"Verantwortungslos und widersprüchlich"

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Wiesbaden- Hessische Lehrergewerkschaften haben erneut nachdrücklich vor der geplante Wiedereröffnung der Grundschulen am Montag gewarnt. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Birgit Koch, nannte es "verantwortungslos", dass nach der Corona-Zwangspause nun wieder alle Grundschüler zum Präsenzunterricht kommen sollen. "Bis zum Schulhaus haben wir die Corona-Pandemie - und innen soll sie nicht mehr sein?", sagte sie. In Frankfurt kamen am Freitagnachmittag mehrere Dutzend Menschen zu einer GEW-Kundgebung zusammen. Die Gewerkschaft bekommt nach den Worten von Koch regelmäßig E-Mails von Eltern mit dem Tenor, Grundschulen seien keine Versuchslabore.

Viele Mütter und Väter kündigten an, ihre Kinder nicht zum Unterricht zu schicken. Die GEW rechne damit, dass nach wie vor zehn bis 15 Prozent der Lehrkräfte nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen, weil sie einer Risikogruppe angehören.

"Es ist und bleibt widersprüchlich, wenn einerseits die Kanzlerin betont, dass das Abstandsgebot das A und O bleibe, andererseits wieder im Klassenverband unterrichtet wird", erklärte der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, Stefan Wesselmann. "Oder dass Großveranstaltungen bis Oktober verboten bleiben, während sich an manchen Schulen wieder täglich Hunderte Kinder und Erwachsene begegnen dürfen."

Hessens Kultusministerium geht nach den Worten seines Sprechers Stefan Löwer davon aus, dass alle Grundschulen ausreichend Zeit hatten, sich auf die Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche vorzubereiten. "Ein repräsentatives Bild dazu liegt uns allerdings nicht vor", teilte er in Wiesbaden mit. Löwer verteidigte den Schritt der Landesregierung und verwies auf neue Erkenntnisse zur Infektionslage. Außerdem würden die Eltern und Familien entlastet und dem Recht auf Bildung und Chancengerechtigkeit wieder mehr Geltung verschafft.

Erfahrungen zeigten, dass die Schüler die Hygieneregeln mittlerweile verinnerlicht hätten. "Diese Erkenntnis, vor allem aber die aktualisierten Einschätzungen der Virologen zur Infektiosität von Kindern, lassen mittlerweile eine Aufhebung der Abstandsregeln im Unterricht zu", so Löwer. dpa

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