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Wandern, wo der Wind weht

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Schmucke Fachwerkhäuser stehen im Kontrast zu Höhlen, die unsere frühen Vorfahren als Eigenheime nutzten. Schattige Wälder wechseln sich ab mit offenen Weideflächen und Höhen, die weite Blicke ins Windland zwischen dem Lahn-Dill-Bergland und dem Westerwald bieten. Ein Premium-Wanderweg macht’s möglich.

Einem bekannten Volkslied zufolge pfeift hier der "Wind so kalt". Doch am Ende ist das alles nur eine Frage der richtigen Kleidung - vor allem, wenn man die Mittelgebirgsregion auf Schusters Rappen erobern will. Der Westerwaldsteig bietet hier nicht nur Wandervergnügen, sondern hat abseits der Strecke auch einige Attraktionen zu bieten.

Start und Ziel ist das schmucke Fachwerkstädtchen Herborn an der Dill. Gleich zu Beginn eine Herausforderung: Es geht ziemlich steil hinauf auf den Dollenberg. Hier bietet zum einen ein Aussichtsturm eine herrliche Aussicht auf das Dilltal. Zum anderen lohnt ein Besuch des Wildgeheges.

Seit über 50 Jahren betreibt die Stadt Herborn auf knapp 23 Hektar das Wildgehege mit rund 70 Tieren. Darunter sind Ziegen, Esel, vom Aussterben bedrohte Skudden (Schafe), Muffelwild sowie Dam- und Rotwild und Lamas. Darüber hinaus finden Familien mit Kindern entlang der Wanderwege unterschiedlichste Spielgeräte zum Klettern, Balancieren und zum Toben.

Weiter geht es auf dem H4 durch schattigen Mischwald am Stadtteil Burg vorbei, hinab ins Ambachtal, das von einer großen Autobahnbrücke überspannt wird. Hier unterquert man die A45, die aufgrund ihrer zahlreichen Brückenbauwerke auch "Königin der Autobahnen" genannt wird. Am Neuhaus vorbei erreicht man Uckersdorf, das einen weiteren interessanten Abstecher bietet: den Tierpark.

Ursprünglich als Vogelpark gegründet, hat sich die Anlage im Laufe der Jahre zu einem Tierpark gewandelt, in dem auch Affen, Ziegen, Kängurus oder Riesen- und andere Schlangen ein Unterkommen gefunden haben. Unumstrittene Attraktion sind die quirligen Erdmännchen. Der Westerwaldsteig bietet ein bisschen Sisyphusarbeit. Wenn man eine Anhöhe erobert hat, geht es garantiert auch wieder in eines der vielen, von Bächen durchzogenen Täler hinunter. Von Uckersdorf führt der Wanderweg erst mal wieder bergan über den Gonkelrain zum Naturschutzgebiet Kramberg und Mühlberg. Hier bietet der Weg über offene Weideflächen schöne Aussichten bis ins Lahn-Dill-Bergland.

Bei Erdbach macht der Steig noch einmal einen großen Schlenker, ehe man in dem Breitscheider Ortsteil die nächste Sehenswürdigkeit erreicht, den Karst- und Höhlenlehrpfad. Hier gibt es beispielsweise einen Canyon, der durch einen Tunnel im Gestein erreichbar ist. Hier verschwindet auch der Erdbach plötzlich im Untergrund, um etwa einen Kilometer entfernt wieder ans Tageslicht zu kommen.

Und es gibt zahlreiche Löcher und Höhlen im Kalkgestein, die mit ihren bizarren Formen einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Erde geben. Am beeindruckendsten ist dabei neben den beiden Steinkammern - die wohl Steinzeitmenschen als Wohn- oder auch Grabstätten dienten, wie entsprechende Funde belegen - natürlich die Schauhöhle "Herbstlabyrinth". Sie ist das größte Höhlensystem in Hessen und eines der größten in Deutschland und liegt an der Straße zwischen Erdbach und Breitscheid. Seit 2017 stehen etwa 15 Parkplätze oberhalb des Eingangs zur Schauhöhle zur Verfügung.

Ein Teil des Herbstlabyrinths ist als Schauhöhle für die Öffentlichkeit zugänglich und beherbergt eine Vielzahl unterschiedlicher Tropfsteinformationen. Ein weiterer Pluspunkt: Erstmals wurde eine Schauhöhle komplett mit LED-Lichttechnik ausgestattet. Diese unterscheidet sich von herkömmlichen Lichtquellen durch einen geringeren Stromverbrauch (Einsparung bis zu 90 Prozent) und niedrigere Wärmeabstrahlung. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Höhlenumwelt aus. Nicht zuletzt aber lässt das LED-Licht die Höhleneinrichtung, Decken, Formen und Tropfsteinstrukturen besonders spektakulär erscheinen.

Über Pfade und Waldwege führt der Westerwaldsteig von den Steinkammern schließlich zum Endpunkt der Etappe nach Breitscheid. Von hier aus gibt es die Möglichkeit, mit dem Bus (Linie 510) wieder zurück nach Herborn zu fahren, wo sich ein Abschluss der Wanderung in einem der vielen Cafés, Eisdielen oder Gaststätten der Altstadt anbietet.

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