Das Wort „Testament“ ist mit Kugelschreiber auf einem Blatt Papier geschrieben. Foto: Jens Büttner/zb/dpa
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Dieses Testament hatte es in sich: Die Geimeinde Waldsolms erbt Aktien im Wert von 6,2 Millionen Euro. (Symbolbild)

Gemeinde als Ersatzerbe

Millionen-Erbe für Gemeinde im Lahn-Dill-Kreis - Riesiges Aktiendepot vermacht

  • vonKim Luisa Engel
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Ehepaar Wedel aus Waldsolms-Weiperfelden vererbt der Gemeinde ihr Haus samt Grundstück und ein Aktiendepot in beträchtlichem Wert.

  • Die Gemeinde Waldsolms erhält eine Erbschaft in Millionenhöhe.
  • Das Ehepaar Wedel vermachte der Gemeinde ein Aktiendepot im Wert von 6,2 Millionen Euro.
  • Ausgeben soll Waldsolms das Erbe für gemeindliche Zwecke und die Infrastruktur.

Waldsolms - Damit hatte wohl keiner gerechnet: Die Gemeinde Waldsolms im Lahn-Dill-Kreis hat geerbt und zwar keine kleine Summe. 6,2 Millionen Euro in Aktien darf die Gemeinde nun ihr Eigen nennen. Außerdem hinterlassen Renate und Alfred Wedel noch ihr Wohnhaus, welches auf einem 4000 Quadratmeter Grundstück steht. Doch wie ist es dazu gekommen, dass die Gemeinde mit dieser gewaltigen Summe bedacht wurde und was hat sie damit vor?

Waldsolms: Gemeinde fungiert als Ersatzerbe und kassiert 6,2 Millionen Euro

In dem ebenfalls an die Gemeinde vererbten Haus „Auf der Hardt“ in Waldsolms lebte das Ehepaar Wedel seit 1975. Alfred Wedel ist bereits 2014 in einem Pflegeheim in Butzbach verstorben, seine Frau Renate starb letztes Jahr um Weihnachten in Frankfurt. Zu seinen Lebzeiten war Alfred Wedel äußerst erfolgreich an der Börse tätig, Ausschüttungen die sein Aktiendepot abwarf, investierte er sogleich in neue Aktien - das erklärt die Rekordsumme von 6,2 Millionen Euro, wie unter anderem die „Butzbacher Zeitung“ berichtet.

In diesem Jahr hatte die Gemeinde Waldsolms dann von ihrer Erbschaft in astronomischer Höhe erfahren. Laut Bürgermeister Bernd Heine waren sie „angenehm überrascht“ von der Nachricht. Das Erbe umfasst aber nicht nur das oben genannte Aktiendepot, sondern auch ein Bankguthaben und diverse Wertgegenstände. Das Haus „An der Hardt“ samt Grundstück hat die Gemeinde Waldsolms nur geerbt, da eine Vermächtnisnehmerin gegenüber dem zuständigen Nachlassgericht erklärt hat, dieses nicht annehmen zu wollen. Als möglicher Grund für die Verweigerung wird der erhebliche Sanierungsbedarf an Wohnhaus und Nebengebäude gesehen, zusätzlich dazu fallen noch Anliegerbeiträge für die erst kürzlich fertiggestellte Straße an.

Gemeinde Waldsolms: Was passiert mit der Erbschaft?

Die Gemeinde selbst kann mit dem Haus und dem dazugehörigen Grundstück nichts anfangen, so Heine, und hat deswegen bereits ein Maklerbüro beauftragt dieses zu verkaufen. Was die hohe Geldsumme angeht, hat Erblasserin Renate Wedel festgelegt, dass sie für gemeindliche Einrichtungen und die Infrastruktur zu verwenden sei. Denkbar sei für Bürgermeister Heine also ein Einsatz im Straßenbau, für das Dorfgemeinschaftshaus oder im Kita-Bereich. Plant die Gemeinde eine Ausgabe zu tätigen, könne Geld aus dem Aktiendepot entnommen werden - spekulieren und neue Aktion kaufen sei hingegen testamentarisch verboten.

Nach Bewertungsvorschriften ermittelt, beträgt die Erbschaft etwa 6,2 Millionen Euro. In gleicher Höhe sei auf der Passivseite der Bilanz eine Verpflichtung aus den Auflagen der Bürgschaft eingebucht worden, berichtet die „Butzbacher Zeitung“. Damit würde das Ergebnis der Gemeinde Waldsolms nicht beeinflusst, spätere Verwendungen des Erbes seien ergebnisneutral und belasteten künftige Haushalte nicht, so Heine. Stille Reserven, die zum Beispiel in Hausgrundstück oder Aktiendepot schlummern, werden erst bei einem Verkauf realisiert und erhöhen dann sowohl das aktive Vermögen als auch die Verpflichtung auf der Passivseite der Bilanz - damit stehen sie der Gemeinde als Zusatz zur Verfügung.

Lahn-Dill-Kreis: Warum bekam ausgerechnet die Gemeinde Waldsolms das Erbe?

Warum die Wedels die Gemeinde Waldsolms, in der sie für etwa 40 Jahre lebten, als Ersatzerben benannten, scheint laut „Butzbacher Zeitung“ nicht klar zu sein. Laut Bürgermeister Heine lebte das Paar ganz unscheinbar im Ortsteil Weiperfelden, auch über ein mögliches soziales Engagement oder anderweitiges Ehrenamt der beiden sei nichts bekannt. Die Gemeinde ist jedoch überaus dankbar für den reichlichen Geldsegen und will den Eheleuten Wedel ein ehrendes Andenken setzten - indem sie die Gemeinde Waldsolms mit Hilfe der Summe zum Wohle aller weiterentwickelten.

 

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