Verschneite Höhen im Vogelsberg:
 Das animiert viele zu einem Ausflug. Doch der Ansturm auf Hoherodskopf (im Bild) und Herchenhainer Höhe sorgt für Chaos. 	FOTO: MANFRED HENSS
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Verschneite Höhen im Vogelsberg: Das animiert viele zu einem Ausflug. Doch der Ansturm auf Hoherodskopf (im Bild) und Herchenhainer Höhe sorgt für Chaos.

Chaos durch Schnee-Touristen

Vogelsberg: Zufahrt zum Hoherodskopf nach Chaos-Wochenende gesperrt

  • vonRedaktion
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Am vergangenen Wochenende war es am Hoherodskopf und der Herchenhainer Höhe im Vogelsberg zu Chaos durch Winter-Touristen gekommen. Nun reagiert der Landkreis entsprechend.

Update vom Freitag, 8.01.2021, 12:58 Uhr: Die Zufahrt zum Vogelsberger Hausberg Hoherodskopf sowie der Herchenhainer Höhe bleibt weiterhin von 9 bis 16 Uhr gesperrt. Landrat Manfred Görig hatte dies nach einem Gespräch der Kreisbehörde mit den Kommunen Schotten, Ulrichstein und Grebenhain und der Polizei mitgeteilt.

Da dieses Wochenende erneut mit einem Ansturm von zahlreichen Besuchern und aus Hessen und auch umliegenden Bundesländern gerechnet werde, müssten die Zufahrtsbeschränkungen grundsätzlich auch weiterhin bestehen bleiben, so der Landrat. Wegen einer leichten Entspannung sei die Sperre aber weiterhin „nur“ auf die Zeit von 9 bis 16 Uhr begrenzt, das Erreichen des Wintersport- und Wandergebietes am Hoherodskopf sei damit zwar eingeschränkt, aber dennoch möglich.

Vogelsberg: Zufahrt zu Hoherodskopf von 9 bis 16 Uhr gesperrt

Die oben genannten Einschränkungen gelten erst einmal bis zum 12. Januar, danach wird die Situation neu beurteilt. Die Zufahrt zum Hoherodskopf sei für Anlieger jedoch dauerhauft möglich, betonen die Verantwortlichen. Kritik an der gefassten Entscheidung könne Landrat Görig nicht verstehen, diese sei einvernehmlich vom Vogelsberger Gesundheitsamt, der Polizei und den Ordnungsämtern der Gemeinden Schotten, Grebenhain und Ulrichstein gefasst worden.

Der Landrat bat die drei Gemeinden zusätzlich um Amtshilfe bei der Besetzung der jeweiligen Sperrstellen. Dieser kommen die Gemeinden nach und werden Samstag und Sonntag jeweils vier Sperrstellen mit eigenem Personal besetzen. Zusätzlich dazu, hat die Polizei bereits angekündigt am Wochenende vermehrt Streife fahren zu wollen um die Ordnungsämter bei den Kontrollen zu unterstützen.

Vogelsberg: Schnee-Tourismus verursacht Chaos am Hoherodskopf

Am vergangenen Wochenende war es zu einem erhöhten Aufkommen von Touristen in hessischen Wintersportgebieten gekommen, zum Beispiel an der Sackpfeife in Marburg-Biedenkopf als auch im Vogelsberg. Die Schar an Wanderern und Wintersportlern hatte in den Höhenlagen und den umliegenden Kommunen zu teils chaotischen Verkehrs- und Parksituationen geführt. Die Zufahrtstraßen zu den Bergen waren völlig überfüllt, selbst Rettungswege wurden von den Schnee-Touristen zugeparkt. Zudem zeigten sich die Verantwortlichen des Vogelsbergkreises besorgt, dass die geltenden Corona-Regelungen nicht eingehalten wurden.

Erstmeldung vom Dienstag, 5.01.2021, 22:19 Uhr: Grebenhain - Sebastian Stang klingt schwer mitgenommen und verzweifelt. Was der Grebenhainer Bürgermeister in den vergangenen Tagen beim Ansturm von Ausflüglern erlebte, erzürnt ihn immer noch. Als Hoherodskopf und Herchenhainer Höhe eingeschneit waren, setzte der Run auf die Vogelsberger Höhen ein. Nachdem die Parkplätze voll waren, parkten die Ausflügler einfach irgendwo wild. Polizei und Ordnungsamtsmitarbeiter kamen mit dem Kontrollieren nicht mehr nach.

