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Bad Vilbel: Totes Baby in Müllsack

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Bad Vilbel (süd). Am Nidda-Ufer wurde am Donnerstagabend ein toter Säugling gefunden.

Bad Vilbel (süd). Am Nidda-Ufer wurde am Donnerstagabend ein toter Säugling gefunden. Das Baby hatte bei der Geburt noch gelebt, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag nach der Obduktion mit, es wurde gewaltsam getötet. Der Säugling - ein Mädchen - war von einem 48-Jährigen gegen 18.15 Uhr gefunden worden. Das Kind lag in einem blauen Müllsack. Staatsanwaltschaft und Polizei haben Ermittlungen wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes aufgenommen. Sie suchen nun Zeugen, die am Nidda-Ufer gegenüber des Freibades in den vergangenen Tagen etwas gesehen haben. Von der Mutter fehlt bislang jede Spur.

Wie Doris Müller-Scheu, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, und Jörg Reinemer, Sprecher der Wetterauer Polizei, am Freitagmorgen in einer gemeinsamen Mitteilung bekanntgaben, war ein 48-jähriger Arbeiter aus Bad Vilbel auf dem unbefestigten Weg entlang des Nidda-Ufers flussabwärts in Richtung Frankfurt auf der linken Seite mit seinem Rad unterwegs. In Höhe der mit Grafitti bemalten Umkleidekabinen des Freibades musste er austreten. Der Mann stellte sein Rad am Nidda-Ufer ab und ging zu einem angrenzenden Busch. Hier bemerkte er einen auf dem Boden liegenden blauen Müllsack.

Als er diesen Sack öffnete, um nach Leergut zu schauen, entdeckte der 48-Jährige den Leichnam eines Neugeborenen. Das Baby lag nackt in der Tüte. Der Bad Vilbeler fuhr danach zurück und verständigte einen Zeugen, der wiederum die Polizei benachrichtigte. Auch der Rettungsdienst wurde verständigt. Das Vilbeler DRK schickte einen Rettungswagen, der ASB aus Karben eine Notärztin, die den Tod des Säuglings feststellte. Danach übernahm die Polizei und sicherte die Spuren. Die Ermittlungen führt das Kommissariat K 10 in Friedberg.

Typische Gewaltspuren am Hals

Nach ersten Einschätzungen der Ärztin war die Mutter in der 32. bis 36. Woche schwanger, als das Kind geboren wurde. Wo und unter welchen Umständen die Geburt erfolgt ist, ist noch unklar. Vor Ort an der Fundstelle erläuterten Reinemer und Polizeihauptkommissar Klaus Reuter von der Vilbeler Polizeistation, dass im Gebüsch zwischen S-Bahnlinie und verlängerter Wiesengasse auf der einen Seite sowie Freibad auf der anderen der Leichnam in dem handelsüblichen blauen Plastiksack nach den bisherigen Erkenntnissen nur abgelegt, das Baby hier aber nicht umgebracht wurde.

Am Freitagvormittag wurde der Leichnam dann in der Rechtsmedizin in Frankfurt obduziert. Hierbei wurde festgestellt, dass das Baby nach der Entbindung noch einige Tage gelebt hat, bevor es gewaltsam zu Tode kam. »Es dürfte sich um eine Frühgeburt gehandelt haben«, so Müller-Scheu und Reinemer. Das Kind war auf jeden Fall lebensfähig. An ihm wurden »eindeutige Erstickungszeichen« festgestellt, laut Staatsanwältin weist die Leiche typische Gewaltspuren am Hals auf. Der kleine Säugling habe weniger als ein Kilogramm gewogen und ist europäischer Herkunft.

Derzeit ist nicht bekannt, wie lange das Baby in der Nähe desNidda-Ufers gelegen hat, es dürfte sich allerdings eher um einen kürzeren als einen längeren Zeitraum handeln. Am Freitagnachmittag setzte die Polizei einen Hubschrauber ein, der den Bereich rund um die Fundstelle absuchte.

Die Staatsanwaltschaft und die Polizei suchen nun Zeugen und fragen: Wer hat in den vergangenen Tagen und Wochen am Fundort besondere Beobachtungen gemacht und kann sachdienliche Hinweise geben? Wem ist eine schwangere Frau aufgefallen, die nach ihrer Entbindung nicht zusammen mit dem Säugling gesehen wurde? Möglicherweise haben Fußgänger von der Wiesengasse aus eine Frau oder eine Gruppe an der Nidda gesehen - hier kommen auch Bahnreisende und Besucher des Berufsförderungswerkes für Hinweise in Frage. Den unbefestigten Weg nutzen häufiger Hundebesitzer, die dort ihre Vierbeiner entlang der Nidda ausführen und vielleicht etwas Außergewöhnliches beobachtet haben. Zum Fundort selbst führt ein kleiner Trampelpfad. Im Gebüsch dort halten sich auch schon mal vereinzelt Obdachlose auf. Möglicherweise haben sich in den vergangenen Tagen Menschen im Bereich der Ablagestelle getroffen. Hinweise an die Kripo, Telefon 0 60 31/60 10.

Am Freitagabend berichtete die Polizei, ein Zeuge habe im Laufe des Tages mitgeteilt, dass er etwa 200 Meter von der Fundstelle entfernt flussabwärts zwei Personen gesehen habe, die sich dort an Pfingsten aufhielten. Der Zeuge gab an, dass er das Pärchen dort am Donnerstag vor Pfingsten das erste Mal gesehen habe. Der Mann soll geangelt haben, die Frau einen kleinen Wagen mitgeführt haben. Auch am Pfingstsamstag und am Pfingstsonntag hat der Zeuge die beiden in der Nähe der Niddabrücke und am Sportfeld gesehen.

Möglicherweise handelt es sich hierbei um wichtige Zeugen, die Beobachtungen zur Ablage der Babyleiche gemacht haben oder sonstige Angaben machen können. Die Polizei bittet die beiden Personen, sich zu melden. Der Mann mit gepflegtem Aussehen wird auf etwa 40 Jahre geschätzt. Er hat schwarzes Haar, eine normale Figur und trug eine beige Stoffhose. Die Frau ist Anfang 30 Jahre alt und hat eine kräftige Statur. Sie trug einen weiten Rock. Beide hatten ein südosteuropäisches Aussehen.

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