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Herbert Loch - Mundart ist seine Muttersprache.

»Wäi die Aale noch schwatzde…«

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Grünberg/Mücke - Zusammen mit Frau und Sohn ist er vor vielen Jahren von Mücke-Ruppertenrod an die schleswig-holsteinische Ostseeküste gezogen. Aber wenn es um Mundart geht, ist Herbert Loch noch immer in der alten Heimat präsent. Mit Lesungen, Mundartgottesdiensten und Theaterstücken »off Platt«.

Loch hat einen guten Ruf - zu Recht: Er gehört zu denen, die sich mit viel Fleiß um die Bewahrung des oberhessischen Dialekts bemühen. Es gibt dazu schon zig Veröffentlichungen von ihm, nun hat er seiner Sammlung ein weiteres Buch hinzugeführt. Ein Wörterbuch ist es diesmal. Aber nicht nur: Die Wörter, die er vorstellt, benutzt er im zweiten Teil für das Erzählen kleiner Geschichten. Das Buch hat auch wegen seiner vielen alten Fotografien und der gelungenen Illustrationen von Lochs Ehefrau Veronika einen hohen Unterhaltungswert. Die Fotos haben Anja Zimmer, die auch wegen ihres großen Engagements für den Erhalt der Mundart bekannt ist, und die Familie Loch aus privaten Alben ausgesucht.

Anja Zimmer hat in ihrem Verlag Frauenzimmer (ist aber auch ein Verlag für Männer) Lochs neues Buch mit dem Titel »Voo Ääre bis Zwulch« herausgegeben. Teil 1 des Buches betitelt Loch im Inhaltsverzeichnis (Woas all deanschditt) so: »Dääl eas: Ds Abc - väile Weadder aus dm Schbroochschatz voo Vuulsberg ean Wearreraa.« Ein paar Beispiele: Atzen - Elster, Däbbel - Fußabritte, Eckboat - Hausecke, Fetch - Flügel, Rimbel - Gepolter (laute Schläge) und sirwen - grob abschneiden. Auf dem Einband des Buches steht: »Ihre Nachbarin hängt Ihnen die Häuwen? Auf dem Tisch stehen Iwwerärje und die Eller schimpft über iwwerzwerche Hutche? Im Buch finden Sie Erklärungen für Begriffe, die früher im alltäglichen Sprachgebrauch Oberhessens zu finden waren, die aber heute immer mehr verloren gehen. Aber gerade in diesen Begriffen zeigen sich das dörfliche Leben, die Geschichte und der spezielle Humor in Vogelsberg und Wetterau.

Lesung am Samstag in Burg-Gemünden

Zahlreiche alte Fotografien zeigen das Leben einer längst vergangenen Epoche, die zwar geprägt war von harter Arbeit, in der sich die Jugend aber immer ihre Nischen suchte, um über die Stränge zu schlagen. Lassen Sie sich vom Scholdese Kall erzählen, wie es früher zuging auf der Kirmes, in der Spinnstube oder wenn die Wääs mit dem Postbus auf Besuch voo iwwerfeald kam. Diese Geschichten sind auf Oberhessisch erzählt, aber im Anschluss ins Hochdeutsche übersetzt.« Das ist doch mal ein feiner Service. Die Verlegerin Anja Zimmer sagt über die Mundart: »Dialekt schafft Nähe, Hochdeutsch schafft Distanz. Wenn man mit jemanden Dialekt reden kann, hat man eine gemeinsame Ebene. Da, wo ich fremd bin, Leute nicht kenne, vorsichtig bin, da rede ich Hochdeutsch.«

Nun sind die Lochs zurückgekommen in die alte Heimat, um das Buch vorzustellen. Das Ehepaar sowie Anja Zimmer und ihr Bruder Stefan werden unter anderem bei einer Lesung in Burg-Gemünden zu sehen sein.

Anja und Stefan Zimmer werden morgen Abend ab 19 Uhr im Gemeinschaftshaus aus Lochs Buch »Grimms Märchen off Platt« lesen. Zu der Veranstaltung muss man sich anmelden - per E-Mail an: anja.frauenzimmer@tele2.de. Burkhard Bräuning

Das Cover »Voo Ääre bis Zwulch«
Lochs Mutter (l.) und sein Vater (hinten).

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