Vogelsberg: Verzweifelter Hilferuf vom Hoherodskopf

Deshalb setzte Stang einen emotionallen Appell ab: »Wir sind ehrlich gesagt ratlos, was wir noch machen sollen, damit die Menschen nicht unseren Vogelsberg und die anderen bekannten Winterfreizeitgebiete in Hessen überrennen.« Seit Weihnachten verzeichne man ein »noch nie da gewesenes Besucheraufkommen«. Im Vogelsberg sah man sich deshalb in der letzten Woche gezwungen, die Zufahrten und Parkplätze zum Hausberg Hoherodskopf sowie der Herchenhainer Höhe tagsüber zu sperren, nachdem Rettungswege versperrt und Abstandsregeln sowie Versammlungsverbote missachtet wurden.

Trotz halbstündiger Radiodurchsagen, dass in den Winterfreizeitgebieten in ganz Hessen die Zufahrten gesperrt und die Parkplätze überfüllt wären, hätten sich Tausende von Menschen nicht abhalten lassen. Vor Ort abgewiesen, parkten viele in Feldwegen, auf Wiesen und Feldern, sogar in den Vorgärten, und hinterließen beschädigte Äcker und Unappetliches in Vorgärten.

Zudem würden Natur und Wildtiere leiden, so Stang, weil sie wegen der Menschenmassen permanent unter Stress stehen. Stang: »Es wäre schön, wenn alle, die jetzt hierherstürmen, sich auch in Nach-Corona-Zeiten mal an den Vogelsberg erinnern würden. In normalen Zeiten haben unsere Gastronomen schwer zu kämpfen.«

Vogelsberg: Schlitten mit Glühweinfass am Hoherodskopf

Seine eindringliche Bitte »an alle Hessinnen und Hessen sowie die Tagesausflügler der Nachbarbundesländer« lautet: »Bleiben Sie bitte zu Hause. Halten Sie Abstand zu Ihren Mitmenschen und helfen Sie durch diesen Verzicht mit, die Infektionszahlen zu senken, damit wir in diesem Jahr wieder die Chance auf Normalität erhalten können.«

Was Stang über die Feiertage beobachtet hat, das war deutlich jenseits von »AHA-Regeln«:« Da zog etwa eine Gruppe von 15 Leuten einen Schlitten mit dem Glühweinfass hintendrauf.« Vielen scheine nicht bewusst zu sein, wie ernst die Lage ist und welche Anstrengungen und persönliche Opfer Menschen im Bereich der Gesundheitsversorgung, der Verwaltungen, der Polizei, der Feuerwehr und nicht zuletzt der Branchen, die derzeit komplett geschlossen sind, erbringen. »Bei vielen geht es um nicht weniger als die eigene Existenz.« Viele der Ausflügler kamen von weiter her, aus Frankfurt, Offenbach, Hanau, Gießen, Wetzlar oder Marburg und aus Nachbarbundesländern.

In einer Telefonkonferenz mit Polizei, Ordnungsbehörden, Kreisvertretern wurde deutlich, wie schwer es ist, den Besucherandrang zu kanalisieren und nicht jeden Wintersportler, der ein paar Langlaufrunden drehen will, auszubremsen. Ideen, wie etwa an manchen Tagen nur Besucher mit geraden Kennzeichen hochfahren zu lassen, wurden wieder verworfen.

»Wer soll das denn kontrollieren? Wir haben nur zwei Mitarbeiter im Ordungsamt«, so Stang. Die Ressourcen auf dem Land seien erschöpft. Er wolle kein Spaßverderber sein, »aber es geht nicht mehr. Wir müssen uns jetzt alle noch ein paar Monate lang am Riemen reißen«. Stang äußert Verständnis dafür, wenn den Leuten die Decke auf den Kopf fällt, trotzdem dürfe das nicht zu egoistischem Freizeitverhalten führen. Als Bürgermeister bekomme er durch das Standesamt sehr genau mit, »welche Mitmenschen in unserer Kommune, ob Jung oder Alt, den Kampf gegen das Virus verloren haben. Für mich hat daher die Pandemie eine sehr persönliche, belastende Seite, weil wir viele verlieren und noch verlieren werden«. Deshalb sein Appell: »Bitte bleiben Sie zu Hause und zeigen Sie sich solidarisch. Und wenn Ausflug, dann bitte in Hessen verteilen, es gibt doch genug Platz.« Kerstin Schneider

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