Vernunft, Abstand, Maske

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Lockdown, Kontaktbeschränkung, Maskenpflicht: Nach Monaten in der Corona-Pandemie geht es schrittweise zurück zu mehr Normalität. Im Kampf gegen das Virus ist aber Vernunft gefragt. Zu schnelle Lockerungen können laut Minister Klose auch nach hinten losgehen.

Im Klinikum in Erbach ist soweit alles vorbereitet. Ab diesem Mittwoch sollen in dem Haus eigentlich Patienten wieder Besuch von Angehörigen bekommen dürfen. Fehlanzeige: Ein frischer Intensiv-Corona-Fall macht den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung. "Wir haben alles vorbereitet und heute Morgen wieder gecancelt", sagte der Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Odenwaldkreis, Andreas Schwab, am Dienstag. Angesichts neuer Lockerungen ab diesem Mittwoch mahnte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) auch gleich an die Vernunft der Menschen.

"Auf Maske und Abstand werden wir auf absehbare Zeit nicht verzichten können", sagte er am Dienstag in Erbach zum Auftakt seiner Sommerreise. Sie seien das "schärfste Schwert" im Kampf gegen die Pandemie.

Ab Mittwoch sind in Hessen Besuche in Reha-Kliniken wieder uneingeschränkt mög- lich. Behinderteneinrichtungen dürfen von allen Bürgern betreten werden, sofern sie gesund sind und keinen Kontakt zu Corona-Patienten hatten. Und in Krankenhäusern darf ein Patient in den ersten sechs Tagen insgesamt zwei Besuche empfangen. Pro Besuch dürfen maximal zwei Personen kommen. Ab dem siebten Tag darf täglich Besuch von maximal zwei Personen empfangen werden. Das gilt laut Schwab aber nicht, wenn es in einer Klinik einen Intensiv-Corona-Patienten gibt.

Klose informierte sich am Dienstag in der Kreisstadt beim öffentlichen Gesundheitsdienst im Odenwaldkreis über die Schwierigkeiten in der Pandemie, aber auch über die Aussichten für die Zukunft. "Eine nächste Pandemie kann uns wieder bevorstehen."

Die stellvertretende Leiterin und künftige Chefin des Gesundheitsdienstes, Antje Siebel, erzählte von den aufwühlenden und stressigen Tagen in der Pandemie. Das Nachverfolgen von Kontaktpersonen Infizierter, tägliche Kontakte mit Bürgermeistern oder Kliniken, aber auch die normalen Tätigkeiten wie Schuleignungstests oder auch die Beratung von Sucht- oder HIV-Kranken und parallel Schulungen für Hilfskräfte führten zu starken Belastungen. "Man konnte kaum aufs Klo gehen oder mal in ein Käsebrot beißen", sagte Seibel über die Belastung.

"Der Landkreis Odenwald hatte zu Beginn eine zahlenmäßig besondere Situation", sagte Klose. Der Odenwald-kreis war eine der am stärksten betroffenen Landkreise in Hessen. Nach Angaben von Landrat Frank Matiaske (SPD) gab es damals nicht nur zahlreiche Touristenbusse, die Menschen aus dem Infektions-Hotspot im österreichischen Ischgl zurückbrachten. "Wir haben deshalb so viele Fälle gehabt, weil wir extrem viel in Altenheimen getestet haben."

Verbessert habe sich die Kommunikation und die schnelle Hilfe unter den Kliniken. Laut Klose sei man auch innerhalb des Gesundheitsdienstes in Hessen in einem intensiven Dialog gewesen. "Wenn sie kommt, sind wir natürlich jetzt besser vorbereitet", sagte Klose mit Blick auf eine mögliche zweiten Welle oder eine andere Pandemie. Zum öffentlichen Gesundheitsdienst zählen die mehr als 20 Gesundheitsämter landesweit. Zu den Aufgaben gehört es unter anderem, Gesundheitsgefahren für die Menschen abzuwehren und übertragbaren Krankheiten vorzubeugen oder sie zu bekämpfen.

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