Eine seit Sommer 2019 im Raum Ulrichstein festgestellte Wölfin wird jetzt als sesshaft eingeordet. SYMBOLFOTO: DPA
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Eine seit Sommer 2019 im Raum Ulrichstein festgestellte Wölfin wird jetzt als sesshaft eingeordet. SYMBOLFOTO: DPA

Vogelsberger Wölfin ist sesshaft

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Ulrichstein- Hessen hat wieder einen sesshaften Wolf, nachdem die Art im Bundesland sehr lange Zeit ausgerottet war. Das hat die Genprobe eines am Ortsrand von Unter-Seibertenrod im Vogelsberg gerissenen Rehes ergeben. Vielen Bürgern vor Ort sowie den Weidetierhaltern in Hessen bereitet die Rückkehr des Wolfs allerdings Sorgen. "Ich nehme die Befürchtungen sehr ernst und setze mich für Rahmenbedingungen ein, die den Umgang mit dem Wolf für alle tragbar machen", kündigte Landwirtschaftsministerin Priska Hinz am Dienstag in Wiesbaden an. Dazugehörten der Wolfsmanagementplan des Landes, die größtmögliche Aufklärung der Bevölkerung sowie die Unterstützung der Weidetierhalter, insbesondere der Schaf- und Ziegenhalter.

Bei dem sesshaften Wolf handelt sich um ein weibliches Tier, das sich nun seit mindestens einem halben Jahr im Vogelsberg aufhält. Die Wölfin wurde durch das Wolfsmonitoring des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) erstmalig vor einem Jahr in der Nähe von Bad Hersfeld per Gennachweis an einem Reh registriert. Anschließend zog die Wölfin weiter in den Vogelsberg, wo sie in der Gegend um Ulrichstein wiederholt genetisch nachgewiesen wurde, zunächst anhand einer Kotprobe vom 12. Juli 2019. Zwischen September und November 2019 wurde diese "Ulrichsteiner Wölfin" an mehreren Wildtier-Rissen genetisch erfasst, auch an zwei toten Kälbern hinterließ sie Speichelspuren. Nun konnte das Tier erneut anhand einer Genprobe nachgewiesen werden, damit gilt diese Wölfin im Vogelsberg als standorttreu.

"Für den Artenschutz in Hessen ist die Beobachtung eines sesshaften Wolfes eine gute Nachricht. Viele Nachbarländer haben in den letzten Jahren ähnliche Erfahrungen gemacht, daher war diese Entwicklung absehbar", sagte Prof. Thomas Schmid, Präsident des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie. "Bisher haben wir im hessischen Wolfsmonitoring nur einzelne Tiere auf Wanderschaft registriert, nun scheint sich erstmals seit dem Wolf im Reinhardswald wieder ein Tier bei uns in Hessen niederzulassen", meinte Schmid.

Bisher gibt es in Hessen nur wenige einzelne Wölfe. Sie ernähren sich überwiegend von Schalenwild, Angriffe auf Tierhaltungen sind die Ausnahme. Sollte es trotz Herdenschutz in Hessen zu einem Schaden durch einen Wolf kommen, erhalten die betroffenen Weidetierhalter laut Landwirtschaftsministerium "unbürokratisch Entschädigung". Die Herdenschutzprämie ist eine Förderung für Schaf- und Ziegenhalter, die den Arbeitsmehraufwand bei der Absicherung von Weidezäunen unterstützt. Dafür stellt das hessische Landwirtschaftsministerium jährlich 500 000 Euro Landesmittel bereit. Diese Prämie wurde laut Ministerium in diesem Monat auf 40 Euro pro Hektar erhöht. Weidetierhalter können bereits ab vier Tieren und einer Weidefläche von zwei Hektar einen Antrag stellen. Man wolle Weidetierhalter so gut wie möglich unterstützen, denn ihre Leistungen für die Landschaftspflege seien unentbehrlich, sagte Hinz. red

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