Aus der Vogelperspektive

  • Burkhard Bräuning
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Manchmal muss man die Perspektive wechseln, wenn man die Welt mit anderen Augen sehen will. Zum Beispiel mal von oben schauen. Das verschiebt Grenzen und Horizonte. Manfred Henß aus Grünberg ist oft mit seinem kleinen Flieger in der Luft. Wir haben ihn gefragt, wie das ist, Hessen von oben zu sehen und zu fotografieren.

Herr Henß, Sie sind unser Mann für den Blick von oben. Die Fotos auf dieser Seite haben Sie alle gemacht. Welches Motiv aus Hessen wollen Sie unbedingt noch haben?

Ein Bild vom Römer in Frankfurt wäre schön. Dieser Bereich liegt aber in der sogenannten Kontrollzone vom Frankfurter Flughafen, in die ich nicht einfliegen darf. Eine Ausnahme gab es vor Jahren, als der Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen ausgebrochen war und den Flughafen lahmgelegt hatte. Damals hatte ich aber leider keine Zeit, um dort ein Bild zu machen.

Was noch?

Die Wasserkuppe. Dieses Motiv lässt sich wohl eher verwirklichen, denn dorthin fliege ich mehrmals im Jahr, allerdings würde ich bei Fotoaufnahmen den Flugbetrieb stören, an schönen Tagen ist naturgemäß viel Betrieb.

Was ist das beeindruckendste Motiv in Hessen für ein Foto von oben?

Von den größeren Motiven ist es wohl der Edersee, nicht nur, wenn er gut gefüllt ist, sondern auch, wenn bei Niedrigwasser die Reste der alten Dörfer und auch die Aseler Brücke zu sehen sind. Als Kleinod sehe ich das Schloss von Rauischholzhausen, weil es nicht leicht zu finden ist und in eine tolle Umgebung eingebettet ist.

Mal Hand aufs Herz: Kann Hessen beim Blick von oben mithalten mit Küstenländern wie Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern oder mit Bayern, das ja seine Berge hat?

Eindeutig ja! Hessen hat - außer Küste und Hochgebirge - fast alles zu bieten: Flusslandschaften, Mittelgebirge - die Wasserkuppe ist schließlich fast 1000 Meter hoch -, Ebenen wie die Wetterau, also von allem etwas.

Gibt es Motive, die Sie von oben fotografiert haben, die Sie sich dann ganz bewusst auch mal vom Boden aus anschauen?

Als Beispiel möchte ich den Limes anführen, dessen hessischer Verlauf von oben recht gut zu erkennen ist. Wenn man ihn unten bewandert, verliert man den Überblick, sieht aber dafür kleine Objekte, die man von oben nicht unbedingt erkennt. So gewinnt man insgesamt - also von oben und unten - einen guten Eindruck.

Gibt es eigentlich Gebiete, die Sie nicht überfliegen dürfen, den Frankfurter Flughafen zum Beispiel - oder die Skyline von Frankfurt?

Der Bereich um den Frankfurter Flughafen ist in der Tat eine Zone, in die ich nur mit vorheriger Genehmigung einfliegen dürfte. Und die wird selten erteilt. Dann gibt es noch ein paar kleinere militärische Sperrgebiete, die zeitweise in Betrieb sind und die ich dann meiden muss. Je weiter ich davon entfernt bleibe, desto höher darf ich dann fliegen. An eine Landung in Frankfurt brauche ich gar nicht zu denken, das geht für Kleinflugzeuge nicht. Ganz anders sieht es in Kassel aus. Dort freuen sie sich über jeden kleinen Flieger. Bei meinen Flügen melde ich mich per Funk beim "Flight Information Service" an. Dort erhalte ich immer aktuelle Informationen.

Wenn Sie Hessen von Nord nach Süd überfliegen, wie lange brauchen Sie dafür?

Wenn ich in Kassel-Calden starten und direkt nach Mosbach im Odenwald fliegen würde, bräuchte ich für die 225 Kilometer Luftlinie knapp 1,5 Stunden.

Sie fliegen weit über die Grenzen Hessens hinaus. Was war Ihr weitester Flug?

Der weiteste Flug ging nach Zell am See. Der Rückflug erfolgte von St. Johann in Tirol ohne Zwischenlandung nach Ettingshausen in zwei Stunden und 15 Minuten.

So allein da oben, ist die Freiheit da wirklich grenzenlos?

Was Reinhard Mey da gesungen hat, stimmt weitestgehend schon. Eingeschränkt werde ich lediglich durch Lufträume, die ich meiden muss. Die halten sich aber in Grenzen und ich fühle mich dadurch auch nicht sooo eingeschränkt. Ansonsten kann ich mich entscheiden, wann ich losfliege und wohin. Den Rahmen geben Sonnenaufgang und -untergang sowie die Öffnungszeiten der Flugplätze vor. Mit meinem kleinen Flieger habe ich den Vorteil, dass ich sowohl auf internationalen Verkehrsflughäfen - wie Nürnberg oder Dresden - als auch auf kleinen Ultraleichtflugplätzen mit einer nur 250 Meter langen Landebahn aufsetzen darf. Das erweitert die Freiheiten schon ungemein. Bei den internationalen Verkehrsflughäfen ist Frankfurt allerdings auszunehmen.

Was ist denn für Sie so richtig herrlich hessisch?

Die abwechslungsreiche Landschaft, die dieses Land zu bieten hat, und die unterschiedlichen netten Leute, die man auf den hessischen Flugplätzen antrifft.

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