am bekanntesten sind die "Eisheiligen" (Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius, Sophia) vom 11. bis 15 Mai. Zu dieser Zeit sind die Temperaturen in Mitteleuropa meistens bereits recht hoch. Dies wird aber immer wieder durch Wetterlagen unterbrochen, bei denen kalte Polarluft nach Mitteleuropa strömt. Ist dann der Himmel klar, so kann die nächtliche Abstrahlung zu Bodenfrost führen.

Laut einer Bauernregel wird das milde Frühlingswetter erst mit Ablauf der "kalten Sophie" stabil. Da Bodenfrost eine Saat vernichten kann, sollte die Aussaat erst nach diesem Datum erfolgen. Auch das oft wechselhafte Aprilwetter ist zu nennen – wenn immer noch kalte Polarluft auf die schon warme Luft in Mitteleuropa trifft. Das ist insbesondere der Fall, wenn sich ein stabiles Hochdruckgebiet über Nordwesteuropa und gleichzeitig ein Tief über Skandinavien befindet.

Wetterphänomen Märzwinter Seltener ist ein Wetterphänomen im beginnenden Frühling: der sogenannte Märzwinter. Dabei handelt es sich um einen Spätwintereinbruch meist um die Mitte des Monats mit frostigen Temperaturen – häufig dann, wenn der vorangegangene Winter sehr mild war. Ursache ist in den meisten Fällen von Nordosten eindringende polare Luft, die sehr kalt und trocken ist. Zuletzt trat dieses Phänomen im Jahr 2013 auf. Aktuell scheint nicht mit einem solchen Kälteeinbruch zu rechnen zu sein. ""Für Gießen sehe ich bis 9. März nur vereinzelte Tage, an denen es nicht mindestens zehn Grad warm wird", sagt Diplommeteorologe Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst. Das bedeute aber nicht, dass die Nächte frostfrei sein müssen.

Und dann gibt es ja auch noch den "gefühlten Frühling". Denn viele Winter sind mittlerweile mild und schmuddelig, weil Kälte, Eis und Schnee oft allenfalls die Hochlagen erreichen. Kommt das Frühjahr immer zeitiger? "Der Trend geht zum frühen Frühling. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Dieses Jahr ist eher normal im Vergleich zum langjährigen Mittel – durch den kalten Januar", meint Phänologin Engels.

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