Wärter verkaufte Drogen an Häftlinge

Butzbach (srs). Der Fall wirft kein gutes Licht auf die Justizvollzugsanstalt Butzbach. Ein 43-jähriger Gefängnisbeamter verkaufte 2005 bis 2008 Haschisch an Häftlinge sowie an einen Kollegen.

Butzbach (srs). Der Fall wirft kein gutes Licht auf die Justizvollzugsanstalt Butzbach. Ein 43-jähriger Gefängnisbeamter verkaufte 2005 bis 2008 Haschisch an Häftlinge sowie an einen Kollegen. Die illegalen Geschäfte des spiel- und drogensüchtigen Beamten kamen erst im Sommer letzten Jahres ans Tageslicht, als ihn ein Insasse verpfiff und der 43-Jährige so auf frischer Tat gefasst werden konnte. Seit gestern muss sich der Butzbacher vor der Zweiten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts verantworten. Der Angeklagte äußerte sich zum Auftakt des Verfahrens weitgehend geständig. "Nach der Trennung von meiner Frau war mir alles egal", gab er als Motiv an.

Der 43-Jährige soll laut Anklage in 15 Fällen gewerbsmäßig mit Rauschgift in der Justizvollzugsanstalt gehandelt haben. Der Mann räumte die Taten zum großen Teil ein. Auch Handys sowie alkoholische Getränke in Wasserflaschen habe er gegen Geld in die JVA geschmuggelt, gestand er. Auch per Überweisung sei er bezahlt worden. Drei Geschäfte mit einem Häftling über insgesamt 180 Gramm Haschisch allerdings stritt der Angeklagte ab. "Ich habe Mist gebaut. Aber mit dem habe ich nichts zu tun gehabt.

" Der Häftling habe die Vorwürfe nur unterbreitet, um in ein anderes Gefängnis verlegt zu werden. "Der war von anderen Insassen bedroht worden." Zu diesem Geschehen werden im weiteren Verlauf des Prozesses noch Zeugen befragt. Verkäufe von Haschisch in kleinen Mengen an einen Kollegen der JVA wiegelte der Angeklagte als Freundschaftsdienste ab. "Einige bringen zu Besuchen eine Flasche Wein mit. Wir haben uns eben Haschisch gegeben", sagte der 43-Jährige.

Der Angeklagte ist gelernter Tief- und Straßenbauer. Nachdem ihm bei der Arbeit ein Kettenwagen über den Fuß gefahren war, wechselte er 2001 in den Justizvollzug. Die Bekämpfung der durch den Arbeitsunfall verursachten Schmerzen mit Medikamenten führten ihn in eine Tablettenabhängigkeit. Als Ärzte ihm keine Rezepte mehr ausgestellt hätten, habe er sich an die Doktoren in der JVA Butzbach gewandt. "Dort habe ich größere Mengen bekommen. Die wollten mir einen Gefallen erweisen." Der Butzbacher konsumiert außerdem Haschisch, Speed, Kokain. "Ich habe nichts ausgelassen. Und richtig schlimm wurde es, als die Familie Anfang 2008 auseinanderging." Der Angeklagte ist zudem spielsüchtig. Vor allem dadurch hat er Schulden von insgesamt 40 000 Euro angehäuft.

Zum Verhängnis wurde dem Mann im August 2008 ein kurz vor der Entlassung stehender Häftling, der den 43-Jährigen anzeigte. Dieser Häftling vereinbarte mit der Polizei, zum Schein einen Handel mit dem Angeklagten einzugehen. Der Angeklagte sollte dazu die 23-jährige Tochter des Häftlings vor einem Schnellimbiss-Restaurants treffen und eine Tüte mit 100 Gramm Haschisch sowie einem Handy entgegennehmen, um sie in das Gefängnis zu schmuggeln. Die Polizei überwachte die Übergabe. Am Dienstag wird die Verhandlung fortgesetzt.

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