Mit Vollgas Richtung Abgrund

Marburg (fk). Bissig, eloquent und zynisch. Volker Pispers hat in den mehr als 30 Jahren, in denen er nun auf der Bühne steht und politisches Kabarett macht, nichts verlernt. Mit seiner aktuellen Fassung von "Bis neulich…" war der 55-Jährige in der Stadthalle zu Gast und frotzelte vor ausverkauftem Haus über die Politik und die Medienlandschaft des Landes.

Dabei zeigte er humorvoll den Irrwitz so manches politischen Beschlusses auf. Von Außenminister Guido Westerwelle über Thilo Sarrazin und Christian Wulff, von Anne Will bis Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble, fast jeder politisch bedeutsame Name bekam in der knapp dreistündigen Show sein Fett weg. Die FDP sei Dank Philipp Rösler und Rainer Brüderle jetzt "doppelspitz", die Ausstrahlung unseres Bundespräsidenten Joachim Gauck auf die Gehirne der Bevölkerung habe die gleiche Auswirkung, wie die medizinische Bestrahlung von Tumoren.

FDP jetzt "doppelspitz"

Volker Pispers nimmt kein Blatt vor den Mund. Warum auch? Viele seiner Ausführungen entsprechen, überspitzt, aber anschaulich dargestellt, der Realität. Ist es gerade die Absurdität der Wahrheit, die das Publikum zum Lachen bringt? Pispers macht auch vor seinen Zuschauern keinen Halt und weist die zahlende Menge darauf hin, dass 60 Prozent derer, die sich am Abend köstlich amüsiert fühlten, bei der nächsten Wahl die gleichen Fehler machen werden.

Wirken seine neueren Texte an der einen oder anderen Stelle etwas holprig, mit Wortspielen, die vorhersehbar sind, so geht der gebürtige Rheydter (Mönchengladbach) bei seinen Lieblingsthemen Kapitalismus und Blockparteiensystem voll in seinem Element auf. CDU, CSU, SPD, FDP und die Grünen – nach Pispers Meinung ist keine besser als die andere. Sie verfolgten alle das gleiche Wirtschaftssystem und versuchten alle, die gleichen Probleme mit den gleichen falschen Werkzeugen zu lösen. "Wir rasen mit dem Politikzug auf einen Abgrund zu und alles was wir machen, ist alle vier Jahren den Lokführer auszutauschen. Halt Kurs und gib Gas." Und der Abgrund, so Pispers, sei das, was sich gerade wirtschaftspolitisch in den USA abspielt.

"Bis neulich…2013" sind rund 160 Minuten beste Kabarett-Unterhaltung. Trotz der Länge wird das Mammutprogramm an keiner Stelle langweilig. Der studierte Anglist schafft es, sich blitzschnell in andere Rollen zu versetzen und mit seinen didaktisch anschaulichen Ausführungen die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.

Das schlichte Bühnenbild passt zum schlichten Auftreten; der Inhalt ist schlichtweg sehr gut und regt zum Nachdenken an. Volker Pispers weiß die Macht des Wortes für sich zu nutzen.

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